Thema Flüchtlinge: "Wir mussten viele Bruchbuden anmieten"

+
Sozialamtsleiterin Christiane Wilk informierte über Flüchtlinge.

Plettenberg - Licht und Schatten gibt es in Sachen Flüchtlinge. In der Sitzung des Sozialausschusses gab Sozialamtsleiterin Christiane Wilk in der „Halle für alle“ einen Überblick zu aktuellen Lage. „Die Situation hat sich deutlich entspannt“, sagte Wilk. Anfang 2017 seien 90 Flüchtlinge innerhalb von sechs Wochen geordnet zugewiesen worden.

Aufgrund eines abgestimmten Aufnahmeverfahrens an der Ohler Straße seien diese Zuweisungen gut über die Bühne gegangen. Nach selbstorganisierten Willkommensschulungen habe man in Kooperation mit der VHS Lennetal schnell kompakte Sprachkurse angeboten. Vor allem Familien habe man mit „Wohnschulungen“ auf ein Leben in eigenen Wohnungen vorbereitet.

 Alleinreisende Männer seien zum Teil noch an der Ohler Straße untergebracht. „Dort wohnen insgesamt rund 100 Flüchtlinge – die alleinstehenden Männer in den Häusern II und II, die Familien oder Frauen mit Kindern im Haus III“, so Wilk. Insgesamt sind nach Auskunft der Sozialamtsleiterin zurzeit rund 260 Asylbewerber im Leistungsbezug. Viele derjenigen, die in den letzten Jahren gekommen seien, habe man inzwischen zum Jobcenter übergeleitet. „Neue Zuweisungen sind noch nicht angekündigt“, betonte Wilk.

 Noch „nicht richtig rund“ laufe die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter hinsichtlich der Erstattungen und der Übernahme von Unterkunftskosten. „Wenn die Flüchtlinge zum Jobcenter wechseln, zahlt man dort nicht immer direkt die Miet-, Strom- und Heizkosten, wie wir das gemacht haben, sondern überlässt das den Flüchtlingen, die damit überfordert sind.“ Als Konsequenz bekomme die Stadt als Vermieter alle Mahnungen. Nicht zuletzt deshalb versuche die Stadt viele Wohnungen zu kündigen, „vor allem die mit sehr schlechtem Zustand oder extrem hohen Energiekosten“, die das Jobcenter nicht übernommen habe. 

„Wir mussten in der Not auch viele Bruchbuden anmieten“, machte Wilk die Problematik deutlich und ergänzte: „Wir, vor allem die Kolleginnen der Gebäudewirtschaft, versuchen die Vermieter dazu zu bewegen, direkt an die Flüchtlinge zu vermieten. Das klappt aber nicht immer“, bedauerte Wilk. Im Gegenzug habe man im Bereich Beiese drei Haushälften sanieren lassen, die vor allem für Familien und Alleinerziehenden vorgesehen seien. Hier gebe es bereits Widerstände von den Eigentümern der darüber liegenden Häuser, deren Mieter Angst vor den Flüchtlingen hätten. „Daher ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten, ich stehe mit den Eigentümern aber in regem Austausch“, sagte Wilk.

 In Kürze könne auch wieder das städtische Haus am Oesterhammer 25 bezogen werden, das saniert werden musste. „Wir hoffen, dass dieser Umzugsprozess im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden kann. Dann müssen wir uns dringend mit den Kalkulationen unserer Unterkünfte beschäftigen, mit Hygieneplänen und anderen Dingen, die bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms nicht geleistet werden konnten.“ In dem Zusammenhang sprach Wilk auch die angespannte Personalsituation an, denn in der Flüchtlingsbetreuung habe die Stadt ein Sozialarbeiter verlassen, eine weitere Kollegin sei nach Lüdenscheid gewechselt, ein Mitarbeiter sei seit längerer Zeit krank und eine weitere Kollegin im Schwangerschaftsurlaub.

 „Daher können wir im Moment wirklich nur das Alltagsgeschäft leisten“, erklärte Wilk. Eine gute Hilfe sei daher ein Bundesfreiwilligendienstleistender im Sonderprogramm Flüchtlinge (kurz Bufdi), der gerade Abitur gemacht habe und als 13-Jähriger selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. „Er bringt tolle Erfahrungen und ganz andere Zugänge zu den Flüchtlingen mit“, sagte Wilk. Gut laufe die Zusammenarbeit mit Jugendamt, Freiwilligenzentrale, VHS und dem Jugendmigrationsdienst. Die Zusammenarbeit mit Freiwilligen wie der Gruppe „Plettenberger helfen“ finde dagegen auf institutioneller Ebene „kaum noch statt.“ 

In Sachen Sprachkurse gebe es gute Fortschritte. So biete die Stadt über die VHS freiwillige Sprach-Kompaktkurse an – jeweils drei Wochen an drei Tagen, die alle Neuankömmlinge besuchen sollen. Daneben gebe es weiterhin niederschwellige Sprachkurse durch Ehrenamtliche. Im Herbst sei ein Kurs für junge Frauen mit sehr jungen Kindern angelaufen, die sonst wegen fehlender Kinderbetreuung nicht zum Sprachkurs konnten. Deutlich besser geworden sei die Situation der Fehlalarme an der Ohler Straße 100 – auch weil man Brandschutztrainings anbot und die Rauchmelder angepasst wurden.

 Schade fand Wilk, dass die Erstellung eines Integrationskonzeptes und die Umsetzung eigener Beschäftigungsprojekte in Kooperation mit dem Diakonischen Werk politisch nicht gewollt gewesen seien. „So können wir nur mit eigenen Kräften so gut wie möglich kleine Bausteine zur Integration der Flüchtlinge in Plettenberg entwickeln und umsetzen“, so Wilk abschließend. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare