Auf der Walz in Plettenberg / Video-Interview online

Bürgermeister Schulte hilft sieben Zimmermannsleuten mit Bett und Bad

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Bürgermeister Ulrich Schulte schrieb den jungen Männern auf der Walz ins Wanderbuch und sorgte für Bett und Bad.

Plettenberg - Als am Montag sieben Zimmermannsleute in Zunftkleidung im Vorzimmer des Bürgermeisters standen, ernteten sie erst einmal ratlose Blicke. Denn Ulrich Schulte wusste von nichts. Doch Getränke und den Stempel ins Wanderbuch gab es trotzdem für die sieben Männer auf der Walz, die im AquaMagis duschen und baden wollten.

Als der Bürgermeister fragte, wo die Zimmerleute denn zu nächtigen gedenken, sagte Tim Erath: „Das wissen wir noch nicht, aber es ist ja noch früh am Tag.“ Normalerweise sei man nur zu zweit oder dritt unterwegs. 

„Mit so vielen Leuten ist es schwer, einen Schlafplatz zu finden.“ Zehn Minuten später hatte Ulrich Schulte das Problem gelöst. Die Ferienhäuser im AquaMagis-Resort waren zwar ausgebucht, aber das Stadtoberhaupt hatte einen Plan B: „Ihr bekommt freien Eintritt im AquaMagis und wir haben eine Unterkunft Am Friedhahn gefunden. “

In dem für Flüchtlinge fertiggestellten, aber bislang ungenutzten Gebäude neben der Pfeiffer-Halle in Ohle habe man genug Platz und Betten für alle. „Wir brauchen keine Betten, ein trockenes Dach über dem Kopf wäre schon prima“, schraubte Marius Kleisa die Vorgaben herunter. Schließlich habe man schon häufig im Freien oder in Vorräumen von Banken geschlafen.

In der kalten Jahreszeit reisen die Handwerker auf der Walz oft in wärmere Länder, wo die Menschen oft wenig mit ihren anzufangen wissen. „Die meinen wir wären Straßenkünstler oder Musiker“, berichtete Jörg Schmieder, der demnächst in die Schweiz reist, weil er dort arbeiten kann. Ihrer erlernten Handwerksarbeit gehen auch alle anderen regelmäßig nach, um dazuzulernen und Geld zu verdienen.

Nur in dieser Woche arbeiten die jungen Männer nicht, sondern bereiten den Abschied von Marco Müller vor, der am Samstag nach drei Jahren und einem Tag nach altem Brauch über das Ortsschild seines Heimatdorfes klettern muss. Dem darf er sich während der Walz übrigens nicht mehr als 50 Kilometer nähern. 

Am Samstag aber wird in Runzhausen bei Marburg aber wohl nicht nur die neben dem Ortsschild vergrabene Flasche Korn geleert. Zur Orientierung dient den jungen Männern übrigens eine Deutschlandkarte. „Wir wandern oder trampen“, beschrieb Julian Truge aus Dresden die übliche Fortbewegungsart. Ein Smartphone ist dabei tabu. „Wir kommen bestens ohne aus“, sagte Marco Müller, der sich den Besuch im AquaMagis gewünscht hat.

Was mit denen passiert, die gegen eine der Regeln verstoßen, verriet zum Abschluss Manuel Stein aus Backnang: „Bei der Aufnahme bekommt man mit einem Zunftnagel einen Ohrring gestochen. Wer gegen die Regeln verstößt, dem wurde der Ohrring nach den traditionellen Regeln herausgerissen“, berichtet Stein und ergänzt: „Daher kommt übrigens auch der Begriff Schlitzohr.“

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