„Erster Spatenstich ist noch in weiter Ferne“

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Der Breitbandausbau in Plettenberg kommt nur sehr langsam in Fahrt.

Plettenberg – In der Innenstadt hat sich in Sachen Modernisierung noch nichts getan, doch Bürgermeister Ulrich Schulte empfindet den schleppenden Breitbandausbau als schlimmeres Problem. Die Bundesregierung habe verkündet, dass bis Ende 2018 jeder mit mindestens 50 Mbit/s im Internet surfen kann. „Jetzt ist 2018 vorbei und es hat sich kaum etwas geändert“, kritisierte Schulte. Das liege zum größten Teil an dem aufwändigen Vergabeverfahren, das „deutschlandtypisch“ dem eigentlichen Ausbau vorgeschaltet wurde.

Beim Ausbau für die Gewerbegebiete in Plettenberg wird es laut Schulte in diesem Jahr nach offizieller Zeitplanung endlich losgehen. „Der Ausbau für die Wohngebiete wird aber noch dauern, da frühestens im ersten Quartal 2019 überhaupt der Vertrag über den Ausbau abgeschlossen wird. Der erste Spatenstich ist da noch in weiter Ferne“, bedauerte Schulte und verwies auf ein weiteres Problem, denn „übrig blieben dann die Gebiete, für die bisher noch keine Fördermittel beantragt wurden, weil ein Unternehmen hier beispielsweise einen eigenwirtschaftlichen Ausbau angekündigt hat. Kommt der dann nicht, gibt es für das Unternehmen keine Sanktionen. Die sieht das aufwändige Verfahren nicht vor, aber die Kommunen müssen zusehen, wie sie für diese Bereiche nachträglich den Breitbandausbau organisieren“, kritisierte Schulte. 

Mit dem von ihm geschilderten Fall ist unter anderem Pasel gemeint. Das Lennedorf wurde seinerzeit nicht in die Ausbaugebiete mit aufgenommen, da es dort ein Unternehmen gab, das einen eigenwirtschaftlichen Ausbau plante. Wer das ist – diese Frage konnten bislang weder die Bundesnetzagentur noch die Stadt oder der Breitbandkoordinator beantworten. Und deshalb wird der Netzausbau im Lennedorf jetzt an die anderen Gebiete angehängt. Ausbaustart: nicht vor 2021.

 Doch beim schleppenenden Breitbandausbau gibt es auch Lichtblicke, wie Bürgermeister Schulte erklärte: „Bei all diesen Zeitverzögerungen und dem Ärger über das Verfahren können wir in Plettenberg von Glück reden, dass neben dem Breitbandausbau über die Förderverfahren die Telekom auch einen Ausbau auf eigene Kosten in einem großen Teil des Stadtgebietes durchführt.“ In allen anderen Städten des Märkischen Kreises herrsche ein großes Unverständnis bei den Bürgern. Dort würden entlegene Dörfer demnächst mit Glasfaseranschlüssen versorgt, während in der Kernstadt mit 50 Mbit/s auf Kupferkabel gesurft werde. „Wir hingegen werden – auch wenn es lange dauern wird – am Ende ein fast flächendeckendes Glasfasernetz mit der entsprechenden Leistung haben. Das ist ein immenser Standortvorteil für die Industrie und für die Wohnungswirtschaft.“ 

In Selscheid soll das Netz bis 2022 ausgebaut werden.

Schulte nannte weitere Gründe für den Breibandausbau: „Nach neueren Studien wollen eigentlich nur noch elf Prozent der Familien in der Großstadt leben. Es gibt aber zwei gewichtige Gründe, die diese Personen davon abhalten, jetzt schon alles stehen und liegen zu lassen und auf’s Land zu ziehen: Mangelnder Breitbandausbau und mangelnde ärztliche Versorgung.“ Da das Leben immer mehr von der Digitalisierung beeinflusst werde, sei für jemanden, der von der Großstadt nach Plettenberg ziehen will oder den man hier halten wolle, eine vernünftige Internetanbindung immens wichtig. 

Wann es mit der Gigabit-City in Plettenberg losgeht – diese Frage beantwortete  Ralf Engstfeld, Regio-Manager für Breitband bei der Telekom: „Wir stehen gerade kurz vor dem Vertragsabschluss mit dem Tiefbauunternehmen und würden mit den Glasfaseranschlüssen der 1 780 Kunden in Plettenberg gerne Anfang April starten.“ Geplant sei ein Abschluss der Arbeiten bis Anfang 2020. Doch ob das tatsächlich gelingt, konnte Engstfeld nicht verbindlich sagen.

Sergej Rudsinski, Breitbandkoordinator des Märkischen Kreises, dämpft die Erwartungen.

Sergej Rudsinski, Breitbandkoordinator des Märkischen Kreises, hat sich in Sachen Breitbandausbau ein „defensives Auftreten“ angewöhnt, denn es mache wenig Sinn, den Bürgern etwas zu versprechen, was nicht eingehalten werden könne. Noch im ersten Quartal soll nach dem Ende der Ausschreibung für den 3. Call ein Vertrag mit dem Netzbetreiber abgeschlossen werden. Ausgebaut werden sollen dann vorbehaltlich etwaiger Änderungen bis 2022 folgende Gebiete: Eiringhausen (nördlich der Bahnlinie), Ohle, Teindeln, Hilfringhausen, Selscheid, Siesel, Holthausen, Bruchweg, Bremcke, Köbbinghausen, Mühlhoff, Frehlinghausen, Oesterhammer, Oesterau (Bereich Sonnenhang), Kückelheim, Himmelmert, Dingeringhausen, Almecke, Sonneborn, Landemert, Landemerter Weg/Halsweg. In einigen Ortslagen (z.b. Oesterau) erfolgt auch zusätzlich ein eigenwirtschaftlicher Ausbau. Bis zum Jahresende 2019 soll der Antrag für die Ausschreibung des 6. Calls erfolgen. Darunter fallen neben Pasel, Grimminghausen, Erkelze und Kahlberg fast 100 vereinzelte Randgebiete, die allerdings nicht alle berücksichtigt werden können. Bis die förderfähigen Ortslagen ausgebaut sind, könnte es bis 2024/25 dauern.

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