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Signal der Ausbildungsbörse: „Wir brauchen die Nachwuchskräfte“

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Christina Schiffmann (links) und Katharina Schmidt von der Drogerie-Kette DM: Mit der Ausbildungsbörse erreiche man potenziell mehr Bewerber.
Christina Schiffmann (links) und Katharina Schmidt von der Drogerie-Kette DM: Mit der Ausbildungsbörse erreiche man potenziell mehr Bewerber. © LARISSA RABUS

Zum ersten Mal nach zweijähriger Corona-Pause findet die Ausbildungsbörse wieder in Präsenz statt. Das sagt eine 16-Jährige zu dem Angebot.

Plettenberg – Ich gehöre mit meinen 16 Jahren genau zur Zielgruppe, die die in der Schützenhalle vertretenen Ausbildungsbetriebe erreichen möchten. Und wie ein Rundgang zeigte: Die Betriebe und Behörden sind froh, wieder von Angesicht zu Angesicht für sich werben zu können. Doch was gibt die Ausbildungsbörse Jugendlichen wie mir? Ist eine Börse in Präsenz in Zeiten einer immer weiter digitalisierten Welt noch notwendig? Ich schaute mich am Mittwochabend auf der Börse um, als die Schützenhalle für alle Interessierten geöffnet war.

Ich war bisher noch nie bei einer Ausbildungsbörse – und konnte mir dementsprechend wenig darunter vorstellen. Klar, ich mache mir auch Gedanken über meine berufliche Zukunft. Doch muss ich mir dazu monotone Vorträge anhören, ähnlich wie manchmal in der Schule? Doch ich muss zugeben: Ich habe mich geirrt, doch dazu später mehr.

In der ganzen Schützenhalle sind Stände von vielen Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen aufgebaut, die zum Teil auch interaktive Einblicke in den Job bieten. Die Leute an den Ständen sind stets freundlich und bemüht, einen guten Eindruck ihres Arbeitsplatzes zu vermitteln.

So auch Sarah Schulze, Ausbilderin beim Finanzamt Altena. „Im Finanzamt bearbeitet man nicht nur Erklärungen. Man denkt ja immer, man bearbeitet stumpf diese Erklärungen, das stimmt aber nicht. Das gehört zwar dazu, aber wir sind ja beispielsweise auch für Steuern zuständig. Wir schicken Vollziehungsbeamte raus, man geht auch in die Betriebe und prüft die Bilanzen“, wirbt Schulze für Jobs beim Finanzamt, die mehr als nur stumpfe Büroarbeit bieten sollen.

Neben einer Ausbildung ist auch ein Duales Studium beim Finanzamt möglich. Als großer Vorteil werden mir ein gutes Gehalt und natürlich die Verbeamtung genannt. Doch auch die Arbeitsatmosphäre sei sehr gut. „Wir sind sehr jung und nicht so steif. Wir sind so im Schnitt dreißig Jahre alt und auch sehr locker im Umgang miteinander. Auszubildende und Ausbilder begegnen sich auf Augenhöhe. Das ist ganz wichtig, denn meine Auszubildende ist vor allem meine Kollegin“, erklärt mir Schulze.

Trotz der großen Verantwortung, die man als junge Person beim Finanzamt übernehmen könne, würde man keinesfalls alleine gelassen. „Nach der Prüfung hat man meistens schon einen eigenen Bezirk. Ihr werdet weiter eingearbeitet, dass ist alles bei uns Teamwork“.

Auch ihre Auszubildende Merisa Omerovic hat nur positives über ihre Ausbildungsstelle zu sagen, obwohl sie zunächst gar nicht zum Finanzamt wollte. „Ich bin durch eine Freundin darauf aufmerksam geworden. Erst habe ich mich gar nicht dafür interessiert, doch habe irgendwann doch in Iserlohn beworben und bin schlussendlich in Altena gelandet. Ich bereue es wirklich überhaupt nicht, es war bis jetzt eine super Ausbildung“.

Sarah Schulze hebt zudem noch hervor, wie wichtig es für das Finanzamt sei, bei jüngeren Leuten präsent zu sein: „Wir wollen natürlich den Kontakt, auch zu euch jungen Leuten, sonst würden wir nicht hier stehen. Wir brauchen die Nachwuchskräfte, wir brauchen den frischen Wind. Wir brauchen euch jungen Leute also dringend.“

Alle Arbeitgeber, mit denen ich gesprochen habe, sind wie die Vertreter vom Finanzamt froh, dass sie eine Chance bekommen, ihren Beruf und ihre Ausbildungsplätze zu präsentieren. So auch Katharina Schmidt, mit der ich am Stand der Drogerie-Kette DM spreche. „Es ist ja alles sonst immer online gewesen. Dass man jetzt die Leute in Präsenz wiedersieht, ist natürlich gut. Man kann Informationen viel besser weitergeben und vermitteln als online und ich denke, das bringt uns schon ein paar mehr Bewerber rein“, sagt Schmidt.

Auch Annika Bernsau, Ausbildungsleiterin bei der Sparkasse im MK, rät jedem jungen Menschen, das Angebot der Ausbildungsbörse zu nutzen – „alleine schon, um Vorurteile wegzunehmen. Man denkt ja manchmal auch, das ist bestimmt langweilig, aber die meisten Schüler gehen bei uns raus und sagen: ,Wow, das hätte ich gar nicht gedacht, das ist ja doch ganz schön vielfältig’“.

Speziell nach Corona sei es wichtig, persönlichen Kontakt zu den Schülern und jungen Leuten aufzubauen: „Die Schüler hatten in den letzten zwei Jahren ja nichts. Sie konnten sich nicht wirklich informieren, sie konnten nichts sehen, sie konnten nichts anfassen. Klar konnten sie etwas im Internet nachlesen, aber es ist was anderes, wenn man sie persönlich sprechen kann. Und deswegen finde ich es ganz wichtig, auf solchen Veranstaltungen anwesend zu sein. Ein persönliches Gespräch ist viel mehr wert als einfach nur etwas zu lesen. Es fällt einem zum Beispiel vielleicht spontan noch eine Frage ein und die kann man dann direkt beantworten“

Andrea Bieler-Kubiak, Ansprechpartnerin am Stand des Radprax-Krankenhauses, zeigt sich gespannt, ob der Andrang am Donnerstag noch größer wird, wenn die Schulklassen in die Schützenhalle kommen: „Es hat an Andrang von Jugendlichen bisher etwas gefehlt, aber ich denke, dass wird sich morgen ändern, da dann auch die Schulen kommen“

Insgesamt gibt es natürlich noch viel mehr Stände und Angebote, die über verschiedene Berufe informieren. Ich fand das Angebot als Schülerin sehr interessant und informativ. Vor allem nach zwei Jahren Corona ist es sehr schön mal wieder persönliche Gespräche mit Vertretern verschiedener Optionen führen zu können und absolut einen Besuch wert. VON LARISSA RABUS

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