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„Nicht von der Stange“: Kosten für neues Gerätehaus erklärt

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Von: Georg Dickopf

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Das neue Feuerwehrgerätehaus in Ohle soll den Vorgänger (im Hintergrund) ersetzen und nebst Parkplätzen und entsprechender Zufahrt auf einem Teil des städtischen Bolzplatzes errichtet werden. 	Foto: Dickopf
ham_vwd5ffc90907fd61f6deba0a7b33b14b17e.jpg © Dickopf, Georg

Im Jahresabschlussinterview befragte Georg Dickopf den Plettenberger Bürgermeister Ulrich Schulte zu den Kosten des Feuerwehrgerätehauses in Ohle, für das 4,1 Millionen Euro eingeplant wurden, während das Gerätehaus in Herscheid-Rärin weniger als die Hälfte kosten wird. Ulrich Schulte sagte dazu am 31. Dezember folgendes: „Rärin kann man nicht mit Ohle vergleichen. Das ist von der Größenordnung eher so wie der Neubau in Selscheid.“

Nun trug das Plettenberger Stadtoberhaupt mit Unterstützung der Rathausmitarbeiter etwas zusammen, um zu erklären, „wieso wir auf eine vermeintlich hohe Summe kommen.“

Grundlage für die Kosten

Grundlage für die kalkulierten Gesamtkosten für den Neubau des Gerätehauses in Ohle sei eine Kostenschätzung nach DIN 276 gewesen. Die in der Sitzung des Bau- und Liegenschaftsausschusses am 9. September vorgestellte Planung habe dazu als Basis gedient. „Planung und Kostenschätzung wurden nicht selber erstellt, sondern durch das von uns beauftragte Büro kplan in Abstimmung mit der Feuerwehr und uns erarbeitet“, sagt Schulte.

Die Grundlage für die Planung sei das Raumprogramm, das sich aus den Angaben im Brandschutzbedarfsplan (Anzahl der Einsatzkräfte und Anzahl der Fahrzeuge) entwickele. „Diese Dinge ergeben sich aus dem Gefahrenpotenzial – Ohle hat beispielsweise viel Industrie, die Bahn und ist für Gewässerrettung zuständig – und die Stärke der Löschgruppe. Diese Werte werden im Einzelfall für den Standort ermittelt und sind eine individuelle Grundlage. Es gibt somit kein Feuerwehrgerätehaus von der Stange. Auch bei gleicher Größe der Löschgruppen kann es Abweichungen geben“, betont Schulte.

DIN-Norm legt Ausmaße fest

Die Größe und Dimensionierung in der Planung folge dabei der DIN-Norm und anderen Vorschriften – beispielsweise denen der Unfallkasse. „Da gibt es relativ genaue Vorgaben, wie viel Platz pro Mitglied der Löschgruppe in Umkleide und Schulungsraum vorgehalten werden muss. Über Anzahl und Typ der Fahrzeuge ergibt sich dann zusätzlich die Größe der Fahrzeughalle und auch die Anzahl der Stellplätze auf dem Gelände“, so Schulte, der ergänzt, dass pro Sitzplatz in den Feuerwehrfahrzeugen ein Stellplatz für das private Auto eingeplant werden müsse.

Umsetzung aller Vorgaben

Die Vorgaben habe die Planerin von kplan dann in einen Plan umgesetzt. Aus diesem ergebe sich die Kubatur und Abmessung des Gebäudes und auch die Größe der äußeren Erschließungsflächen (Zufahrt, Abfahrt, Hof vor der Halle, Zugänge). „Das ist dann eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der Feuerwehr und den Standort“, sagt Schulte.

Die Kostenermittlung sei aufgegliedert in die folgenden Kostengruppen: 200 – vorbereitende Arbeiten, 300 – Baukonstruktion, 400 – Technische Anlagen, 500 – Außenanlagen, 600 – Ausstattung und 700 – Baunebenkosten.

