Kandidat im Interview

Bürgermeisterwahl in Plettenberg: Ulrich Schulte (parteilos) im Interview

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Amtsinhaber Ulrich Schulte kandidiert erneut für das Bürgermeisteramt.

Plettenberg – In acht Tagen wird in Plettenberg gewählt. Amtsinhaber Ulrich Schulte stellt sich als Bürgermeister dabei erneut zur Wahl. Georg Dickopf führte ein Interview mit ihm und stellte Fragen rund um die Kommunalwahl.

Was ist das Hauptthema Ihres Wahlkampfes?

Ulrich Schulte: Die allgemeine Lebensqualität in der Stadt, die medizinische Versorgung und die Digitalisierung sind mir wichtig.

Die Wahl in Corona-Zeiten ist bestimmt nicht so einfach, oder?

Es ist sicherlich für Patrick Hansmann die schlechtere Ausgangsposition als Herausforderer. Es ist alles eingeschränkt. Man kann Plakate kleben und Flyer verteilen, aber vor fünf Jahren habe ich fast an jeder Haustür geklingelt. Das ist in Corona-Zeiten schwierig mit der Maske. Deshalb läuft im Wahlkampf auch viel über Social Media.

Ausbleibende Steuern, ein Loch im Haushalt – darüber sind Sie als einstiger Kämmerer sicher bestens im Bilde. Die Zahlen sind ja gerade nicht so gut...

Es ist auch weiterhin düster. Vielleicht bekommen wir dieses Jahr ausreichend Geld, damit wir die Enden beieinander kriegen, aber ich weiß nicht, ob Land und Bund auch im nächsten Jahr noch einmal das Füllhorn ausschütten. Auf der anderen Seite jetzt mit Steuererhöhungen zu reagieren, wo auch alle Betriebe zu kämpfen haben, ist auch nicht der richtige Weg.

Demgegenüber kann man Steuersenkungen umsetzen, wenn man Überschüsse erwirtschaftet. Es kann ja nicht sein, dass sich die Stadt zu Lasten der Bürger und der Betriebe reich rechnet. Man aber kann auch versuchen, über Steuersenkungen neue Betriebe nach Plettenberg zu holen. Das, was ich zunächst verliere, habe ich dann irgendwann wieder drin. Dazu muss ich aber Gewerbeflächen anbieten können. Darüber könnte man also erst nachdenken, wenn wir im Bereich Köbbinghausen oder DURA weiter sind.

Wo sehen Sie die Stadt in 2025 und was wollen Sie selbst dazu beitragen?

Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren den Bau der Elsetalentlastungsstraße begonnen haben, dass die Innenstadtsanierung fertig ist und wir ein funktionierendes kommunales medizinisches Versorgungszentrum haben. Außerdem hoffe ich, dass wir bis dahin in Plettenberg digitaler sind, man durch die Stadt geht und mit dem Smartphone alle möglichen Dinge erledigen kann. In all diese Themen bringe ich mich ein.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Es kommt immer darauf an, was es für ein Rückschlag ist. Ob viel Herzblut darin steckt oder ob es eine sachlich-politische Geschichte ist. Wichtig ist, dass man den richtigen Partner an der Seite hat. Sabine und ich haben außerhalb des Bürgermeisteramtes schon viel Mist miterlebt und das schweißt zusammen. Dann reicht es einfach, nach Hause zu kommen und zu wissen, dass da ein Partner ist, der dich kennt und dir vertraut. Dann sind auch Rückschläge gut wegzustecken.

Wie verarbeiten Sie solche Dinge?

Manchmal brauche ich dann einfach nur etwas Fernsehen, um auf eine andere Schiene zu kommen. Manchmal hilft Sport, um etwas loszuwerden und manchmal habe ich schlaflose Nächte und Kopfschmerzen.

Das bleibt nicht aus bei dem Amt?

Nein, leider nicht. Aber das Amt des Bürgermeisters besteht ja nicht nur aus Rückschlägen. Es steckt viel Kraft in den schönen Momenten.

Bürgermeister Ulrich Schulte glückselig nach seiner Wahl zum Bürgermeister im September 2015. Freunde und seine Ehefrau ließen ihn 2015 am Sundheller Schützenheim hoch eben.

Was schätzen Sie an Patrick Hansmann?

Wie der Wahlkampf bisher mit ihm verlaufen ist, war in Ordnung. Ich komme gut mit ihm klar.

Sind Sie mit dem Geld zufrieden, das Sie bekommen?

Das Land NRW hat ja gesagt, dass das nicht reicht und die Bezüge für Bürgermeister erhöht. Für mich hätten sie das nicht machen müssen. Ich verdiene mehr als bisher in meinem Leben und bin zufrieden. Der oft angestellte Horizontalvergleich, dass der Bürgermeister weniger verdient als Führungspositionen in der freien Wirtschaft, ist eine unnötige Neiddebatte. Bürgermeister wird man nicht aus finanziellen Gründen.

Wie stark wird man angefeindet und können Sie die Kollegen verstehen, die nicht mehr antreten?

Rücktritt und nicht mehr antreten sind ja zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich kann durchaus Kollegen verstehen, die zurücktreten, wenn sie bedroht werden, vor allem wenn es sich gegen die Familie richtet – das ist das Amt nicht wert. Ich kann auch Klaus Müllers Entscheidung, nicht wieder zu kandidieren, jetzt besser nachvollziehen als früher.

Man muss es selbst erlebt haben, wie es ist, wenn man die Zeitung aufschlägt und dort durch den Kakao gezogen wird oder da kritische Leserbriefe stehen. Aber das ist ja nicht jeden Tag so, Anfeindungen stehen nicht im Mittelpunkt des Bürgermeisteramtes.

Gab es auch noch andere Vorfälle?

Wir hatten während meiner Amtszeit zweimal Phasen, in denen in meinem Namen Gegenstände bestellt oder Handyverträge abgeschlossen wurden. Das ist schon nicht ohne. Die Bürgermeisterkette hat ja ein gewisses Eigengewicht.

Haben Sie es sich so schwer vorgestellt?

Das Amt des Bürgermeisters ist arbeitsintensiv und manchmal eine Belastung. Deshalb ist es aber keine schlechte Aufgabe. Es macht genauso auch Spaß und erfüllt einen, weil man Dinge gestalten und etwas für seine Stadt erreichen kann.

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