Gerichtsverhandlung zu tödlichem Unfall im Juli

„Bin schreiend über Straße gelaufen“

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Das Motorrad des 68-Jährigen, der noch an der Unfallstelle verstorben war. J Foto: Archivbild

Plettenberg - Noch an der Unfallstelle starb am 21. Juli 2017 ein 68-jähriger Motorradfahrer aus Finnentrop-Deutmecke. In den Mittagstunden war er auf der B236 in Richtung Plettenberg unterwegs, als er in Höhe Pasel frontal mit dem Touran einer 57-Jährigen aus Finnentrop zusammenstieß, die sich auf dem Heimweg befand. Nun stand sie vor Gericht.

Die massiven Zerstörungen an beiden Wracks deuteten an, mit welcher Wucht die beiden Fahrzeuge zusammengestoßen waren. Wiederbelebungsversuche an dem 68-Jährigen waren vergeblich. 

Sichtlich mitgenommen kam die mutmaßliche Verursacherin des Unfalls am Dienstag ins Amtsgericht Altena, wo sie sich vor einem Schöffengericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Unfall grob fahrlässig herbeigeführt zu haben, als sie in einer Überholverbotszone einen in Richtung Finnentrop fahrenden Lastwagen überholte und auf der Gegenfahrbahn mit dem Motorrad des Getöteten kollidierte. 

Frau kann sich an kaum etwas erinnern

„Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern“, sagte die Angeklagte. „Ich kann das nicht nachvollziehen.“ Ihre Aussage wurde immer wieder von Tränen unterbrochen. Der Tod des Motorradfahrers tue ihr „sehr sehr leid“. Kurz nach dem Unfall habe sie der Witwe des Getöteten einen Brief geschrieben, auf den sie allerdings keine Antwort bekommen habe. 

Ein kleines Stück Erinnerung an den Unfall kam dann offenbar doch zwischenzeitlich vor Gericht wieder: „Ich bin schreiend über die Straße gelaufen und sah einen Menschen auf der Straße.“ Kurz nach dem Unfall begab sich die 57-Jährige in psychologische Behandlung, um mit ihren Angstzuständen und Schlafstörungen fertig zu werden.

Aussage immer wieder von Tränen unterbrochen

Rätselhaft blieb im Gerichtssaal die Ursache für das scheinbar waghalsige Überholmanöver mit furchtbaren Folgen: Weil sie recht entspannt auf dem Heimweg gewesen sei, habe sie es nicht eilig gehabt, erklärte die Angeklagte. 

Und es sei ihr eigentlich auch völlig fremd, gegen ein Überholverbot zu verstoßen. Keine Punkte in Flensburg, keine Vorstrafen – von dieser Seite kam Bestätigung dieser Aussage.

Aufgrund ihrer fehlenden Erinnerung konnte das Schöffengericht den rätselhaften Unfall am Dienstag allerdings noch nicht ganz aufklären. Die Verhandlung wurde deshalb unterbrochen. Zur Fortsetzung am Dienstag, 30. Januar, sollen Zeugen geladen werden, die etwas zum Unfallverlauf sagen können.

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