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Bestattersorgen: Fehlendes Gas, steigende Preise und ausbleibende Zahlungen

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Von: Hartmut Damschen, Volker Griese

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Feuerbestattung in einem Krematorium
Eine Feuerbestattung in Lüdenscheid sei auch ohne Gas möglich. Dennoch hofft man hier, dass solche und andere Extremszenarien nicht eintreten werden. (Symbolfoto) © picture alliance / dpa

Was passiert, wenn Russland den Gashahn endgültig abdrehen wird? Diese viel diskutierte Frage stellt man sich auch bei der Feuerbestattung Sauerland, die in Lüdenscheid ansässig ist. Die Antwort: Eine Verbrennung Verstorbener wäre zwar weiter möglich, doch die Anlage müsste dann im Dauerbetrieb laufen. Doch Betriebsleiter Dennis Schönrath hofft, dass es nicht zu solchen oder ähnlichen Extremszenarien kommen wird.

Plettenberg/Werdohl ‒ Bereits jetzt spüre man allerdings die Auswirkungen der verknappten Gas-Lieferungen aus Russland. „Unser Gasversorger hat uns unseren Liefervertrag gekündigt. Daher mussten wir einen neuen Vertrag aushandeln“, erklärt Schönrath. Eine Anpassung der Preise habe die Feuerbestattung Sauerland noch nicht vorgenommen – noch nicht. Denn: „Uns wird nichts anderes übrig bleiben, zumal auch die gesperrte Rahmedetalbrücke der A 45 zusätzliche Kosten verursacht.“

Auf die Möglichkeit, irgendwann gar kein Gas mehr zu bekommen, habe sich die Feuerbestattung Sauerland bereits eingestellt. „Wir haben bei der Bundesnetzagentur angefragt, ob wir mit Problemen in der Gasversorgung zu rechnen hätten. Die Antwort war, dass wir nicht zu den Industriebetrieben gehören würden, die als erstes abgeschaltet würden“, sagt Schönrath.

Und wenn das Gas doch ausbliebe? „Dann werden wir von unseren drei Verbrennungsanlagen nur noch zwei oder eine betreiben“, erklärt Schönrath. Die müssten dann jedoch im Dauerbetrieb laufen. Gas würde dann nicht mehr benötigt. „Die notwendige Temperatur wird dann durch andauernde Einäscherungen erzeugt“, sagt Schönrath. Mit rund acht Tagen Vorlaufzeit bestünde genügend Zeit, um „die Hauptbrennkammer auf die für die Verbrennungen notwendige Temperatur von mindestens 700 Grad Celsius hochzufahren“. Die notwendige Temperatur würde dann durch die fortlaufende Verbrennung erzeugt und erhalten. „Auch die zur Reinhaltung der Abluft notwendige Funktion unserer Nachbrennkammer, in der das giftige Kohlenmonoxid verbrannt wird, bleibt durch den Dauerbetrieb erhalten“, erklärt Schönrath.

10.000 Verbrennungen pro Jahr

Auch in diesem Fall sei es laut dem Betriebsleiter möglich, die eindeutige Zuordnung der Asche den Angehörigen zu garantieren. „Der Vorgang würde sich nicht von denen unterscheiden, die jetzt laufen“, sagt Schönrath,

Und laut dem Betriebsleiter wäre es kein Problem, einen oder zwei Öfen in Dauerschleife laufen zu lassen: „Unser Einzugsbereich ist so groß, dass wir ungefähr 10.000 Verbrennungen per anno oder 800 bis 900 im Monat in Auftrag haben.“ Auch die Verstorbenen aus Werdohl, die zur Einäscherung bestimmt sind, werden in der Regel nach Lüdenscheid gebracht.

