Für einige sieht die Zukunft düster aus

Chöre leiden trotz Lockerungen: Keine Proben und weniger Mitglieder

Ein Bild des MGV Eiringhausen, aufgenommen in der Zeit vor der Corona-Pandemie.
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Ein Bild des MGV Eiringhausen, aufgenommen in der Zeit vor der Corona-Pandemie.

Die Gesangsvereine sind von der Corona-Pandemie besonders getroffen worden. Nach über einem Jahr Corona-Pandemie ohne Chorproben, Konzerte und besondere Auftritte ist vieles vom vorher eingeübten Liedgut nicht mehr präsent. Ein Neuanfang wird für Chorleiter und Sänger ziemlich mühselig.

Plettenberg - Manch ein Aktiver könne oder wolle nicht mehr dabei sein oder kein Risiko eingehen, während die meisten wohl in den Startlöchern stehen und lieber heute als morgen wieder mit den Chorproben beginnen würden.

MGV Plettenberg

„Heiß auf den Wiederbeginn“ seien seine Mitglieder, erklärt Roger Kuhnen, 1. Vorsitzender des Männergesangvereins Plettenberg. „Um den Kontakt zu halten, habe ich alle drei bis vier Wochen bei unseren 20 Sängern angerufen. Außerdem erhielten sie noch eine Weihnachtspost“.

In nächster Zeit wolle sich der engere Vorstand treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „An einen Chorprobenbetrieb ist nach den geltenden Regeln (zwei Meter Abstand von Sänger zu Sänger) leider zurzeit noch nicht zu denken. Ganz schade, weil Hubertus Schönauer uns in diesem Monat 30 Jahre als Chorleiter führt“, sagt Kunen.

MGV Eiringhausen

Hubert Schmoll, 1. Vorsitzender des Männergesangverein Eiringhausen, hat dagegen ganz spezielle Sorgen: „Im vergangenen Jahr zählten wir noch 28 Sänger. In der Zwischenzeit haben aus Alters- und Gesundheitsgründen vier aktive Mitglieder unseren Verein verlassen. Um singfähig zu sein, brauchen wir vier Tenöre.“ Doch derzeit verfüge der Männergesangverein nur noch über zwei Tenöre. Die Pandemie lasse die Sänger zu Recht vorsichtiger werden. „Wir gehören alle auf Grund unserer Altersstruktur in die Hoch-Risikogruppe und derzeit ist die Delta-Variante auf dem Vormarsch. Was noch der Herbst mit sich bringt, wissen wir nicht“, sagt Schmoll.

Chorproben seien unter den im Moment geltenden Abstandsregeln nicht denkbar. „Im nächsten Jahr würden wir noch gerne unser 150-jähriges Bestehen feiern. Vielleicht endet damit unsere Vereinsgeschichte.“

Frauenchor Eiringhausen

Ähnliche Sorgen plagen auch Hildegard Schmoll, 1. Vorsitzende des Frauenchors Eiringhausen: „Wir werden in den nächsten Wochen vom geschäftsführenden Vorstand zusammenkommen, um uns zu beraten. Im Moment warten wir darauf, dass sich die Lage weiter entspannt und wir, wenn die Corona-Schutzbestimmungen es hergeben, vielleicht wieder mit unseren 32 Sängerinnen die Chorproben beginnen können. Nach derzeitigem Stand ist nicht daran zu denken“.

MGV Holthausen

Noch vor einem halben Jahr habe man beim MGV Holthausen die Hoffnung gehegt, schon bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können, wie der 1. Vorsitzende Horst Walschus erklärt: „Im Dezember erhielten unsere Sänger und unsere Fördermitglieder Briefe, in denen wir unsere Hoffnung auf eine baldige Normalität zum Ausdruck brachten. Nun, ein halbes Jahr später, kommen wir im engeren Vorstand zusammen, um unsere Möglichkeiten auszuloten.“

Die Holthauser müssten noch ihre Jahreshauptversammlung mit Wahlen nachholen und den Jahresbericht 2020 verabschieden. „Es ist eine lange Zeit, in der wir uns nicht mehr gesehen haben, geschweige denn zusammen Lieder proben konnten“, erklärt Walschus. Denn Chorproben seien derzeit nicht möglich, man hoffe aber im September auf einen Wiederbeginn.

In den letzten Wochen haben sich die an die sinkenden Inzidenzwerte angepassten Ergänzungen der NRW-Corona-Schutzbestimmung förmlich überschlagen. Darin geht es auch um die für Chöre wichtigen Regeln für Zusammenkünfte nach Zahlen und Abständen.

Einschätzungen aus dem Ordnungsamt

Thorsten Spiegel, der unter anderem für Ordnung und Sicherheit zuständige Fachgebietsleiter bei der Stadt Plettenberg, unterstrich noch einmal die Wichtigkeit, die Regeln einzuhalten: „Schon bisher sind bundesweit etwa 90 000 Menschen an oder mit Corona verstorben. Aus Respekt vor allen Verstorbenen, Langzeiterkrankten, Ärzten, Medizin- und Pflegepersonal sollten wir auf allen Ebenen noch eine Zeit lang angemessen achtsam bleiben, wiedergewonnene Freiheiten mit Augenmaß nutzen, um neue Ausbrüche möglichst lange zu vermeiden. Natürlich wäre es wünschenswert, dass man – wie vor Corona – ‘Stuhl an Stuhl nebeneinander’ bei Chorproben sitzen kann, das wird aber wohl noch etwas dauern.“

So wird der Zwei-Meter-Mindestabstand zwischen den Sängern noch weiterhin gelten. Dabei geht das gegenseitige Stützen und die Sicherheit in den Stimmen mehrheitlich verloren. Für ausgebildete Solostimmen vielleicht kein Problem – wohl aber für die überwiegende Zahl der Chorsänger.

Vorstandssitzungen und Jahreshauptversammlungen (mit Negativtest-, Genesenennachweis oder vollständigem Impfschutz) stellen wohl kein Risiko dar, wobei eine „sitzplatzscharfe Erfassung“ zur besonderen Rückverfolgbarkeit von Thorsten Spiegel empfohlen wird. Dann kann am Sitzplatz auch die Maske abgenommen werden.

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