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Bulgarische Abschlepper-Armada und viel Müll bringen Wohngebiets-Anwohner in Rage

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Von: Georg Dickopf

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Nachts stehen bis zu einem halben Dutzend  Abschleppfahrzeuge mit abgemeldeten Autos an der Kersmecke.
Nachts stehen bis zu einem halben Dutzend Abschleppfahrzeuge mit abgemeldeten Autos an der Kersmecke. © ST-Bild

„Ich schäme mich zu sagen, dass ich in der Kersmecke wohne. Einige von uns überlegen zu verkaufen und Plettenberg den Rücken zu kehren.“ Drastische Worte findet eine Anwohnerin, die sich zwischen bulgarischen Abschleppfahrzeugen und Müll am Straßenrand der einst beliebten Wohnsiedlung nicht mehr wohlfühlt.

Plettenberg - Mit ihren Worten wendet sich eine Plettenbergerin (Name ist der Redaktion bekannt) an die Stadt Plettenberg, weil sie sich in „ihrem“ Wohngebiet nicht mehr wohlfühlt, aber sich niemand für die desolate Situation dort zu interessieren scheine. „Überall stehen abgehalfterte, kaputte, ölverlierende Wagen am Straßenrand, teilweise sogar ohne Nummernschild.“ Noch dazu würden an der Breslauer Straße nicht selten fünf bis acht Abschleppwagen an der Straße abgestellt, was das Passieren erschwere. Zudem beklagt die Anwohnerin Müllberge, Papier, Dosen, Lebensmittel und nicht abgeholten, weil gar nicht erst angemeldeten Sperrmüll am Straßenrand.

Zudem werde der Kinderspielplatz regelmäßig von erwachsenen Personen – mutmaßlich aus Osteuropa stammend – als Party- und Grillplatz genutzt, „so dass unsere Kinder dort nicht spielen können. Die Erwachsenen sitzen auf Schaukeln und Tischtennisplatten“, so die Anwohnerin. Niemand interessiere sich für ihre Wohnsituation. Als Eigenheimbesitzerin zahle sie Steuern, bringe alles in Ordnung, aber wenn ein Ast auf die Straße rage, werde sie ermahnt.

Auch Eigenheimbesitzer Michael Voßloh ist wie viele andere Bewohner der Kersmecke entsetzt über die Vorgänge in der Wohnsiedlung: „Ich glaube, es gibt keine Gegend mit einer höheren Dichte an Abschleppfahrzeugen.“ Abgemeldete Autos unbekannter Herkunft würden am Abend oder nachts herangekarrt und teilweise auf der Straße oder auf Anwohnerparkplätzen abgeladen. „Dann sieht man, wie massenhaft Katalysatoren unter den Autos ausgebaut werden“, so Voßloh.

Hausrat und Müll werden mitunter aus dem Fenster geworfen.
Hausrat und Müll werden mitunter aus dem Fenster geworfen. © ST-Bild

Dem Plettenberger ist es wichtig zu sagen, dass er keinerlei Probleme mit einer vielfältigen Bevölkerungsstruktur habe. „Wir haben selbst einigen Flüchtlingsfamilien in den letzten Jahren geholfen, hier Fuß zu fassen und sich ein neues Leben aufzubauen. In unserem Freundeskreis sind ausländische Mitbürger völlig normal.“

Viele Bulgaren in Mehrfamilienhäusern

Doch die fast ausnahmslos bulgarischen Bewohner der Mehrfamilienhäuser würden wenig bis gar keine Bereitschaft zur Integration zeigen, sondern sich ausnahmslos mit Landsleute umgeben. Die Stimmung unter den alteingesessenen Bewohnern sei schlecht. Ein Satz, der oft zu hören sei, laute: „Das ist nicht mehr meine Kersmecke.“

Was an den Missständen geändert werden könnte, wollten wir von der Stadt Plettenberg wissen. Kontrollieren, hinweisen und den Betroffenen „auf die Füße“ treten – das könne die Stadt in diesen Fällen tun. Doch das Ordnungsamt könne nur stichprobenartig kontrollieren und sei auch auf die Mithilfe aufmerksamer Bürger angewiesen. Die Probleme in der Kersmecke seien dem Ordnungsamt bekannt, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung. Dessen Mitarbeiter hätten den ruhenden Verkehr stets im Blick. In manchen Ortsteilen würden immer wieder abgemeldete Fahrzeuge am Straßenrand abgestellt werden – dies betreffe auch die Kersmecke.

Unrat auch auf dem Spielplatz, der oft von bulgarischstämmigen Bewohnern für Partys genutzt wird.
Unrat auch auf dem Spielplatz, der oft von bulgarischstämmigen Bewohnern für Partys genutzt wird. © ST-Bild

Das Abstellen von nicht angemeldeten Fahrzeugen im öffentlichen Raum sei jedoch nicht ein Problem, das nur auf die Kersmecke beschränkt sei; das Problem sei bundesweit bekannt. Daher habe es eine Gesetzesverschärfung gegeben. Ordnungsbehörden können im Einzelfall ein abgeschlepptes und sichergestelltes Fahrzeug verschrotten lassen, wenn die Halter Zahlungspflichten länger als zwei Monate nicht nachkommen.

Zunächst würde den widerrechtlich geparkten Fahrzeugen jedoch ein leuchtender Aufkleber mit der Aufforderung verpasst, das Fahrzeug zu entfernen. Würde es dann nicht fristgerecht entfernt, drohten dem Halter das Abschleppen und ein empfindlicher Kostenbescheid.

Dies gelte allerdings nur für den öffentlichen Raum. Auf privaten Grundstücken könne das Ordnungsamt im Regelfall nichts ausrichten. Da müssten die Eigentümer ihr Eigentumsrecht durchsetzen.

Bußgeldverfahren droht

Was die Müllansammlungen auf öffentlichen Flächen angeht, versuche das Ordnungsamt über die Geldbörse zu gehen. Kleinstmengen könnten zwar nachgemeldet werden, bei größeren Mengen drohe jedoch ein Bußgeldverfahren. Generell könne das Ordnungsamt nur Stichproben durchführen. Um Missstände wie an der Kersmecke beseitigen zu können, benötige es eines „breiten gesamtgesellschaftlichen Ansatzes“.

Die Erfahrungen der Ordnungsamts-Mitarbeiter um Leiter Thorsten Spiegel zeige zudem, dass Probleme wie in der Kersmecke etwas häufiger in Bereichen mit Mehrfamilienhäusern auftreten. Daher werbe die Stadtverwaltung insbesondere bei „größeren Vermietern“ dafür, die Mieter jeweils sorgfältig auszuwählen, damit es eben nicht zu derartigen Problemen kommt.

Dies liege auch Bürgermeister Ulrich Schulte am Herzen. Er suche regelmäßig das persönliche Gespräch mit Vertretern von Wohnungsgesellschaften, um diese mehr zu sensibilisieren. Zum Vorteil aller sollten beispielsweise Mieter mit Verständigungsschwierigkeiten zusätzlich in der jeweiligen Landessprache über Gepflogenheiten informiert werden, zum Beispiel eben zum Thema Müllbeseitigung.

ZfA-Flyer in Landessprache verteilt

Die Plettenberger Verwaltung habe in dieser Richtung bereits reagiert: Auf Anregung der Stadt habe der Zweckverband für Abfallwirtschaft (ZfA) seine Flyer auch in weitere Landessprachen gedruckt – so beispielsweise in rumänisch und bulgarisch. Nach deren Verteilung in der Kersmecke hätten sich laut Mitteilung der Stadt Plettenberg direkt erste Verbesserungen gezeigt.

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