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Nicht immer bierernst: Biergericht auf der Sundhelle (mit Galerie)

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Von: Hartmut Damschen

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Ob der Schnaps, der am Pranger gereicht wurde, gut geschmeckt hat, sei bei diesem Anblick dahingestellt.
Ob der Schnaps, der am Pranger gereicht wurde, gut geschmeckt hat, sei bei diesem Anblick dahingestellt. © Damschen

Das Biergericht eines Schützenvereins ist auch eine bierernste Veranstaltung. So sinnierte auch Bürgermeister Ulrich Schulte beim Sundheller Biergericht eingangs über sein persönliches Problem mit einem Gendefekt. Denn sein Körper könne nicht selbstständig Alkohol produzieren.

Plettenberg - Daher müsse dieser in Form von Bier zugeführt werden. Zum Beweis leerte er daraufhin sein erstes Bierglas. Somit war zu Beginn des Biergerichtes manifestiert, dass es bierernst auch weiterhin zugehen würde.

Nach der Gesellschaft für deutsche Sprache geht der Ausdruck „bierernst“ nach Heinz Küppers Illustriertem Lexikon der deutschen Umgangssprache (Band 1, Stuttgart 1982) auf die Annahme zurück, dass der Genuss des Weins beschwingt und fröhlich mache, dass Bier hingegen den Trinker gedankenschwer und ernst stimme.

Vermutlich, damit die schweren Gedanken nicht ausgehen, wurde ein Mitglied (Name ist der Redaktion bekannt) der Plettenberger Schützengesellschaft (PSG) dazu verdonnert, mit einer Weste ausgestattet auf den Zuruf „Ober“ und den Fingerzeig auf die Anzahl eine entsprechende Menge an Biergläsern auf die Bühne zu bringen. Der Mann bat sich aus, nicht mit „Ober“, sondern mit „Oberst“ angeredet zu werden. Kein Problem. Geschickt wartete der neue Biergerichtskellner den ersten Zuruf erst gar nicht ab, sondern brachte sogleich, schlauerweise auch für sich selbst eins, die erste Ladung Bier. Er wurde nicht ein weiteres Mal zum Biertransport aufgefordert.

Mit dem Bierernst war es spätestens vorbei, als der Schnaps ins Spiel kam – am Pranger. Den lernten als grausames Folterinstrument der „Giftmischer“ Uwe Meister, Kulturbanause und Biergerichts-Missachter Stefan Winkler, der unverwüstliche neue Kaiser Theo Baraniuk und Oberst Thomas Baußmann kennen. Biergerichtspräsidentin Melanie Barkam kannte kein Erbarmen und ließ jeweils eine ordentliche Menge eines nicht näher bezeichneten Schnapses in den Trichter laufen, dessen Inhalt durch einen Schlauch von den Delinquenten mehr oder weniger genüsslich eingesogen werden musste. Ob der Schnaps wirklich so scheußlich schmeckte, wie die Verurteilten Gesichter schnitten, sei dahingestellt.

Susanne Schulte, gestern noch Frau Antje, rockte mit „You’re simply the best“ als Tina Turner das Vereinsheim. Stehend ging das Publikum mit.

Beschwingt und fröhlich war auch das Publikum, als die Leichenblässe in das Gesicht von Andrea Saladdino, 1. Vorsitzender der Oestertaler Schützen, stieg. Denn auf ihn wartete die Ahndung eines schweren Vergehens: Ausgerechnet während des Großen Zapfenstreiches in Landemert hatte sich sein Smartphone bemerkbar gemacht. Höchst peinlich! Aber für Saladdino war geradezu unglaublich, als er sein Handy an das Biergericht herausrücken musste und es nach mehreren Hammerschlägen zerdeppert wieder zurückbekam. Konnte das wahr sein?

Natürlich nicht. Beim Abgang von der Bühne bekam er sein unversehrtes Smartphone zurück. Und noch eine Tüte mit Munition, auf dass sie niemals beim Vogelschießen (wieder) ausgehen möge.

Vom alten Thron gab es Liveschaltungen mit Grüßen vom Vatikan, aus Kuba, England, Griechenland und Norwegen. Uwe Meister war, aller Sprachen gerecht, der Übersetzter der vergnüglichen Übertragung.

Überhaupt war die Stimmung hervorragend. Alle Plettenberger Schützenvereine waren mit ihren Abordnungen vertreten und hatten ebenso wie die Sundheller ihren Spaß an dem Biergericht. Viele bekamen im Vereinsheim keinen Platz mehr, konnten aber draußen sitzend an der Veranstaltung teilnehmen.

Das Sundheller Biergericht hatte anscheinend keine Mühe oder viele Spitzel gehabt, die vielen größeren und kleineren Vergehen der vergangenen zwei Jahren zusammenzutragen, um die Urteile am Sonntag auszusprechen und zu vollstrecken. Bürgermeister Schulte, der seinen Freund, den Balken, wiederentdeckte, lockerte zusätzlich mit wirklich guten Witzen und Vertelleken Umbauphasen auf, schaffte Übergänge und sorgte so für jede Menge Lacher, während Marcus Richter mit Schlagern zum Mitsingen einlud. Ein Biergericht, das bei allen gut ankam.

Am Wochenende hatten die Sundheller Schützen nach mehrjähriger coronabedingter Pause ihren neuen König ermittelt und ausgelassen gefeiert.

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