„Vorbehalte gegen Juden waren da“

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Am Bahnhof in Eiringhausen, Ende der 1950er Jahre: George Schwab, Anni Stand, Carl Schmitt und Ernst Hüsmert.

War Carl Schmitt ein Antisemit? Wie stand er zum Rassenhass der Nationalsozialisten, denen er zumindest juristisch den Weg an die Macht geebnet hatte? Während in Deutschland Fahnen mit dem Davidstern öffentlich verbrannt werden, gibt die zehnte Jahresgabe der Carl-Schmitt-Gesellschaft zumindest einige Antworten auf diese Fragen.

In der Broschüre unter dem Titel ‘Ernst Hüsmert über Carl Schmitt – Herscheider Erinnerungen’ kommt vor allem der kürzlich verstorbene, enge Vertraute Schmitts zu Wort: Hüsmert hatte nicht nur viele Jahre an der Seite des ‘Kronjuristen des Dritten Reiches’ verbracht, sondern auch dessen literarischen Nachlass geregelt.

Hüsmert, der auch Gründungsmitglied der Carl-Schmitt-Gesellschaft war, bezeichnet in der Jahresgabe Schmitt als jemanden, dessen „Ausstrahlung und Brillanz“ in Plettenberg und Umgebung einzigartig gewesen seien. Allerdings habe Hüsmert bei den regelmäßigen Zusammenkünften mit Schmitt „auf Widersprüche verzichtet“.

„Das war auch beim Thema Juden so. Gewisse Vorbehalte gegen Juden waren bei Schmitt da“, erklärte Hüsmert. Dabei hatte der Staatstheoretiker auch jüdischen Mitbürgern viel zu verdanken, die unter anderem Schmitts Dissertation finanziert hätten.

Laut Hüsmert sei Schmitt aber kein Rassist oder Antisemit gewesen. „Das waren religiöse Vorbehalte, eher Antijudaismus als Anitsemitismus“, sagte Hüsmert.

Der am 22. November verstorbene Heimatforscher liefert mit seinen Aussagen interessante Einblicke in die Gedankenwelt Schmitts: „Es muss Carl Schmitt ungeheuer gewurmt haben, dass andere, die genauso wie er oder sogar noch stärker für Hitler optiert hatten, ihre Karriere nach dem Krieg fortsetzen konnten, während er ausgeschlossen blieb.“ Die Beamten-Pension, die am Ende seines Lebens immerhin noch 3 500 DM betragen haben soll, obwohl Schmitt nicht mehr als Professor lehren durfte, nahm er aber gerne an.

Hüsmert wird in der Jahresgabe als „begehrte Auskunftsperson“ zu Schmitt bezeichnet. Veröffentlicht werden in der Broschüre unter anderem auch Interviews und weitere Äußerungen zum umstrittenen Staatsrechtler. So wird auch aus Gesprächen mit dem Journalisten Stefan Osterhaus berichtet, der zwischen 2011 und 2014 mehrere Tage in Plettenberg verbracht und Schmitt für den Deutschlandfunk interviewt hatte.

Beleuchtet wird auch die Beziehung Schmitts zu Peterheinrich Kirchhoff (1886-1973), der als CDU-Bundestagsabgeordneter für den Märkischen Kreis 1958 die SPD angegriffen hatte, die gegen eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen plädiert hatte. Kirchhoff hatte sich stets für Schmitt eingesetzt und dessen Engagement für das Hitler-Regime ebenso wie die kampflose Übergabe der Weimarer Demokratie durch die Parlamentarier an die NSDAP relativiert: „Niemand ist frei von Schuld und Fehle!“ Die Broschüre ‘Ernst Hüpsmert über Carl Schmitt – Herscheider Erinnerungen’ ist ab sofort im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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