So ist der Kandidat privat

Bürgermeisterwahl in Plettenberg: Ulrich Schulte (parteilos) im Porträt

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Sabine und Ulrich Schulte genießen hier die Abendsonne mit dem bulgarischen Mischling Henry – einem von acht tierischen Mitbewohnern.

Plettenberg – Die Sonne steht noch nicht sehr tief an diesem Tag, als Bürgermeister Ulrich Schulte mit seiner Frau Sabine auf dem Plateau in seinem Garten Platz nimmt. Seine Frau bestätigt die Vermutung, dass dies ein guter Tag ist, denn oft sei schon die Dämmerung hereingebrochen, wenn ihr Mann aus dem Büro nach Hause kommt.

Im besagten Rathausbüro – das wird im Verlauf des Gesprächs klar – verbringt Ulrich Schulte viel Zeit, um die Belange der Stadt Plettenberg zu regeln, Termine und Sitzungen vorzubereiten oder sich in komplexe Sachverhalte einzulesen.

Wenn er dann nach Hause in sein Heim an der Sundheller Straße kommt, erwarten ihn dort seine Frau Sabine, seine beiden Kinder (20 und 18) sowie ein regelrechter Kleintierzoo. Dazu zählen der Pudel--Dackelmischling Vito, der bulgarische Straßenhund Henry, Kater Gismo, Katze Lina und die vier Laufenten Hilde, Hermine, Herbert und Heinrich. Und das sind die Momente, in denen Ulrich Schulte seine Bürgermeisterkette sinnbildlich gesprochen an die Garderobe hängt.

„Ich bewundere ihn dafür, wie er mit dem Stress und all den Dingen umgeht und dabei immer ruhig bleibt“, sagt seine Ehefrau Sabine (49) , die selbst in der offenen Ganztagsbetreuung tätig ist. Sie selbst würde sich viel mehr aufregen, wenn sie etwas Kritisches über ihren Mann in der Zeitung lese. Ulrich Schulte geht anders damit um, aber er ist den Umgang mit der Zeitung und den sozialen Medien selbst auch gewöhnt.

Gewöhnt ist Schulte, der noch drei Geschwister hat, auch an lange Arbeitstage, insofern bedeutete die Coronakrise einen Einschnitt. „Corona war für mich ein kleiner Glücksfall, denn ich konnte beim Lockdown etwas entschleunigen. Die Wildblumenwiese hinter mir habe ich in dieser Zeit angelegt. Ich war mal nachmittags zu Hause und habe mal am Wochenende nicht im Büro gearbeitet. Mittlerweile ist vieles wieder angelaufen und ich komme wieder spät nach Hause“, beschreibt Schulte die Ist-Situation, die nun auch noch durch den Wahlkampf verschärft wird.

Dabei ist der langjährige Kämmerer kein Mann, der die Arbeit scheut und als Bürgermeister andere für sich arbeiten lässt. Im Gegenteil: „Es kommt darauf an, wie man charakterlich strukturiert ist und wie man Arbeit empfindet. Ich mache sehr vieles selbst, delegiere wenig und fühle mich für alles mögliche verantwortlich. Deshalb lese ich vieles noch mal durch und gebe Aufgaben gar nicht erst weiter, weil ich glaube, dass es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Das ist natürlich eine Gratwanderung. Wenn darüber gestritten wird, wer zuständig ist, mache ich es lieber selber“, beschreibt Schulte sein Vorgehen im Rathaus, für das er keine Anleitung bekam, sondern ein Stück weit ins kalte Wasser geworfen wurde.

Bis für ihn als Kämmerer ein Nachfolger gefunden wurde, erledigte Schulte auch diese Aufgabe noch zusätzlich selbst. Die nach dem Antritt von Kämmerer Jens Groll entstandene Entlastung habe er schnell mit anderen Aufgaben gefüllt.

Die Wildblumenwiese hat Ulrich Schulte selbst angelegt – inklusive einem selbstgebauten Insektenhotel.

