Der 45 Sekunden-Dura-Prozess 

+
Klaus Rahes Gütetermin war schnell vorbei.

Plettenberg - Eine lange Anfahrt zum Arbeitsgericht Iserlohn hatte am Mittwoch der Plettenberger Klaus Rahe, Betriebsratsvorsitzender von Body & Glass in Plettenberg. Normalerweise haben Mitarbeiter in dieser Position einen Kündigungsschutz, nicht aber wenn der gesamte Betrieb stillgelegt wird.

Doch der Gütetermin in Iserlohn war für Rahe schnell erledigt. Nach 45 Sekunden war die Verhandlung beendet, da die Arbeitgeberseite – vertreten durch die Kölner Kanzlei Goerg – kein neues Angebot vorlegte. Stattdessen wurde der Termin für die Kündigungsschutzklage festgelegt. Darüber soll nun am 8. Mai 2019 verhandelt werden.

  „Man muss Dura in Plettenberg als zwei völlig unterschiedliche Betriebe sehen“, erklärte Klaus Rahe gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf der einen Seite die Ideenschmiede von Body & Glass, auf der anderen Seite die Produktion von Leisten & Blenden, deren Mitarbeiter aktuell keine großen Erfolgsaussichten bei ihren Kündigungsschutzklagen hätten.

 Zu den Gründen für die millionenschweren Verluste bei Leisten & Blenden gab Rahe zunächst zu bedenken, dass die Mitarbeiter durch den von 2003 bis 2015 laufenden Tarifvertrag Einsparungen von rund 140 Millionen Euro erzielt hätten. Dass dennoch hohe Millionenverluste aufgelaufen seien, führt Rahe vor allem auf die Dura-Führung und die deutlich unter Wert eingeholten Aufträge zurück. „Es geht immer darum, wer etwas macht und wer es zulässt“, so Rahe. Man könne das mit der Kindererziehung vergleichen. „Wenn man seine Kinder monatelang gewähren lässt, sieht die Wohnung irgendwann auch schlimm aus und die Kinder tanzen einem auf der Nase herum“, so Rahe. „Wenn die Führung nicht stimmt, verselbstständigt sich einiges“, ergänzte Rahe. Ungeachtet dessen könne man längst nicht alle Dura-Mitarbeiter über einen Kamm scheren, denn viele hätten über Jahre auch wirklich gute Arbeit geleistet. Im Bereich Body & Glass habe man noch 2015 ein Plus von 8,5 Millionen Euro erzielt. 

Dass man nun auch die bisherige Ideenschmiede, die für sämtliche europäische Werke arbeite, „platt macht und gleichzeitig ein neues Werk in Lüdenscheid errichtet“, sei in jedem Fall sehr fragwürdig. „Wir haben einige Indizien, die belegen, dass es sich dabei um einen Betriebsübergang handelt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. In einem ihm vorliegenden Vertrag, der in ähnlicher Form über 90 von insgesamt fast 250 Mitarbeitern von Body & Glass vorgelegt worden sei, stehe folgender Satz: „Ferner werden die Beschäftigungszeiten von Body & Glass und etwaige Rechtsnachfolger der Body & Glass in jeder Hinsicht anerkannt. Ab dem 1. Mai ist der Arbeitsort in Lüdenscheid.“ Traurig sei, dass man der Dura-Führung schon vor geraumer Zeit ein Konzept für die nun in Lüdenscheid geplante „Ideeenschmiede“ mitsamt verringerter Personalstärke und Sozialplan vorgelegt habe. Am Ende habe Dura-Chefin Lynn Tilton das aber abgelehnt. Stattdessen sei eine auf Insolvenzrecht spezialisierte Großkanzlei beauftragt worden, das Unternehmen bei der Betriebsstilllegung für Leisten & Blenden und Body & Glass zu unterstützen.

 Doch Rahe, für den das Kapitel Dura Ende Mai nach Ende der Kündigungsfrist und nach 40 Jahren beendet ist, hofft, dass zumindest die Body & Glass-Mitarbeiter rechtlich noch etwas erreichen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare