"Cold Case" aus Plettenberg

Mord bleibt ungesühnt - Reaktionen des Ermittlers und der Familie

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Der pensionierte Kripobeamte Wilfried Böcker leitete seinerzeit die Mordermittlungen.

Es war ein "Cold Case", der kurz vor der Aufklärung stand. Doch 31 Jahre nach einem grausamen Mord in Plettenberg bleibt der Fall mit dem Aktenzeichen 41 JS 136/89 letztlich doch ungesühnt.

Plettenberg - Der heute 68-jährige Mordverdächtige war der Polizei ins Netz gegangen, als er in einer griechischen Taverne ohnmächtig geworden. Die Polizei nahm damals seine Personalien auf - und stieß auf den internationalen Haftbefehl. Doch der mit Spannung erwartete Mordprozess, bei dem Spiridon K. für den Mord an der damals 25-jährigen Plettenbergerin Garifalia Z. im April 1989 zur Verantwortung gezogen werden sollte, wird nicht stattfinden; der Mordverdächtige ist tot. Er starb am 29. August 2020. Die Mutter von zwei Töchtern war mit sieben Pistolenschüssen ermordet worden. 

Der Mordfall in Plettenberg – hier der Tatort – beschäftigte vor 30 Jahren auch Eduard Zimmermann in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Nun ist der Mordverdächtige in Griechenland verstorben – die nicht verjährte Mordanklage in Deutschland ist damit hinfällig.

Einen Tag vor dem natürlichen Tod des zuletzt im Koma liegenden Mordverdächtigen hatte Dr. Gerhard Pauli von der Staatsanwaltschaft Hagen den Rückführungsantrag zurückgezogen, weil aus Sicht der griechischen Mediziner keine Aussicht darauf mehr bestand, dass der 68-Jährige verhandlungsfähig werden könnte. 

Mittlerweile konnte die griechische Staatsanwaltschaft den Tod von Spiridon K. offiziell bestätigen. Demnach sei der mutmaßliche Mörder am 29. August in einem Athener Krankenhaus gestorben. Die Bestätigung des Todes hatte die für West- und Mittelgriechenland zuständige Staatsanwaltschaft mit Sitz in Agrinio erst Anfang September erhalten.

Cold Case bleibt ungesühnt: Leitender Kripobeamter erinnert sich

Wilfried Böcker, pensionierter Kriminalhauptkommissar und vor über 30 Jahren maßgeblich an den Ermittlungsarbeiten beteiligt, las vom Tod des Mordverdächtigen in der Heimatzeitung. „Da hat das Schicksal zugeschlagen“, sagt Böcker, der es positiv bewertet, „dass er noch zu Lebzeiten erfahren hat, dass es in Plettenberg einen Haftbefehl gegen ihn gibt und Mordanklage erhoben werden soll“. Genau davor habe er sicher jahrzehntelang Angst gehabt. "Der Tod habe ihn zwar "seinen irdischen Richtern entzogen  - aber wir wissen nicht, was ihn im Jenseits erwartet", so der Plettenberger, der sich seinerzeit intensiv um die Angehörigen gekümmert hatte.   

„Ich weiß nicht, wie die Angehörigen nach so einer langen Zeit damit umgehen. Ein Mordprozess hätte alles noch einmal aufgerollt. Nun müssen die Hinterbliebenen versuchen, damit umzugehen und einen Schlussstrich zu ziehen“, so der Kriminalhauptkommissar, der ein Jahr nach dem spektakulären Mordfall nach München gereist war, um den Fall in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ bei Eduard Zimmermann vorzustellen und neue Hinweise zu finden. 

Familie mit traumatischen Erinnerungen

Grigorios Alexiou, der Bruder der vor 31 Jahren ermordeten Garifalia Z., konnte den kaltblütigen Mord an seiner Schwester in einem Waldstück bei Dingeringhausen über all die Jahre nur schwer verdrängen und verarbeiten. „Das Ganze war damals eine sehr traumatische Angelegenheit“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Redaktion. Zusammen  mit den beiden Töchtern der Ermordeten wollte er als Nebenkläger in dem Mordprozess gegen Spiridon K. auftreten und dem Mörder seiner Schwester bzw. ihrer Mutter ins Gesicht zu  sehen. Der früher in Plettenberg wohnhafte Bruder des Mordopfers hatte sich mit Blick auf den Mordprozess schon den Rechtsbeistand des Düsseldorfer Anwalts Dr. Konstantinos Goumagias gesichert.

„Der Mordprozess wäre gut für die Familie gewesen. Jetzt bleibt ein Beigeschmack, weil der Mörder nicht zur Verantwortung gezogen werden kann“, so Goumagias zu dem Fall, der nun endgültig zu den Akten gelegt wird - auch wenn einige Fragen offen geblieben sind, die der Mordverdächtige nun mit ins Grab nimmt.

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