Schutzzone für einen Baum auf der Ratschelle?

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Zwei der drei vergifteten Linden auf der Ratschelle scheinen sich zu erholen. Eine Schutzzone um den völlig laublosen Baum erscheint Bürgermeister Schulte als wenig sinnvoll - eher dürfte die Linde gefällt werden falls nötig.

„Die Natur ist eben stärker“, sagt Bürgermeister Ulrich Schulte. Zwei der vor Jahren vergifteten Bäume auf der Ratschelle schlagen wieder aus, lediglich einer scheint tot. Ein Anwohner fordert nun, eine Schutzzone um diesen Baum herum zu bilden – und hat im selben Zug wenig schmeichelhafte Worte für Stadt und Verwaltung übrig.

Selbst unverbesserliche Optimisten werden nicht gedacht haben, dass sich die einst vergifteten Linden auf der Ratschelle wieder erholen würden. Ein betroffener Baum ist bereits gefällt worden, zwei andere haben sich erholt und sind wieder voller Leben.

Ein dritter dieser Bäume scheint jedoch nicht mehr zu retten zu sein. Mit einem Antrag für die kommende Ratssitzung (Dienstag, 17.00 Uhr) fordert nun ein Bürger, ein Warnschild vor diesem Baum anzubringen und eine Schutzzone um diesen herum einzurichten.

Seit geraumer Zeit ist dieser Baum, so erklärt der Antragsteller, eine Gefahr für Fußgänger und Fahrzeuge. Die Linde sei „moosbewachsen, morsch und mit Baumschädlingen durchsetzt“, schreibt der Bürger. Dicke Äste würden immer wieder abbrechen und herunter fallen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein Passant verletzt oder ein Fahrzeug beschädigt würde. Die Stadt müsse ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen.

Auf Anfrage des ST erklärte Bürgermeister Schulte, dass eine wie vom Bürger angedachte Schutzzone keinen Sinn machen würde. „Wir werden uns den Baum jetzt weiter anschauen. Wir haben bereits einige Äste gestutzt“, erklärt das Stadtoberhaupt. Sollte der Baum tatsächlich nicht mehr zu retten sein, würde nur noch die Fällung möglich sein.

Bürgermeister Schulte sieht sich darin bestätigt, dass es seinerzeit richtig war, die vergifteten Bäume noch stehen zu lassen – schließlich haben sich zwei der betroffenen Linden wieder erholt.

Eher unerfreulich findet Bürgermeister Schulte allerdings die Art des Briefes, der immerhin an eine Behörde geschickt worden ist. So schreibt der Antragsteller unter anderem: „In der Straße steht ein Baum, welchen besonders motivierte Ratsmitglieder und die sogenannte Verwaltung als Mahnmal bezeichneten.“ Der Bürger frage sich nur, ob es ein Mahnmal für „Torheit, Geldverschwendung und / oder Ignoranz“ sei.

Wie das Stadtoberhaupt auf Nachfrage erklärte, würden in den vergangenen Jahren vermehrt Briefe dieser Art die Verwaltung erreichen. „Der Unterschied zur Korrespondenz mit Behörden vor 25 Jahren ist gravierend. Damals ging man noch viel respektvoller miteinander um“, sagt Bürgermeister Schulte.

Die Respektlosigkeit mancher Bürger beschränke sich jedoch nicht nur auf Briefe – auch manch ein Besucher des Rathauses lasse alle Hemmungen fallen. „Wir mussten in der jüngeren Vergangenheit sogar schon Hauverbote erteilen“, erklärt Bürgermeister Schulte. Mitarbeiter des Rathauses hätten sogar schon ein Sicherheitstraining erhalten. „Man muss aber auch sagen, dass viele schnell erkennen, dass sie wesentlich mehr erreichen, wenn sie ruhig und sachlich bleiben, anstatt zu schimpfen und zu beleidigen“, sagt das Stadtoberhaupt.

Sachlich wird sich sicher der Rat der Stadt im Rahmen seiner Sitzung am Dienstag mit dem Thema befassen. Eine Schutzzone, wie gefordert, dürfte es allerdings nicht geben – der Baum wird wohl eher der Säge zum Opfer fallen.

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