„Das sind nicht nur die reinen Baukosten für das eigentliche Gerätehaus, sondern auch die Kosten für die Erschließung (Kostengruppe 500) in Form der Zufahrt auf das Gelände und den erforderlichen Flächen auf dem Gelände (Parken, Alarmhof). Der gesamte Bereich muss in Ohle komplett neu angelegt werden“, sagt der Bürgermeister. Dort, wo ein Feuerwehrgerätehaus am bisherigen Standort neu errichtet werde und alte Parkplätze weiter genutzt werden könnten, verringerten sich die entsprechenden Baukosten.

Zusätzliche Kostenfaktoren

Zu diesen Baukosten kommen laut Schulte unter anderem noch die Einrichtung (Kostengruppe 600) für Umkleide, Schulungsraum, Küche und die Planungskosten (Baunebenkosten) als im Moment noch pauschaler Zuschlag in KG 700. „Die Kostengruppe 100 – Grundstück kommt hier nicht zum Tragen, da sich das Grundstück im Eigentum der Stadt befindet. Für jede der Kostengruppe wurde ein Ansatz gebildet. Aufgrund des Planungsstandes sind das teilweise noch Schätzwerte auf Basis vergleichbarer Gerätehäuser in gleicher Qualität, die von dem Büro schon realisiert wurden“, erklärt Schulte.

In der Kostengruppe 400 – Technische Anlagen – sei einerseits die „normale“ Gebäudetechnik (Heizung, Elektrik, Installation und weiteres) vorgesehen, andererseits auch die nutzerspezifischen Anlagen wie Absauganlage oder Druckluft.

Probleme bei Kostenschätzung

„Eine Kostenschätzung ist immer auch eine Prognose, wie sich das Preisniveau entwickeln wird, gerade im Bereich des (Hoch-) Baus ist das im Moment eher schwierig abzuschätzen. Was es genau kostet, weiß man immer erst hinterher, wenn alles fertig ist, und nicht während der Bauphasen. Insofern ist der Ansatz beim Feuerwehrgerätehaus Ohle so kalkuliert, dass eine gewisse Preissteigerung von jetzt bis zur Bauzeit gegebenenfalls aufgefangen werden kann, ohne dass sich gleich das Gesamtbudget erhöhen muss. Daher enthält diese Schätzung auch eine gewisse Sicherheit. Bei Projekten, bei denen diese Kostensteigerungen nicht eingeplant werden, kommt es häufig zu Nachträgen und Mittelanpassungen während der Bauzeit. Das möchten wir vermeiden“, verdeutlicht Schulte.

Im Verlauf der weiteren Planung werde die bisherige Kostenermittlung fortgeschrieben. „Dann fließen auch die Ergebnisse der weiteren Planungen und Fachplanungen (wie Statik) ein. Diese Fachplanungen beauftragen wir jetzt zeitnah“, sagt Schulte.

Kostenberechnung für Förderantrag

„Die bisherige Kostenermittlung haben wir als Anlage für den Förderantrag für den Zuschuss der Landesregierung auch bei der Bezirksregierung eingereicht. Dazu hat es mehrere Rückfragen gegeben, die von uns beantwortet wurden. Die Höhe der Gesamtkosten wurde von der Bezirksregierung nicht in Frage gestellt. Sie scheint also nicht ungewöhnlich zu sein“, betont der Bürgermeister.

Für das Feuerwehrgerätehaus Selscheid gebe es bislang nur planerische Entwürfe, daher sei der Haushaltsansatz in Höhe von gut drei Millionen Euro auch grob geschätzt. Inwieweit dieser noch angepasst werden müsse, werden laut Schulte die nächsten Verfahrensschritte ergeben.

Gerätehaus in Rärin im Bau

Wenige Meter vom bestehenden Gerätehaus entsteht in Herscheid-Rärin der Neubau eines Feuerwehr-Gerätehauses. Nach derzeitigen Schätzungen wird dieser Neubau etwa 1,8 bis 1,9 Millionen Euro kosten. „Wir haben zum Glück Fördermittel in Höhe von 250 000 Euro bekommen. Das ist für die Gesamtsumme aber trotzdem zu wenig“, sagt Bauamtsleiter Lothar Weber. Die Fertigstellung ist für Spätsommer / Herbst anvisiert.

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