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Bestürzung bei der Polizei: „Kollegin hatte noch ihr ganzes Leben vor sich“

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Von: Georg Dickopf

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Lutz Kudera, Leiter der Polizeiwache Plettenberg, befestigt den Trauerflor an der Antenne eines Streifenwagens. Auch die Plettenberger Beamten sind schockiert von der Erschießung zweier Kollegen in Rheinland-Pfalz.
Lutz Kudera, Leiter der Polizeiwache Plettenberg, befestigt den Trauerflor an der Antenne eines Streifenwagens. Auch die Plettenberger Beamten sind schockiert von der Erschießung zweier Kollegen in Rheinland-Pfalz. © Dickopf

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizeibeamte im rheinland-pfälzischen Kusel im Rahmen einer Verkehrskontrolle ist die Betroffenheit bei den Kollegen im Märkischen Kreis groß.

Plettenberg - Ihre Anteilnahme zeigen sie auch durch Trauerflor an den Einsatzfahrzeugen und in den sozialen Medien.

Fassungslosigkeit herrschte am Mittwoch bei den Einsatzkräften der Polizeiwache Plettenberg. Die Streifenwagen fuhren dort wie auch an den anderen Polizeistationen im Kreis mit Trauerflor – in Erinnerung an die beiden jungen Polizeibeamten, die bei einer Verkehrskontrolle in Rheinland Pfalz durch tödliche Kopfschüsse ums Leben kamen.

„So etwas ist nur schwer nachzuvollziehen. Ich bin fassungslos“, sagt Lutz Kudera, der die Polizeiwache Plettenberg leitet. Unverständlich seien die Schüsse vor allem angesichts des nur geringen Strafmaßes, das die mutmaßlichen Wilderer erwartet hätte.

„Die junge Kollegin, die in den Kopf getroffen wurde, hatte noch ihr ganzes Leben vor sich – beruflich wie privat“, sagt Kudera.

Dass die von ihr unmittelbar vor den Schüssen entgegengenommenen Ausweispapiere die Täter überführten, sei nur ein schwacher Trost. Allerdings sei es sonst wahrscheinlich schwierig gewesen, die Täter zu ermitteln. Anders als bei den im Märkischen Kreis eingesetzten Streifenwagen verfügte das Zivilfahrzeug der Polizei in Rheinland-Pfalz über keine eingebaute Kamera.

Bei Verkehrskontrollen im heimischen Raum werde das Nummernschild nicht zwingend vor dem Einsatzbeginn an die Zentrale durchgegeben – doch die Kamera, die neuerdings auch zusätzlich im Heck des Polizeifahrzeugs montiert ist, zeichne die Einsätze auf.

Bei Fahrzeugkontrollen nähern sich die Polizeibeamten laut Kudera fast ausnahmslos von hinten, da man im umgekehrten Fall durch die Scheinwerfer geblendet sei und nicht sehen könne, was sich im Fahrzeuginneren abspiele.

Mulmiges Gefühl bei nächsten Kontrollen

Nach den tödlichen Schüssen auf die Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz sei es den Kollegen nicht zu verdenken, die nächsten Kontrollen mit einem mulmigen Gefühl durchzuführen.

Erschüttert zeigt man sich auch bei der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis. „Wir nehmen an dem Vorfall großen Anteil und haben es mit Entsetzen zur Kenntnis genommen“, sagt Lorenz Schlotmann, Pressesprecher der Polizei im MK. Der Anordnung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, mittels Trauerflor ihre Anteilnahme auch öffentlich zum Ausdruck zu bringen, seien die Kollegen gerne nachgekommen.

Vor allem bei Verkehrskontrollen oder auch bei einfachen Ruhestörungen könne die Situation laut Markus Neumann, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Kreisverband MK (DPolG), für die Beamten schnell brenzlig werden. „Solche Alltagssituationen sind für Polizisten meistens die gefährlichsten“, erklärt Neumann.

Bei dem Vorfall der getöteten Polizisten werden Erinnerungen an einem Einsatz in Lüdenscheid wach: 2013 hatte ein 17-Jähriger mit einer Armbrust auf einen Polizisten geschossen. Anschließend ging der junge Lüdenscheider mit einer Machete auf den Beamten los. Dennoch konnte er überwältigt werden. „Die Kollegen müssen täglich mit solchen Situationen umgehen“, sagt Neumann. Die Polizisten trugen bei diesem Einsatz aber eher leichte Verletzungen davon.

Gewalt gegen Polizisten im MK nehme zu

Die Gewalt gegen Polizisten nehme auch im MK zu. Neumann: „Beleidigungen, Drohungen und körperliche Auseinandersetzungen werden vor allem bei polizeilichen Maßnahmen immer häufiger. Kollegen werden zum Beispiel auch häufiger mit einem Messer bedroht.“ Doch nicht jede Situation müsse so eskalieren wie die am Montag in Kusel.

„Ob man da heil oder weniger heil rauskommt, ist aber oft unsicher. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es trotz guter Ausrüstung und Ausbildung nicht. Man ist immer angreifbar.“

Damit Polizisten solche Situationen so unbeschadet wie möglich überstehen, erhalten sie zahlreiche Schulungen. Das Verhalten bei Verkehrskontrolle, wie sie die beiden getöteten Polizisten in Kusel durchführten, gehört in NRW zur Grundausbildung.

„Zudem werden regelmäßig Einsatz- und Schießtrainings absolviert“, sagt Neumann auf Nachfrage der Redaktion. Je nach Dienststelle unterscheide sich die Häufigkeit. Laut Neumann erhalte jeder Polizist mindestens zweimal im Jahr ein solches Training.

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