Großteil bleibt zuhause

Corona-Einschränkungen: So sieht es in den Plettenberger Kitas und Schulen aus

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Nur wenige Plettenberger Eltern schickten in dieser Woche ihren Nachwuchs zur Betreuung in Kitas und Schulen.

Kitas und Schulen waren zwar nicht geschlossen, doch zu Beginn dieser Woche wurde es dort wieder wesentlich ruhiger. Denn viele Eltern folgten der Empfehlung der Politik und ließen ihre Kinder zu Hause.

Plettenberg – Nur wo es notwendig sei und sich keine andere Form der Betreuung finden ließe, sollten die Betreuungsangebote in den Kitas genutzt werden, lautete die Empfehlung des NRW- Familienministeriums. Und Schulkinder der Klassen 1 bis 7 konnten von der Präsenzpflicht befreit werden, um dann – wie schon die oberen Jahrgänge – daheim im Distanzunterricht zu lernen.

Grundschule Holthausen

In der Grundschule Holthausen war es wesentlich leerer als gewohnt. „Wir hatten zu Beginn der Woche 25 Kinder von 135 und die Tendenz ist fallend“, sagt Miriam Springob, Leiterin der Grundschule Holthausen. „Es haben schon weitere Eltern angekündigt, ihre Kinder von der Präsenzpflicht zu befreien.“

Die Kinder würden mit Arbeitsmaterial zum Lernen auf Distanz versorgt. „Das hat sehr gut funktioniert. Wir haben Arbeitspakete an die Eltern übergeben und haben das Material auch auf die Homepage gestellt, wo die Eltern es herunterladen können.“

Die Stimmung an der Schule sei, insbesondere am Montag, nicht sehr gut gewesen, beschreibt Springob: „Viele fühlen sich wieder überrumpelt. Wir mussten schnell reagieren und die Arbeitspakete organisieren. Da hätte man sich mehr Vorlauf gewünscht.“

Bei den Eltern herrsche zudem eine große Unsicherheit, denn in anderen Bundesländern würden die Schulen ab Mittwoch schließen, in NRW dagegen nicht.

Am 7. und 8. Januar soll es eine Notbetreuung geben, ansonsten hätten die Kinder aber noch Ferien, die bekanntlich bis zum 10. Januar verlängert wurden. „Wie es am 11. Januar weitergeht, wissen wir noch nicht“, sagt Springob. „Hoffentlich weitgehend normal, aber das ist auch unser Wunschdenken.“

Geschwister-Scholl-Realschule

An der Geschwister-Scholl-Realschule hat sich die Zahl der betreuten Schüler in den vergangenen Tagen stark reduziert. Von insgesamt 294 Schülern der Klassen 5 bis 7 seien am Montag 167 in der Schule, am Dienstag nur noch 31 und am Mittwoch 13 gewesen, rechnet Schulleiterin Monika Storm vor. „Ich glaube, die Eltern waren am Montag noch verunsichert, obwohl wir auf der Homepage informiert hatten“, sagt sie. Auf der Website der Schule sowie per Email habe man am Montag dann nochmals über die kurzfristig am vergangenen Freitag mitgeteilten Lockdown-Regelungen für die Schulen informiert. Außerdem hätten die Eltern am Montag noch Zeit benötigt, um sich zu organisieren, sodass die Kinder zuhause betreut werden könnten.

Die kurzfristige Information an die Schulen am Freitag – nach Schulschluss – bedeutete auch, dass den Schülern unter Umständen Bücher und anderes Arbeitsmaterial fehle. Daher hatten die Schüler der einzelnen Jahrgänge über den Tag verteilt am Dienstag noch einmal die Möglichkeit, fehlendes Material in der Schule abzuholen. „Das haben aber nur wenige getan. Ganz viele Schüler hatten ihre Sachen ohnehin schon zuhause“, so Schulleiterin Storm. Auch das Kollegium habe den Wochenbeginn noch benötigt, um die Aufgaben für das Distanzlernen zu organisieren und an die Schüler auszugeben beziehungsweise auf der Homepage zugänglich zu machen. Genauso würden die Schüler betreut, die sich in der Schule befinden.

