Aktion des Albert-Schweitzer-Gymnasiums und St. Josef

Post für Seniorenheim-Bewohner: Warum Schüler etliche handschriftliche Briefe in Plettenberg verschickt haben

Briefe ASG St Josef Plettenberg Jung für alt
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Mit großer Freude antworteten die Bewohner des Altenzentrums St. Josef auf die Briefe, die sie von den Schülern bekommen hatten.

Eine Aktion zwischen Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums und des Altenzentrums St. Josef soll den Austausch fördern und die Einsamkeit bekämpfen. Schüler und Senioren schicken sich Briefe. Wir durften mal reinschauen...

Plettenberg - Sie sind noch handgeschrieben. Mal stehen die Sätze auf linierten, mal auf karierten, manchmal auch auf bunten Blättern, die mit Zeichnungen von Blumen oder Pferdestickern verziert worden sind. Sie stecken in Briefumschlägen, werden zugeklebt, bis sie schließlich voller Neugier und Vorfreude von ihren Empfängern geöffnet werden. Der Zauber einer Brieffreundschaft – er ist zurzeit zwischen Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums und Senioren des Altenzentrums St. Josef deutlich zu spüren.

„Meine Großeltern mögen mich sehr gerne, und wir schreiben uns gegenseitig oft Nachrichten. Ich denke, Ihre Familien denken auch sehr an Sie und haben Sie sehr, sehr lieb. Ich bin zuversichtlich, dass Ihre Familie bald ohne Risiken kommen kann, wenn das Corona-Virus vorbei ist.“

Die Schüler haben den ersten Schritt gemacht. Während der Religions- und Philosophie-Stunden haben sie Briefe an die Bewohner des Seniorenheims geschickt, mit dem das Gymnasium schon seit vielen Jahren über die Arbeitsgemeinschaft „Jung für Alt“ in Kontakt steht. „Lieber Bewohner von St. Josef,...“ – so begannen die meisten Briefe der Schüler, die hier anonym bleiben sollen, aber im Original natürlich mit Namen unterschrieben waren. An welchen Bewohner sie schrieben, das wussten sie allerdings nicht. Deshalb erzählten die Jugendlichen viel über sich und die Themen, die sie beschäftigen.

„Ich habe leider keine persönlichen Informationen über Sie, aber dafür kann ich Ihnen ein wenig über mich erzählen. In meiner Freizeit gehe ich gerne raus, vor allem aber gehe ich gerne mit meinen Freunden raus, dies ist aber im Moment leider nicht möglich, weswegen ich mich manchmal einsam fühle. Ich denke oder vermute mal, dass Sie sich auch manchmal alleine fühlen und dass dieses unschöne Gefühl in dieser Zeit Routine geworden ist. Wir wissen alle nicht, wie es weitergehen soll. [...] Angst habe ich eher weniger, jedoch sorge ich mich um meine Familie, im Speziellen um meinen Opa und meine Oma. Man muss sagen, dass Corona und diese „Corona-Zeit“ für uns etwas schwierig ist, aber lass uns die Hoffnung, dass es bald zu Ende geht, nicht aufgeben.“

150 Briefe dieser Art waren es am Ende, die die Schüler geschrieben haben. „Die Resonanz war überwältigend“, beschreibt Sabine Ruhrmann vom Sozialen Dienst in St. Josef. „Die Briefe brachten unsere Bewohner zum Nachdenken“, erklärt sie und verweist auch auf Gedichte oder einfühlsame Texte, die die Schüler schickten.

„Ein Lächeln kostet nichts, es erzeugt aber viel. Es bereichert jene, die es bekommen, ohne denjenigen zu schaden, die es verschenken. Die Erinnerung an ein Lächeln kann ewig bleiben. Niemand ist so reich, dass er es nicht noch gebrauchen könnte, und niemand ist so arm, dass es ihm nicht mehr helfen könnte. Es lässt sich nicht kaufen, nicht leihen, nicht stehlen, nicht erzwingen, denn es hat erst seinen Wert von dem Moment an, an dem es verschenkt wird.“

Für die Bewohner des Altenzentrums St. Josef stand fest, dass sie jeden einzelnen Brief beantworten wollten. Einige Senioren zeigten dabei so viel Freude am Schreiben, dass sie sogar mehrere Briefe beantworteten. „Sich gegenseitig Mut und Zuversicht zu schenken, ist unseren Bewohnern sehr wichtig und auch in Distanz möglich“, betont Sabine Ruhrmann. So wie in diesen Auszügen aus einem der Antwortbriefe, den zum Beispiel die 94-jährige Bewohnerin Hildegard Otto verfasst hat:

„Hab’ ich Recht, dass du ein leidenschaftlicher Sportler bist? Ich finde das gut. Ich selbst bin nie für Sport gewesen. Vielleicht spielst du ja später mal in einer Mannschaft. [...] Dir wünsche ich alles Gute in der Schule und daheim. Die Zukunft liegt in deinen Händen. Wir hoffen, dass auch diese schlimme Zeit bald ein Ende hat, dass man wieder normal leben kann. Mach weiter so und bleib gesund!“

Über das Projekt Jung für Alt

Eine Arbeitsgemeinschaft im Albert-Schweitzer-Gymnasium fördert den Austausch zwischen Schülern und Senioren. Dafür arbeitet die Schule schon seit vielen Jahren mit dem Altenzentrum St. Josef zusammen. Dieser Kontakt bestand ursprünglich in Besuchen der Schüler bei Bewohnern im Seniorenzentrum: Jung besucht Alt. „Seit einiger Zeit sind die aktiven Schüler dazu übergegangen, den Kontakt telefonisch aufrechtzuerhalten. Nun gab es die Möglichkeit, in den Unterrichtsgruppen in der Schule die Zeit zum Schreiben von Briefen zu nutzen“, beschreibt Religionslehrerin Heike Swiadek die Aktion. Übrigens: Auch die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule haben Anfang des Jahres eine identische Aktion mit den Bewohnern des Radprax-Seniorenzentrums durchgeführt.

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