Kandidat im Interview

Bürgermeisterwahl in Plettenberg: Patrick Hansmann (CDU) im Interview

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CDU-Bürgermeisterkandidat Patrick Hansmann über den Dächern der Stadt. Der Plettenberger ist kein Freund von Verbeamtungen, sieht die Pensionskosten kritisch, möchte die Bürger stärker einbinden, die Steuern nicht erhöhen und die Wirtschaft stärken.

Plettenberg – In fünf Tagen wird in Plettenberg gewählt. CDU-Ratsherr Patrick Hansmann tritt dabei gegen Amtsinhaber Ulrich Schulte als Bürgermeisterkandidat an. Georg Dickopf führte ein Interview mit ihm und stellte Fragen rund um die Kommunalwahl.

Was ist das Hauptthema Ihres Wahlkampfes?

Patrick Hansmann:  Generell ist natürlich vieles wichtig. Vor allem die Wirtschaft und die Finanzen. Wir müssen aber auch aktiver mit den Bürgern zusammenarbeiten und müssen die Bürger abholen. Rat und Verwaltung müssen mehr mit den Bürgern ins Gespräch kommen und die Wünsche abfragen statt alle vor vollendete Tatsachen zu stellen und zu sagen: So ist es jetzt.

Wir haben es versucht bei der Innenstadtsanierung. Es ist in vielen Teilen gut gelaufen, in vielen auch nicht. Es ist ein Lernprozess. Ich bin froh, dass ich aktiv an der Einführung des Bürgerforums mitwirken konnte. Und genau das wird in Zukunft wichtig. Miteinander etwas gestalten statt aneinander vorbeireden. Die Nähe zum Bürger ist wichtig, sonst verrennen wir uns politisch völlig.

Die Wahl in Corona-Zeiten ist bestimmt nicht so einfach, oder?

Wir haben ein paar Videos zu einzelnen Themen geschaltet und ich mache auch Haustürwahlkampf mit Abstand. Und es gab und gibt auch einige Veranstaltungen. Die sozialen Medien sind derzeit die Hauptverbreitungsquelle. Für mich ist es schwierig, weil ich über die Schützenfestsaison viel mehr Leute persönlich erreicht hätte. Man kommt in einem Video schnell in einen Erzählstil – das bin ich eigentlich nicht. Ich brauche das Gespräch und den zwischenmenschlichen Austausch.

Ausbleibende Steuern, ein Loch im Haushalt – dazu können Sie als Zahlenmensch bei der Sparkasse sicherlich auch etwas sagen. Die Zahlen sind ja gerade nicht so gut...

Corona macht die Haushaltslage nicht einfacher. Steuersenkungen werden wahrscheinlich nicht möglich sein. Man muss versuchen eine Lösung zu finden, wie man die Wirtschaft fördern kann und vielleicht zeitlich befristet die Steuern senkt. Aber dauerhaft Steuern zu senken, wird nicht möglich sein. Wir müssen auch zwingend verhindern, Steuern zu erhöhen, denn dann würgen wir hier die Industrie vor Ort ab und das bringt uns auch nicht weiter. Das ist eine echte Herausforderung – egal, ob sie mich oder Ulrich Schulte trifft.

Wo sehen Sie die Stadt in 2025 und was wollen Sie selbst dazu beitragen?

Besser sehe ich sie und weiterentwickelt durch uns – die Verwaltung, die Politik und die Bürger. Und ich hoffe, dass wir selber besser wertschätzen, was wir hier erreicht haben und das nicht alles schlecht ist. Die Schwarzmalerei ist leider eine schlimme Eigenschaft einiger vieler Plettenberger. Man konnte 100 Millionen Euro geschenkt bekommen und investieren und trotzdem ware es am Ende für einige nicht gut.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Das mache ich kurz und knackig. Ich bin zwei Mal sitzen geblieben...

Was schätzen Sie an Ulrich Schulte?

Ulrich Schulte hat eigentlich eine recht ausgeglichene Art. Er geht auch auf Leute zu, ist da vielleicht etwas zurückhaltender. Er ist eine sehr ausgeglichene Person und er will ja auch nur das Beste für Plettenberg. Ich selbst würde mir manchmal wünschen, dass ich ruhiger wäre.

