Ideensammlung zur alternativen Nutzung

Böhler Kirche: Bisher kein Verkauf geplant

Renate Martin-Schröder zeigte auf Bildern wie die Böhler Kirche früher einmal aussah und berichtete einiges zur Geschichte und den Veränderungen der damaligen Kapelle.

Plettenberg - Ein Verkauf ist bisher noch nicht geplant, stellte Pfarrer Dietmar Auner bei einer CDU-Ortsbesichtigung der Böhler Kirche am Montagabend klar und kann somit die vielen Interessierten, die gekommen waren, beruhigen. Man sammle lediglich Ideen für eine alternative Nutzung, um sich auf die Zukunft einzustellen.

Fakt sei, dass in der Nachkriegszeit der Bau von weiteren Kirchen notwendig gewesen sei, da sich viele Flüchtlinge in der Vier-Täler-Stadt angesiedelt hatten, berichtet Auner. Damals seien fünf Kirchen in zehn Jahren in Plettenberg entstanden, unter anderem am Eschen und auch in Holthausen. Mittlerweile sei die Kirchengemeinde Plettenberg jedoch geschrumpft. Allein in den letzten 25 Jahren sei die Zahl der Gemeindeglieder um rund 3 000 gesunken. Auf lange Sicht sei man daher gezwungen, sich zu verkleinern oder zu verändern – das möchte die Kirchengemeinde gerne im Einvernehmen mit der Stadt tun. Die Frage sei unter anderem, wie mit den noch übrigen fünf Kirchen der Gemeinde umzugehen sei.

Einen Beschluss zu einem Verkauf gebe es bisher jedoch nicht. „Es ist nicht ausgeschlossen und möglicherweise sinnvoll, aber wir sind noch lange nicht an dieser Stelle“, hieß es am Montagabend. Es gehe auch nicht in erster Linie um einen Verkauf, sondern darum, sich neu aufzustellen und Möglichkeiten, eine sinnvolle Nutzung zu suchen. Schließlich könne es sein, dass in den nächsten Jahren eine Entscheidung gefordert sei, wenn zum Beispiel Fördermittel gekürzt würden. Dann müsse die Gemeinde einen Plan B haben. Für diesen gelte es sich jetzt zu wappnen. Zudem bedeute eine andere oder zusätzliche Nutzung nicht unbedingt einen Verkauf.

Die ursprünglich von 1156 bis 1158 erbaute Kapelle wurde 1907 zur heutigen Kirche umgebaut.

Ebenfalls zu berücksichtigen sei der bauliche Zustand. Eine Sanierung des Daches stehe an, der Schiefer sei mürbe und die Kosten für das denkmalgeschütze Gebäude würden 275 000 bis 400 000 Euro betragen. Ebenfalls müsste die Orgel für rund 40 000 Euro generalüberholt werden, da einige Töne nicht mehr spielbar seien. Falls die Kirche im Winter genutzt werden sollte, müsste eine Heizung eingebaut werden. Derzeit wird die Böhler Kirche vor allem als Ferienkirche, also sonntags in den Sommerferien, für Gottesdienste an Himmelfahrt, zur Auferstehungsfeier oder Kindergottesdiensten und hauptsächlich als Trauungskirche genutzt. Rund 15 Trauungen in einem Jahr gebe es in der Kirche. Auch für 2019 habe man schon sechs Anmeldungen. Zudem gebe es gelegentlich auch eine ökumenische Nutzung in Absprache mit der Kirchengemeinde St. Laurentius, berichteten Pfarrer Dietmar Auner und Pfarrer Andreas Hirschberg.

Dass die Fachhochschule Dortmund im Fachbereich Architektur ein Projekt durchführen möchte, habe mit einem geplanten Verkauf nichts zu tun. „Die Fachhochschule ist an uns herangetreten mit dem Projekt“, erklärte Baukirchenmeisterin Anke Barbara. Über das Denkmalamt in Münster habe die Kirchengemeinde Informationen bekommen, dass die Hochschule Denkmäler für einen Ideenwettbewerb suche. Die Professorin habe die Böhler Kirche für ein spannendes Projekt befunden.

Kulturelle Veranstaltungen

Bei dem Projekt gehe es darum, wie die Studenten mit der Denkmalschutzbauweise umgehen und sich damit kreativ mit dem Gebäude und der Umgebung auseinandersetzen, um eine alternative Nutzung vorzuschlagen. Während der Besichtigung wurde mehrfach betont, dass es sich um keine Pläne, sondern lediglich um Ideen eines Semesterprojektes handele, die am Ende des Semesters im April auch präsentiert werden sollen. Ob etwas davon später einmal aufgegriffen werde, sei ebenso noch offen wie eine öffentliche Nutzung.

Ideen hatten auch einige Teilnehmer der Besichtigung. So gab es Vorschläge, Kulturveranstaltungen wie Konzerte oder das Bachforum darin stattfinden zu lassen oder auch Ausstellungen. Dietmar Auner wünscht sich, dass die Studenten auch den Böhler Park mit in ihre Ideen aufnehmen, damit dieses Kleinod besser genutzt würde. Es habe in der Vergangenheit eine Verbindung zwischen Wieden und Stadtpark ausgebaut werden sollen, was jedoch nicht geschehen sei.

Zur Kirche

Es ist die einzige noch bestehende Kapelle von damals elf, die sich hauptsächlich in den Landgemeinden befanden in Plettenberg. Die Kapelle, die sich damals außerhalb der Stadtmauern befand, war auch gleichzeitig Herberge und Hospiz, wie Renate Martin-Schröder bei der Ortsbesichtigung erklärte. Das heißt, sowohl kranke als auch sterbende Menschen suchten die Kapelle auf und auch Reisende, die nicht mehr in die Stadt kamen. Noch heute ist ein Fenster in der Kirche zu sehen, durch die die Hostie den Menschen mit ansteckenden Krankheiten gereicht wurde. Die ursprünglich 1156 bis 1158 gebaute Kapelle wurde 1907 zur heutigen Kirche umgebaut. Mit ihrer großen Empore bietet sie die meisten Plätze in den Plettenberger Kirchen, nämlich 450.

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