„Kalkleiste oder Kohlroulade“

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Die „Showbrothers“ nahmen das Publikum auch mit auf eine Reise in die Steinzeit, als das Leben noch einfach war.

Sie stehen für Gegensätze und doch auch für Gemeinsamkeit – optisch, inhaltlich und musikalisch: die „Black and White Showbrothers“ John und Don Combo alias Tlako Mokgadi und Bernd Böhne. 

Mit ihrem Showprogramm begeisterte das Duo jetzt das Publikum im Ratssaal. Kabarett, Comedy und Livekonzert, Humorvolles, Nachdenkliches und Musik durch alle Genres bescherten dem Publikum einen vergnüglichen Abend.

Der eine schwarz wie die Nacht, der andere weiß wie Nosferatu, vereint die Beiden eine gemeinsame Mutter, ein Multikultileben. In jungen Jahren war Mama Combo „ein heißer Feger“, arbeitete als Empfangsdame am Bühneneingang der Westfalenhalle, war sexuell sehr aktiv und an ihr mussten alle vorbei, die größten Rock- und Pop- sowie Unterhaltungsstars der 1960er und 1970er Jahre: die Beatles, die Stones, Ray Charles, ABBA, Frank Sinatra, Bob Marley und wie sie alle hießen. So beginnt die Entstehungsgeschichte der Brüder.

Doch mit einem hielt Mama Combo immer hinterm Berg: dem Namen der Väter. „Wenn ihr groß und stark seid, werde ich euch sagen, wer eure Väter sind.“ Bei Mamas umtriebigem Lebenswandel war es für die Brüder keine einfache Sache, auf die Spur ihrer Väter zu kommen. Dass sie Brüder sind, steht für sie außer Frage, sind sie doch im selben Kinderzimmer aufgewachsen – im Sauerland.

Obwohl sein klassischer Werdegang als Kind in der Provinz sich in nichts von anderen Kindern unterschied, sah sich John Combo schon früh mit dem alltäglichen Rassismus konfrontiert. Humorvoll bewerfen sich die Brüder mit den Schimpfnamen aus der Kindheit wie „Kalkleiste oder Kohlroulade“, den ernsteren Hintergrund verspürt der Zuhörer trotz der Flapsigkeit.

Schnell lernen die Combos: Musik ist Trumpf und die Mädels stehen darauf. So touren die „Showbrothers“ in der Welt umher – einerseits, um die Welt in ihren Bann zu ziehen, andererseits auf Spurensuche nach möglichen Vätern.

Für Don steht fest: „Papa was a Rolling Stone“ – oder könnte es doch Frank Sinatra gewesen sein? Passend intoniert Don dazu mit Inbrunst den Sinatra-Song überhaupt: „New York, New York“.

James Brown oder Bob Marley, könnte einer dieser Stars Johns Erzeuger gewesen sein? John hofft zwar, weist aber hin: „Ach komm, ich seh doch eher aus wie Whoopi Goldberg.“ Grandios war sein darauf folgendes „No woman, no cry“ von Bob Marley.

Das Publikum kichert, klatscht, tanzt mit, heiße Rhythmen durchziehen den nüchternen Ratssaal, lassen das Publikum mitfiebern bei jedem Lied, wer nun der Vater sein könnte. Hot Chocolates „You sexy thing“ dient als Loblied auf die gemeinsame Mutter. Titel von den Blues Brothers, Elvis, Queen bis hin zu Heintje und Zoff werden gesungen, bringen das Publikum in Schwung.

Doch neben aller Heiterkeit flechten die Brüder auch Nachdenkliches über Rassismus und Evolution ein. Sie prangern Waffenhändler und religiösen Wahnsinn an und stellen fest, dass „unsere Zivilisationsdecke ziemlich dünn ist“.

Dann geht es zurück in der Menschheitsgeschichte, zu den Urzeitmenschen, wo alles noch relativ frei war vom alltäglichen Irrsinn. Zum Ende feiern und tanzen Publikum und Musiker gemeinsam unbeschwert. So wie das Leben in einer Welt einfach sein sollte: gemeinsam. Davon träumt das Duo: „I have a dream“ und singen „Why can’t we live together, tell me why.“

Hoffnungen werden allerdings schon mal erschüttert, so wie die Spekulationen der Brüder um berühmte Väterkandidaten. Ein Brief der Mutter bringt ernüchternde Klarheit: Dons Vater ist ein Hausmeister aus Castrop-Rauxel, Johns Vater ein südafrikanischer Chauffeur.

A. Na-Schlütter

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