Wie stark wird man angefeindet und können Sie die Bürgermeister verstehen, die nicht mehr antreten?

Als ich angefangen habe als Bürgermeisterkandidat, war ich nicht gerade ein Fan von Social Media. Am Anfang habe ich schon gemerkt, dass da hart geschossen wird. Ich glaube auch, wenn es überhandnimmt und beleidigend wird, bekommt es psychische und physische Auswirkungen. Wenn das zu extrem wird und das Umfeld, Freunde und Familie reingezogen werden, hört es auf. Das ist ein Umgang, der gehört sich nicht.

CDU-Bürgermeisterkandidat Patrick Hansmann (re.) bei seiner Antrittsrede an der Seite von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (li.) und dem CDU-Vorsitzenden Adrian Viteritti.

Was erwarten Sie an Herausforderungen, wenn Sie gewählt werden und wie steht Ihre Familie dazu?

Meine Frau unterstützt mich. Herausforderungen sind genug da. Es gilt, Plettenberg gut in das Jahr 2025 zu bringen. Wir wissen, wie aktuell die Haushaltslage ist, das ist ein ganz großer Knackpunkt. Ich glaube alles drumherum, das gesellschaftliche Miteinander wieder zu stärken, bekommen wir hin.

Das kostet kein Geld, aber es wird schwer, große Investitionen zu tätigen. Deshalb müssen wir zusammenhalten und versuchen, alle Vereine und Gruppen unter einen Hut zu bekommen.

Was würden Sie als Erstes ändern oder tun als Bürgermeister?

Ich würde erst einmal das Amt kennenlernen wollen, denn ich bin kein Verwaltungsmensch. Ich kenne die Verwaltung nicht. Deshalb würde ich mich bei den Kollegen dazusetzen, um den Laden kennenzulernen und mit den Mitarbeitern direkt zu sprechen. Die Verwaltung leistet eine gute Arbeit, aber ich denke, dass sie das Potenzial hat, besser zu werden.

Auch kleiner zu werden?

Ja, mit voranschreitender Digitalisierung werden wir irgendwann Leute einsparen, aber erst mal ist es ein Kostenfaktor. Dauerhaft – und das ist ganz wichtig – müssen wir von den Personalkosten runterkommen. Beispielsweise bleiben die pensionierten Beamten zu einem Großteil mit ihren Bezügen als laufende Ausgabe im Haushalt enthalten.

Ein Beispiel: Für Hamburg macht das 25 Prozent des städtischen Etats aus. Bei uns wurde zum Glück schon entgegengewirkt. Früher war es gesetzlich nicht verpflichtend für die künftigen Pensionen Rücklagen zu bilden, das wird mittlerweile mit allen möglichen Anstrengungen nachgeholt, belastet aber natürlich den Haushalt.

Zudem gehen demnächst noch viele verdiente Mitarbeiter in Pension. Ich bin ohnehin nicht der Fan von totaler Verbeamtung. Bei einigen hoheitlichen Aufgaben sehe ich es ein, dass ein Beamter notwendig ist, bzw. gesetzlich gefordert wird. In vielen Bereichen ist aus meiner Sicht heute aber keine Verbeamtung mehr erforderlich. Hier gilt es die Verwaltung moderner aufzustellen. Das ist ein Punkt, wo wir dran arbeiten müssen.

Kann sich die Stadt all die Dinge zukünftig noch leisten? Haben wir in zehn Jahren noch eine hauptamtliche Feuerwehr, ein Jugendzentrum oder eine Stadtbücherei unter Ihnen als Bürgermeister?

Ich wünsche es mir beim Jugendzentrum auf jeden Fall, bei der Feuerwehr brauchen wir gar nicht darüber sprechen, denn eine Stadt mit so viel Industrie ohne eine hauptamtliche Feuerwehr wäre eine Katastrophe. Wenn wir immer von Digitalisierung sprechen, weiß ich aber nicht, ob eine Bücherei in zehn Jahren noch in dieser Form hat. Die machen eine super Arbeit, aber die Frage ist, ob man die pädagogische Arbeit vielleicht woanders ansiedeln kann.

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