Die Bürger haben damals für das AquaMagis gestimmt

+

Nicht selten hört man in Plettenberg und vor allem in den Internet-Netzwerken wie Facebook, dass die Plettenberger am Freizeitbad AquaMagis Kritik äußern und „ihrem“ Freibad nachtrauern. Doch die Mehrheit hatte damals für den Bau des AquaMagis gestimmt, wie Bürgermeister Ulrich Schulte jetzt auf einer Fachtagung im Freizeitbad erinnerte.

Gäste aus neun verschiedenen Ländern aus ganz Europa und den USA kamen Ende letzter Woche zu einer Fachtagung ins AquaMagis. Verschiedene Badbetreiber, Rutschenhersteller, Architekten und Planer waren von dem Plettenberger Freizeitbad und der Firma Klarer, die die Rutschen im AquaMagis gebaut hat, eingeladen worden.

Ziel dieses erstmaligen Zusammenkommens war ein Austausch miteinander. Die Themen drehten sich hauptsächlich um die Rutschen, aber auch Bürgermeister Ulrich Schulte war zugegen und stellte den Gästen eingangs die Vier-Täler-Stadt vor und wie es zum Bau des AquaMagis gekommen war. Da Fachkräfte vor Ort fehlen und junge Neubürger nicht zurück kommen, habe man sich damals überlegt, wie die Stadt attraktiver gestaltet werden könne. „Wir haben daher den Tourismus entdeckt und das AquaMagis war der Einstieg“, erklärte Ulrich Schulte den auswärtigen Gästen.

Bürgermeister Ulrich Schulte stellte die Stadt Plettenberg vor und die Vorgeschichte des AquaMagis.

Bis 2003 habe es zwei Bäder gegeben, ein Freibad, das in den 30er Jahren gebaut worden war und ein Hallenbad aus den 70er Jahren. „Das Freibad und das Hallenbad waren wie Sonne und Mond; sie wurden nie parallel betrieben“, erklärte Schulte. Zudem sei die Bausubstanz nicht mehr in Ordnung gewesen. Das Becken im Hallenbad sei undicht, die Energiekosten hoch und auch das Freibad sei marode gewesen. Die Frage war daher, ob die Bäder saniert oder etwas Neues gebaut werden sollte, das beides kombiniere für einen ganzjährigen Betrieb. Bei einem Bürgerbegehren (ein Antrag, der von einem bestimmten Anteil von Wahlberechtigten unterzeichnet werden muss) hätten sich dreiviertel der Plettenberger für das AquaMagis ausgesprochen, erklärte Ulrich Schulte.

Zur Information: Die Interessengemeinschaft Freibad Grünetal leitete 1998 ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Freibads ein. Dieses scheiterte jedoch. Von über 21 000 Stimmberechtigten stimmten noch nicht einmal 7 000 Bürger ab. Während ungefähr 1 600 Personen für den Erhalt des Freibads stimmten, waren über 5 000 Plettenberger für einen Neubau, der ein Freibad mit einem Hallenbad kombinierte. Der Grundstein für das AquaMagis in Böddinghausen, das 2003 eröffnet wurde, wurde im Mai 2001 gelegt.


Da es wenig Sinn ergeben hätte, nur die Sportbäder zusammen zu legen, entschied sich die Stadt für ein Freizeitbad mit einer Saunalandschaft als dessen Flaggschiff. „Die Rutschen waren damals noch Nebenthema und hauptsächlich für Kinder“, führte der Bürgermeister weiter aus. Über die Jahre zeigte sich jedoch, dass es, was den Saunabereich angeht, einen hohen Konkurrenzdruck gibt. Im Schnitt kämen 390 000 bis 400 000 Menschen im Jahr ins AquaMagis und das liege an den Rutschen und nicht an der Sauna, weshalb dieser Bereich verkleinert wurde und man sich auf den Besuchermagneten konzentrierte. Der Bürgermeister betonte zudem, dass sich das Freizeitbad von selbst trage, den städtischen Haushalt unterstütze sowie die Wirtschaft vor Ort stärke. „Wir haben damals also alles richtig gemacht: wirtschaftlich, für die Stadt und für die Lebensqualität“, schloss das Stadtoberhaupt seine Rede.

Dr. Uwe Allmann begrüßte die Teilnehmer der Tagung. 

Bei der zweitägigen Tagung ging es jedoch nicht nur um das AquaMagis, auch wenn dieses häufig als Beispiel fungierte, sondern auch um Rutschen und Freizeitbäder im Allgemeinen. Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann hielt zum Beispiel einen Vortrag über Rutschenattraktivität, Joachim Haselwater von der Firma Talessa, die das AuqaMagis gebaut hat, sprach über die Komplettbetreuung von Bädern und ein Vertreter der Firma Klarer Freizeitanlagen der Niederlassung in Nordamerika sprach über die Bäderbranche in den USA.

Stefan Klarer, Geschäftsführer von Klarer Freizeitanlagen, hielt einen Vortrag, wie Erlebniswelten geschaffen werden und von Trends und Innovationen auf dem Rutschenmarkt. Er berichtete von der längsten Indoor-Rutsche mit 320 Metern, die das Unternehmen 1998 in Erding baute sowie über den Bau des Prototypen der Looping-Rutsche, die 2008 im AquaMagis gebaut wurde. Auch Weltneuheiten wie die Stehrutsche und die Windrutsche durften dabei nicht fehlen. Die Gäste konnten sich diese bei einer Führung durch das Bad anschauen und auch testen.

Ein Youtuber-Team mit dem Namen Tuberides.de war ebenfalls zu der Tagung eingeladen. Das Duo, das aus der Nähe von Wuppertal kommt, testet Rutschen auf der ganzen Welt und war unter anderem schon in den Vereinigten Staaten und in Australien. Im AquaMagis hatten die beiden jungen Männer unter anderem damals die Loopingrutsche getestet und auch die Windrutsche wurde noch vor der offiziellen Eröffnung am kommenden Samstag, 30. Juni, von ihnen unter die Lupe genommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare