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Heizkosten zu hoch: Christuskirche bleibt geschlossen

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Von: Hartmut Damschen

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Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Christuskirche an Weihnachten wieder für Gottesdienste geöffnet wird. Bis dahin soll das Wahrzeichen der Stadt Plettenberg jedoch erstmal geschlossen bleiben.
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Christuskirche an Weihnachten wieder für Gottesdienste geöffnet wird. Bis dahin soll das Wahrzeichen der Stadt Plettenberg jedoch erstmal geschlossen bleiben. © Archiv

Die Energiekosten steigen und nun reagieren auch die ersten Kirchengemeinden: In Plettenberg zentralisiert die Evangelische Gemeinde die Gottesdienste, die altehrwürdige Christuskirche bleibt für Monate fast ausnahmslos geschlossen.

Plettenberg -  Zwei Handlungsempfehlungen zur Einsparung von Heizkosten in den heimischen Kirchen hatte das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen bereits frühzeitig an die Gemeinden herausgegeben – nun haben die Verantwortlichen der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg entschieden, was sie aus den Vorgaben machen wollen: „Wir haben unter Einbeziehung des Votums von aktiven Gemeindemitgliedern beschlossen, der Winterkirche den Vorzug zu geben“, macht Peter Winkemann, 1. Vorsitzender des Presbyteriums im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Das bedeutet: Die Christuskirche fällt vorübergehend in den Winterschlaf – bleibt während der kalten Jahreszeit geschlossen.

Zum Hintergrund: Um Energiekosten beim Beheizung der Gotteshäuser zu sparen, hatte es zwei Handlungsempfehlung gegeben:

Die erste Empfehlung bezieht sich auf eine Absenkung der Temperaturen in den Kirchen. Dabei wird zwischen einer Grundtemperatur von 5 bis 8 Grad und einer maximalen Nutztemperatur von 16 Grad unterschieden. Das bedeutet, dass nach den Gottesdiensten die Temperatur herunter-, und vor den Gottesdiensten wieder heraufgefahren werden muss. Und zwar langsam, damit die Luftfeuchtigkeit keinen Schaden an Orgel und Inventar anrichten kann. Eine maximale Temperaturänderung von 1 Grad pro Stunde bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 Prozent dürfe nicht überschritten werden. Die Absenkung der Nutztemperatur, die nur dauerhaft den gewünschten Spareffekt erzielen könne, sollte innerhalb der Gemeinde kommuniziert werden, um auch Akzeptanz zu finden. Wolldecken und Sitzkissen könnten die Temperaturabsenkung etwas mildern.

Die zweite Handlungsempfehlung greift den Begriff der „Winterkirche“ auf. Damit ist beispielsweise gemeint, das Gemeindehaus für Gottesdienste zu nutzen und gleichzeitig die sonst dafür genutzten Kirchen in den Winterschlaf zu versetzen. Die Temperatur in diesen Kirchen werde auf eine für Orgel und Inventar verträgliche Grundtemperatur bei notwendiger Lüftung heruntergefahren. Der Einspareffekt sei enorm, da die Kirchen im Winterschlaf kaum Energie benötigen (früher wurden Kirchen gar nicht beheizt), während die Gemeinderäume meistens mehr frequentiert würden und dadurch sowieso dauerhafter geheizt werden müssen.

Nachdem die Vorschläge innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg beraten und auch die Gemeindeglieder dabei einbezogen wurden, steht nun fest, dass man der Winterkirche den Vorzug gegeben hat. „Das bedeutet zunächst, dass die Christuskirche in der Zeit vom 1. November bis 31. März für Gottesdienste geschlossen bleibt. Darüber hinaus wird in dieser Zeit an jedem Sonntag für die gesamte Gemeinde nur ein Gottesdienst angeboten“, erklärt Peter Winkemann.

Dieser sogenannte „zentrale“ Gottesdienst werde immer um 10.30 Uhr stattfinden. Gefeiert werde an unterschiedlichen Predigtstätten der Gemeinde, allerdings nach einem festen Schema: Am 1. und 3. Sonntag eines Monats trifft sich die Gemeinde im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, am 2. Sonntag in der Martin-Luther-Kirche, am 4. Sonntag in der Erlöserkirche und am 5. Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche. Fahrdienste von freiwilligen Helfern sollen den Gottesdienstbesuch ermöglichen.

Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus werde bevorzugt, weil durch die Mehrfachnutzung dort sowieso geheizt werden muss. Zudem sei der Raum groß genug für die ganze Gemeinde und multifunktionell nutzbar. Eine alleinige Nutzung des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses wäre auch denkbar gewesen. „Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden“, so Peter Winkemann, „weil es uns wichtig ist, vor Ort bei den Menschen zu sein.“ Daher werde auch in den angestammten Kirchen Gottesdienst gefeiert.

Für Weihnachten gilt die Winterkirchen-Regelung übrigens nicht. Somit stünden die Chancen nicht schlecht, dass auch die Christuskirche in der Heizperiode einmal ihre Pforten öffnet. Winkemann, der mit seinen Kollegen weitere Sparvorschläge entgegennimmt, ergänzte: „Wir sehen in dieser ziemlich großen Umstellung aber auch die Chance, dass zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Gemeindebezirke eine ganz neue Gemeinschaft erwächst. Neben allen Schwierigkeiten der Energiekrise wäre das zumindest ein positiver Nebeneffekt für die Kirchengemeinde.“

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