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Betreten verboten: Abriss der Vier-Täler-Schule beginnt

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Schutzanzüge bei Sanierung der Vier-Täler-Schule
Auch bei den vorbereiteten Arbeiten genießt der Schutz der Personen oberste Priorität: Deswegen tragen die Mitarbeiter der beauftragten Firma Schutzanzüge, auch wenn sie noch nicht direkten Asbestkontakt haben. © Stadt Plettenberg

Leere Flure, wo einst Schüler in den Pausen durch das Gebäude gerannt sind. Kahlschlag an Wänden und Decken. Wucherndes Grün erobert sich die Außenbereiche zurück. Aber gespenstische Stille herrscht hier, an der Straße „Auf der Lied“, nicht mehr: Denn die Abrissarbeiten an der Vier-Täler-Schule in Holthausen haben begonnen.

Plettenberg – Unter Schutzanzügen, in abgetrenntem, abgezäuntem Areal werden von den Mitarbeitern der zuständigen Firma bei den Innenarbeiten an der ehemaligen Förderschule jetzt die asbesthaltigen Bauteile entnommen und fachgerecht entsorgt. Dabei liegt das Augenmerk eben auf der Sicherheit aller Mitarbeitenden und Menschen im Umfeld, wie der nebenan liegenden Grundschule.

Für Passanten, die zur Grundschule wollen (was neben den Kindern und Lehrkräften auch Vereine betrifft), wurde ein tunnelartiges Konstrukt errichtet und das Umfeld des Komplexes weiträumig abgesperrt. Damit soll verhindert werden, dass Unbefugte den Bereich betreten können und sich damit in Gefahr begeben.

Ursache sind die bei früheren Sanierungsarbeiten entdeckten asbesthaltigen Verkleidungsteile von Säulen (Brandschutzplatten) und Fassadenelemente. Diese Entdeckung führte seinerzeit zur sofortigen Einstellung der Sanierungsarbeiten und zur Sperrung des Gebäudekomplexes. Danach wurden die belasteten Bauelemente registriert und markiert.

Dieser erste Abschnitt der Abrissarbeiten soll etwa vier Wochen dauern, dann folgt der Abriss des gesamten Komplexes. Vom Ablauf der gesamten Arbeiten hängt dann auch ab, wann der Neubau starten kann, in dem dann die neue Grundschule untergebracht werden soll. Die Kosten für die Abrissarbeiten sind mit etwa 400 000 Euro angesetzt und für den Neubau sind im Entwurf des Haushaltsplanes 2023 für die nächsten Jahre in Summe 6,7 Millionen Euro eingeplant.

Container auf dem Hof der Vier-Täler-Schule
Die ersten Container stehen auf dem Hof vor der Vier-Täler-Schule, darin ist bereits entsorgtes Material in speziellen Säcken zu erkennen. © Stadt Plettenberg

Die Stadt weist mit Nachdruck darauf hin, dass aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen außer den Befugten (Mitarbeitende der beauftragten Firma und der Stadt) niemand das Gelände betreten darf.

Die Chronologie zur Entwicklung an der Vier-Täler-Schule:

Die Geschichte begann vor ziemlich genau zwei Jahren und vier Monaten, als die Stadtverwaltung erstmals über die massiven Probleme beim Umbau der Vier-Täler-Schule informierte. Damals gab Bürgermeister Ulrich Schulte im Jugendhilfeausschuss unumwunden zu: „Das 2,4-Millionen-Projekt ist uns komplett um die Ohren geflogen.“
Bei einer Überprüfung hatten sich an dem Gebäude zahlreiche Mängel ergeben – vom Brandschutz bis hin zum nicht akzeptablen Fluchtweg. Die Eltern der Holthauser Kindergartenkinder waren damals vor allem deshalb in Aufruhr, weil ihre Kinder fortan in der ehemaligen Bonifatiuskirche betreut werden sollten.
Doch wäre das alles nicht schon schlimm genug gewesen, kam es kurz später noch bitterer, als ein Gutachter für Gebäudeschadstoffe asbesthaltige Bauprodukte in Form von Brandschutzplatten und Fassadenelementen fand. Die Bezirksregierung Arnsberg verfügte die Schließung des Gebäudes zum 30. Juni 2020, was auch gleichbedeutend mit dem sofortigen Auszug der Kita und der Offenen Ganztagsbetreuung war. Sogar die außerordentliche Ratssitzung musste aufgrund der von einem auf den anderen Tag veränderten Sachlage damals unterbrochen werden, damit die Fraktionen sich beraten konnten.

Seitdem wurde geplant und fieberhaft nach Lösungen gesucht. Die Bonifatiuskirche wurde hergerichtet und wird bis heute als Kindergarten genutzt, das Stadtarchiv ist zum Friedhahn nach Ohle umgezogen, die Volkshochschule nutzt Räumlichkeiten im ganzen Stadtgebiet. Immer wieder brachten Eltern ihre Unzufriedenheit über den Situation zum Ausdruck.
Die Lokalpolitik hatte über die Sanierungsmaßnahmen zu entschieden. Im September letzten Jahres tagte der Bau- und Liegenschaftsausschuss. Klar war, dass die Vier-Täler-Schule abgerissen wird. Doch wie es danach am Schul- und Kita-Standort Holthausen weitergeht, hängt davon ab, welche Räume für Kita, Grundschule, OGS-Betreuung und VHS neu geschaffen oder umgebaut werden. Im Bau- und Liegenschaftsausschuss gab es zur Überraschung der Verwaltung eine knappe Mehrheit für die teuerste von drei Varianten. Diese sieht nicht nur einen Abriss der Vier-Täler-Schule vor, sondern auch den der Grundschule. Danach würde ein Neubau nach heutigem Standard errichtet, in dem sowohl Kita als auch Grundschule untergebracht wären.

Ein Jahr später haben nun endlich die Bauarbeiten begonnen. Eine weitere „Baustelle“ hat sich allerdings am Kindergarten Holthausen aufgetan. Die Stadt Plettenberg bestätigte, dass die Leitungsstelle neu ausgeschrieben wird, da der Stelleninhaber gekündigt hat.
Der ursprünglich angedachten Kostenrahmen hat sich mittlerweile fast verdreifacht.

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