Vor der Bürgermeisterwahl im Jahr 2015 habe er mit der Familie über die Belastung diskutiert, die er unterschätzte. „Wenn ich Bürgermeister werde, gebe ich meine Arbeit beim P-Weg-Team und den Sundheller Schützen auf. Ich dachte, das gleicht sich ungefähr aus. Das war allerdings nicht so“, – heute platzt Ulrich Schultes Kalender auch so aus allen Nähten.

Immerhin: Das Thema Schützenkönig ist seit 1998 abgehakt. Bedauerlich findet Schulte heute den Abstand zu den einstigen Schützenfreunden. „Durch das Bürgermeisteramt ist man nicht mehr regelmäßig dabei und dadurch läuft leider vieles an einem vorbei“, bedauert das Biergerichtsmitglied.

Was er macht, wenn er früh zu Hause ist und dort nicht ins Homeoffice wechselt, hat wenig mit dem Rathaus zu tun. „Ich gehe zweimal die Woche zum Fitnesstraining und im Obergeschoss unseres Hauses habe ich noch einen Raum mit Fitnessgeräten, die ich am Wochenende schon mal nutze“, sagte Schulte.

Ansonsten betätigt er sich auch gerne mal im Garten, schaut bei den vier Laufenten Heinrich, Hilde, Herbert und Hermine nach dem Rechten und ist der Mann für alles.

Hunde, Katzen und vier Enten: Ulriche Schulte hat einen ganzen Heimtierzoo

„Er macht alles und kann alles“, lobt seine Frau Sabine, die den Sundheller seit 31 Jahren kennt und seit 26 Jahren mit ihm verheiratet ist. Ganz bescheiden relativiert der 53-Jährige seine Handwerkerkünste: „Ich versuche alles – manches klappt dann auch. Es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl, wenn man handwerklich etwas schafft und einen Schlussstrich drunter ziehen kann. Gerade im politischen Bereich gibt es Dinge, bei denen Fortschritte nicht so erkennbar sind – trotz guter Vorbereitung“, so Schulte, der nicht nur zwei Hunde hat, sondern mit Kater Gismo auch einen ganz besonders anspruchsvollen Kater besitzt.

„Katzen haben keine Besitzer, sondern Personal“, weiß der Plettenberger. Ein perfektes Beispiel dafür sei Gismo. „Der Kater steht morgens vor dem Badezimmerfenster und erwartet, dass ich ihn einlasse. Dann springt er in die Badewanne und wartet darauf, dass ich ihm frisches, fließendes Wasser anstelle. Danach steht er wieder vor der Tür und maunzt, bis ich ihn rauslasse. Der lässt mich morgens schon richtig springen“, erzählt Schulte grinsend. Dennoch könne er sich ein Leben ohne Tiere nur schwer vorstellen.

Und auch im Urlaub dürfen die Hunde nicht fehlen und tollen dann meistens an der Nord- oder Ostsee oder im bayerischen Wald herum.

Wehmütig wird der Bürgermeister, wenn er an sein 240-Liter-Aquarium zurückdenkt. Auch wenn es schwer gewesen sei, das Wasser regelmäßig zu tauschen, habe er es nicht missen wollen. „Dann hat es nachts um drei das Wohnzimmer geflutet, weil eine Silikonnaht offen ging. Die Skalare haben es aber überlebt“, berichtet der heute fischfreie Schulte. „Man konnte die Skalare und die anderen Fische wunderbar in ihrer Umgebung beobachten – das war manchmal besser als Fernsehen“, sagt Schulte.

Apropos Fernsehen: „Fernsehen entspannt mich sehr. Dabei fahre ich gut runter. Wir haben unheimlich gerne Game of Thrones geschaut und Vikings“, berichtet Schulte, der genau wie seine Frau seit einigen Jahren Vegetarier ist und gut damit klar kommt. Chips und Gummibärchen kommen beim Fernsehabend aber auch bei Schultes auf den Tisch.

„Ich muss den ganzen Tag nachdenken und bin dann einfach froh, wenn ich mal vor dem Fernseher abschalten kann. Und wenn mir dann unser Hund Vito seinen Plüsch-Igel zum Sofa bringt und gestreichelt werden will, dann ist alles gut – ganz egal, wie der Tag war“, so Schulte abschließend.

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