In der kommenden Woche bietet die Schule am 21. und 22. Dezember eine Notbetreuung an, Anmeldungen dafür gebe es aber bisher nicht, sagt die Schulleiterin. Für den 7. und 8. Januar wird es ebenfalls eine Notbetreuung geben. Um planen zu können, sei dafür eine Anmeldung bis zum 21. Dezember notwendig. Wie es ab dem 11. Januar in der Schule weitergehe, ob der Distanzunterricht fortgesetzt werde, wisse man noch nicht, sagt Storm. „Wir reden aber darüber, welche Möglichkeiten es gibt und wie wir uns als Schule darauf einstellen.“

Städtisches Familienzentrum Stadtmitte

Von den 70 Kindern, die üblicherweise im Städtischen Papilio-Familienzentrum Stadtmitte betreut werden, seien am Montag 41 in der Einrichtung gewesen, am Dienstag 36. Das seien mehr als in anderen städtischen Kitas, sagt Leiterin Petra Möwes. „Wir sind eine große Einrichtung mit vielen 45-Stunden-Kindern, deren Eltern beide berufstätig sind und eine verlässliche Betreuung brauchen.“ Viele Eltern hätten den Wochenbeginn benötigt, um eine Betreuung daheim organisieren zu können. Andere nutzten vielleicht die letzten Tage, um vor dem harten Lockdown noch wichtige Besorgungen zu erledigen, auch Geschenkkäufe. Der Weihnachtsstress sei für Familien schon in normalen Jahren eine Herausforderung – in diesem Jahr kommt Corona obendrauf. „Es ist schon eine angespannte Situation“, sagt Möwes. „Pandemie und Weihnachten zusammen, das ist eine Sache zuviel.“

Daher sei es absolut legitim, die Kinder weiterhin in die Kita zu bringen. Das gelte nicht nur für berufliche Gründe, sondern, darauf wird in dem Schreiben des NRW- Familienministeriums explizit hingewiesen, auch für private Gründe.

Trotzdem gibt es Erklärungsbedarf. „Es gibt ganz viele Nachfragen der Eltern, vor allem am Telefon, was das nun für sie bedeutet“, erklärt die Leiterin des Familienzentrums. Dabei würde auf der einen Seite auf die weiter bestehende Betreuungsmöglichkeit hingewiesen. Auf der anderen Seite gebe man aber auch den Appell des Familienministeriums weiter, das Betreuungsangebot nur zu nutzen, wenn es absolut notwendig ist und sich keine andere Form der Betreuung für die Kinder arrangieren lässt. Denn klar ist: Je mehr Personen in der Kita sind, desto größer sei die Ansteckungsgefahr. Druck, ihr Kind zuhause zu lassen, mache man den Eltern aber nicht, betont Möwes.

Wie schon das ganze Jahr würden die Eltern auch jetzt sehr gut mitspielen. „Wir haben keine Probleme mit Eltern, es ist eine große Akzeptanz da.“ Viele würden durch die Gespräche in ihrem eigenen Entschluss bestärkt, die Kinder zuhause zu lassen.

DRK-Familienzentrum Am Saley

Die Mitteilung aus dem Familienministerium erreichte das DRK-Familienzentrum Am Saley am vergangenen Freitagnachmittag, als die Kinder schon abgeholt waren. Im Team habe man sich dann zusammengesetzt und sämtliche Eltern angerufen, um die neue Situation zu erklären und um Verständnis zu werben, berichtet Einrichtungsleiterin Claudia Stahlhacke.

„Die Eltern haben ganz hervorragend mitgezogen“, sagt sie. Der Großteil sei dem Appell des Familienministeriums gefolgt und habe eine andere Möglichkeit zur Betreuung der Kinder organisieren können, teils trotz Berufstätigkeit. Von den 60 Kindern, die sonst in der Einrichtung betreut werden, würde nur noch ein kleiner Teil erscheinen.

„In der kompletten Einrichtung hatten wir am Mittwoch nur zehn Kinder, und das auch nur von vollberufstätigen Eltern, die keine andere Möglichkeit hatten, um ihre Kinder betreuen zu lassen.“ Auch am Montag und Dienstag seien nur ein paar Kinder mehr gebracht worden, bis zum Ende der Woche würden es voraussichtlich noch weniger sein, das hätten Eltern bereits durchblicken lassen.

„Ein herzliches Dankeschön an die Eltern für das Verständnis und dass es so schnell ging“, sagt Stahlhacke. Auch umgekehrt habe man viele warme Worte seitens der Eltern bekommen dafür, dass der Betrieb so lange gut und ohne Schließungen geklappt habe.

Dass es nun auf die Entscheidung von letzter Woche hinauslief, sei absehbar gewesen, sagt die Kita-Leiterin. Die Einschläge seien immer nähergekommen und man habe befürchtet, dass es irgendwann auch Infektionen in der Kita geben würde. Daher sei man über die nun geltende Regelung froh.

„Wir hätten uns das schon früher gewünscht“, sagt Stahlhacke. Obwohl absehbar, sei die Entscheidung dann aber doch sehr plötzlich gekommen. Wenige Tage zuvor hatte es noch geheißen, dass die Kitas offen bleiben sollten. Daher verstehe sie auch den Unmut mancher Eltern, der sich nicht gegen die Kita richte, sondern auf der unklaren Situation im Vorfeld gründe.

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