Klartext von Andrea Saladdino

„Clowns in Berlin“: Plettenberger Eventmanager lässt kein gutes Haar an der Corona-Politik

Andrea Saladdino (links) mit Christian Burghaus vor der Beachparty
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Andrea Saladdino (links, hier mit Christian Burghaus im Vorfeld der Beachparty im vergangenen Jahr), Chef des Event-Service „Kleiner Italiener“ zeigt sich enttäuscht vom Krisenmanagement der Bundesregierung.

Wann der Lockdown zuende ist und wie es dann auch in puncto Veranstaltungen weitergeht – diese Frage kann momentan niemand beantworten. Deswegen hat auch Andrea Saladdino die deutsch-italienische Schlagernacht sowie weitere Veranstaltungen, die für Frühjahr und Sommer angedacht waren, aufs nächste Jahr verschoben. Am Krisen-Management der Bundesregierung lässt Saladdino dabei kein gutes Haar.

Plettenberg – „Man hat den Ordner voll mit Ideen, aber eine Planung ist absolut unmöglich“, sagt Saladdino. „Es ist nicht möglich, veranstaltungstechnisch etwas auf die Beine zu stellen.“

Für Veranstaltungen im November und Dezember habe man Ideen und Konzepte gehabt, dann kam aber der zweite Lockdown, der bis heute andauert, mit offenem Ende. Für Saladdino und seinen Event-Service „Kleiner Italiener“ ein Totalschaden. „Das einzig positive am Lockdown ist, dass man dadurch auf sehr viele neue Ideen gekommen ist.”

Doch bis die Lage es hergibt, dass er sie auch umsetzen könnte, wandern sie erst einmal in den Ordner. Dort sind auch die Konzepte für die Veranstaltungen, die Saladdino in diesem Jahr nicht durchführen kann.

„Scheiße für uns und die Künstler“

Die deutsch-italienische Schlagernacht – unter anderem mit Giovanni Zarrella – sollte ursprünglich am 20. März stattfinden, die Playa Party mit Mia Julia am 17. April. Doch daraus wird zumindest in diesem Jahr nichts mehr, so Saladdino, der die Events mit den gleichen Künstlern nachholen möchte. „Wir werden beides ins Frühjahr 2022 verschieben“, sagt er. Er hat sich bewusst gegen einen früheren Nachholtermin entschieden. „Wenn man Veranstaltungen immer wieder um ein paar Monate verschiebt, ist das für uns scheiße und für die Künstler auch“, sagt Saladdino, der hofft, dass im kommenden Jahr wieder Veranstaltungen möglich sind.„Sollten wir im Frühjahr 2022 immer noch im Lockdown sein, hat die Regierung total versagt.“

Was in der Gastronomie und in der Veranstaltungsbranche passiert, das ist politisches Versagen.

Andrea Saladdino

Der Ansicht ist Andrea Saladdino ohnehin schon, bezeichnet die Bundesregierung als „Clownsgestalten in Berlin“, an deren Corona-Politik er kein gutes Haar lässt. „Was in der Gastronomie und in der Veranstaltungsbranche passiert, das ist politisches Versagen: Die Politik hat schon letztes Jahr versagt und das setzt sich weiterhin fort“, wird der Plettenberger deutlich.

Das Jahr 2021 hat er, was größere Veranstaltungen angeht, abgehakt. „Ich rechne nicht damit, dass dieses Jahr Großveranstaltungen mit mehr als 500 bis 600 Leuten stattfinden werden, absolut nicht.”

Daher sind auch die Playa Party und die Deutsch-italienische Schlagernacht nicht die einzigen Events, die Saladdino aufschieben muss. Auch die für Ende März geplante Black Light Party 2.0 sowie eine Schaumparty und die 90erJahre-Party – beide sollten eigentlich im Juni stattfinden – wird es in diesem Jahr nicht geben. „Das ist alles auf Eis gelegt, aber die Konzepte bleiben in den Ordnern”, sagt Saladdino. „Sobald es erlaubt ist, lassen wir es wieder krachen. Ich werde nicht aufgeben. Ich bin ein Stehaufmännchen.”

Keine staatlichen Hilfen

Dennoch bleibe die Situation für ihn schwierig, gerade auch wirtschaftlich. Staatliche Hilfen bekomme er für seinen Event-Service „Kleiner Italiener“ nicht. Denn Vorjahresumsätze, auf deren Grundlage November- und Dezemberhilfen berechnet werden könnten, fehlen bei dem Unternehmen schlicht. „Wir sind als Unternehmen zu jung und fallen da komplett raus“, sagt Saladdino.

Trotzdem müssen Fixkosten bezahlt, Mitarbeiter versorgt werden. Das geht nur, indem das Geschäft so weit wie möglich heruntergefahren wird – und durch das Aufbrauchen von Rücklagen. „Es ist eine verdammt schwierige Situation, denn irgendwann sind die Rücklagen auch verbraucht. Es tut einfach weh.“

Weh tun auch die Kosten, einen Kiosk an der Habbeler Straße in Herscheid für seinen Event-Service umzubauen. Auf 110 Quadratmetern sollte dort für Saladdinos Event-Service eine Großküche entstehen. „Das sind absolut verlorene Kosten“, sagt er. Momentan dienten die Räume als Lager. Hinzu komme, dass er den Plan, vor dem umgebauten Kiosk einen Im-bisswagen aufzustellen, bisher nicht umsetzen konnte. „Es haben sich baurechtliche Schwierigkeiten aufgetan, die mir im Vorfeld nicht so bewusst waren.” Er befinde sich aber im Austausch mit den zuständigen Behörden und hofft, dass sich dort noch eine Lösung für den Imbisswagen finden lässt.

„Kann kurzfristig reagieren“

Ob sich auch im Bereich Veranstaltungen noch etwas tut in diesem Jahr, hängt von der aktuellen Infektionslage ab. „Falls wir doch plötzlich 99 Prozent Geimpfte haben, könnten wir innerhalb von zwei bis vier Wochen Veranstaltungen durchführen“, sagt Saladdino. An solche Impfquoten glaubt er zwar nicht, möchte sich aber schon an Events wagen innerhalb dessen, was die CoronaRegeln irgendwann in den kommenden Monaten zulassen.

„Ich hab vieles in petto und kann kurzfristig reagieren. Wegen unserer Technikpartner von Esta Loca können wir da schnell etwas auf die Beine stellen“, sagt Saladdino. Im Sommer 2020 hatte er mit Christian Burghaus von Esta Loca an der Oesterhalle ein Beachclub-Konzept umgesetzt, das Feiern innerhalb der damals gültigen CoronaRegeln möglich machte und auch gut angenommen wurde. „Beim Beachclub haben wir plus minus Null gehabt und konnten die Fixkosten decken“, sagt Saladdino. Ob dieses Konzept auch in diesem Jahr eine Option wäre, sei situationsabhängig.

„Lockert man, sodass sich wieder ein paar Leute treffen können, ist der Beachclub wieder eine Option“, sagt Saladdino. Eine Detailplanung für eine erneute Veranstaltung dieser Art an der Oesterhalle existiere aber nicht. Die müsste ohnehin auf die jeweils gültige Corona-Schutzverordnung angepasst werden.

Was die Oesterhalle angeht, sei diese für Andrea Saladdino als Vorsitzenden der Oestertaler Schützen in der Corona-Zeit ein kleiner Lichtblick. „Dass die Oesterhalle mit Fördermitteln saniert wird, das ist sehr positiv, das ist für mich eine Art Ausgleich.“ 

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