Förster hoffen auf Regen und niedrigere Temperaturen im Sommer

Borkenkäfer lassen 500 Fichten fallen

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Plettenberg – 2018 dominierten zwei Ereignisse das Geschehen im Wald. Einmal das Sturmtief „Friederike“ Anfang Januar. Und einmal die Borkenkäferplage, die sich aufgrund des trockenen und warmen Wetters dramatisch ausbreitete. Beides zusammen hat noch immer große Auswirkungen auf den Holzmarkt. Die wichtigsten Fragen dazu haben wir Forstoberinspektor Thomas Kroll-Bothe gestellt:

Wie groß waren die Borkenkäfer-Schäden im Wald?

Im Plettenberger Stadtwald sind 500 Festmeter gefallen. „Das sind 500 dicke Fichten“, erklärt Thomas Kroll-Bothe, der für den Stadtwald zuständig ist. Das meiste befallene Holz sei schon aus dem Wald geholt worden. Der Rest wird abgefahren, „wenn der Schnee weg ist.“

Warum kam es überhaupt zur Borkenkäfer-Problematik? 

Wegen des warmen Wetters. Die Borkenkäfer haben sich extrem vermehrt. Drei Generationen der Krabbeltiere hätten sich laut Kroll-Bothe entwickeln können. Vor allem die Käferarten Buchdrucker und Kupferstecher seien im heimischen Wald aufgefallen. Der Buchdrucker bevorzugt geschwächte Fichten. Erste Käfer suchen sich einen Baum aus. Sie bohren sich in den Stamm. Dadurch wird der Harzfluss beim Baum ausgelöst und einzelne Käfer abgetötet. Kommen aber viele Käfer, sind vor allem schwächere Bäume wehrlos und werden zerstört. Der Kupferstecher attackiert auch jüngere, gesunde Fichten.

Wie geht es mit den Borkenkäfern weiter? 

Das weiß bis jetzt noch keiner. Die weitere Entwicklung ist sehr stark von der Witterung abhängig. Wenn es genug regnet und die Temperaturen nicht zu hoch sind, dürfe sich die Situation entspannen. "Das wäre das beste für den Wald“, so Kroll-Bothe. „Damit dürfte sich dann auch der Holzmarkt wieder erholen. Andererseits kann es natürlich wieder warm werden und trocken. Dann könnte es noch schlimmer werden“, so der Förster. Der Grund: Die Bäume seien wegen des warmen Sommers mit wenig Regen geschwächt. Dazu würden unter der Erde noch Borkenkäfer überwintern. „Gut möglich, dass die Käfer auch noch in Bäumen sind, sich aber noch keine Rinde gelöst hat“, so Kroll-Bothe.

Wie stark waren die Auswirkungen auf die Holzpreise?

Durch die vielen beschädigten Bäume – durch den Sturm im Januar und die Käfer – gab es ein Überangebot an Fichtenstammholz. Die Preise sind stark gefallen. Anfang des Jahres konnte das Sturmholz noch zu guten Preisen durch das Regionalforstamt Märkisches Sauerland vermarktet werden. Später ging es allerdings stark bergab. Die Preise für Fichtenstammholz der Güteklasse B, Stärkeklasse 2B und stärker, die Anfang des Jahres noch mehr als 90 Euro pro Erntefestmeter betrugen, seien in der zweiten Jahreshälfte auf 55 Euro pro Festmeter gefallen. Vor allem das Käferholz konnte vom Holzmarkt kaum aufgenommen werden.

Wie hoch war der Holzeinschlag in 2018? 

„Der Holzeinschlag im Stadtforst betrug in 2018 insgesamt 831 Erntefestmeter“, so Kroll-Bothe. „Das sind knapp 40 Prozent der ursprünglich geplanten Nutzung.“ Es wurde hauptsächlich Holz eingeschlagen, das entweder durch das Sturmtief Friederike geworfen oder durch den Borkenkäfer befallen war. „Die geplanten Pflegemaßnahmen in den Kulturen und Jungbeständen wurden dagegen planmäßig umgesetzt. Auch wurden Maßnahmen zur Unterhaltung und Pflege der Forstwirtschaftswege durchgeführt.“

Wie sieht der Wirtschaftsplan Wald 2019 aus? 

Niemand weiß, wie das Wetter wird. Das macht es deutlich schwerer, den Plan zu erstellen. Die Priorität im Jahr 2019 liege laut Kroll-Bothe, darauf, die durch Borkenkäfer befallene Bestände schnell aus dem Wald zu entfernen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das heißt auch: Nicht vom Borkenkäfer befallenes Holz soll nur in dem Umfang gefällt werden, wie der Markt dieses Holz zu wirtschaftlichen Konditionen aufnehmen kann. „Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt wird auch in diesem Jahr wiederum in der Jungbestandspflege der wiederaufgeforsteten Kyrillflächen liegen“, so der Forstoberinspektor.

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