THK könnte Kühlzelte aufstellen

Um diese Menge an Verstorbenen auch aufnehmen zu können, würden die zwei vorhandenen Kühlhäuser ausreichen. Sollten die Todeszahlen aus welchen Gründen auch immer in die Höhe schießen oder die Verbrennungen nicht so schnell wie üblich durchgeführt werden können, müsste das Technische Hilfswerk (THW) zur Hilfe gerufen werden. „Das THW könnte zur Not Kühlzelte aufstellen“, sagt Schönrath. Ein unwahrscheinliches Szenario, denn: „Dann müssten durch eine hoffentlich nicht wieder ansteigende Todeszahl aufgrund der Pandemie mit einem Mal sehr viele Tote zu uns gebracht werden. Zudem müsste zeitgleich das Gas knapp werden“.

Bei der Feuerbestattung Sauerland habe das THW diese Hilfe bislang glücklicherweise nicht leisten müssen. „Aber ich weiß von einem solchen Fall in Deutschland“, sagt Schönrath.

Pietät bleibt oberste Maxime

Egal, ob das Gas knapp wird, oder ob die Todeszahlen rasant ansteigen werden – Schönrath versichert, das Pietät oberste Maxime sei: „Gerade bei unserer Tätigkeit ist ein würdevoller Umgang mit den Verstorbenen und ihren Hinterbliebenen nicht nur Selbstverpflichtung, sondern auch unsere oberste Zielsetzung“.

Dass derzeit die Preise in allen Bereichen steigen – auch in Beerdigungsinstituten – das wissen auch Volker und Steffi Crummenerl vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen in Plettenberg. „Die Rohstoffe sind durchweg teurer geworden. Daher ist eine Preiserhöhung in absehbarer Zeit unvermeidbar“, erklärte Steffi Crummenerl. „Selbst die Preise für das Holz eines einfachsten Einäscherungssarges haben angezogen. Außerdem sind die Kosten für die Überführung durch die höheren Spritpreise auf höherem Niveau, wie auch die Preise für die Mindestlöhne gestiegen sind“, ergänzte Volker Crummenerl.

Auch Dieter Eckardt, Bestatter in Werdohl-Eveking, berichtet von Preissteigerungen. „Särge sind um acht bis zwölf Prozent teurer geworden“, nennt er ein Beispiel. Weil er allerdings Särge in größeren Mengen einkaufe und auf ein entsprechendes Lager zurückgreifen könne, habe er die Preise bisher nicht erhöht. Auch gestiegene Kraftstoffpreise fange er derzeit noch auf. „Wie lange das noch geht, kann ich allerdings nicht sagen“, wagt er keine Prognose für die Zukunft. Mehr Sorge bereite ihm ohnehin eine andere Entwicklung: „Die Fälle, in denen Rechnungen nicht bezahlt werden, haben im vergangenen halben Jahr kolossal zugenommen.“

Feuerbestattung Sauerland

Die Feuerbestattung Sauerland GmbH betreibt das Lüdenscheider Krematorium in der Nähe des Autobahnkreuzes Lüdenscheid-Süd. Die Gesellschaft besteht aus zehn Bestattungsunternehmen aus dem Märkischen Kreis als Gesellschaftern, davon sind fünf Unternehmen aus dem Lennetal. Alle fünf sind auch Gründungsgesellschafter, Dieter Eckardt aus Werdohl ist zudem Prokurist der Gesellschaft. Zur Gesellschaft gehören Preikschat Bestattungen Werdohl mit Geschäftsführerin Doris Preikschat, das Altenaer Bestattungshaus Draheim mit den Geschäftsführern Rüdiger Hegenscheidt und Michael Schlieck, König Bestattungen Plettenberg mit Geschäftsführer Ralf König und das Beerdigungsinstitut Göhausen in Plettenberg mit den Geschäftsführern Udo und Frank Göhausen. Die Bestatter in der Gesellschaft hatten sich Jahre nach Gründung von ihrem geschäftsführenden Gesellschafter getrennt, der die Anlage verkaufen wollte. Seitdem haben die Gesellschafter selbst die Kontrolle über die GmbH.

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