Bestatter aus Plettenberg suchen händeringend nach Freiwilligen

Sargträger sterben aus

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Plettenberg - Zugegeben, über die Überschrift lässt sich streiten– aber nichts würde die Problematik aktuell besser beschreiben, als dieser Satz. Die Plettenberger Bestatter suchen händeringend nach Hilfsträgern bei Erdbestattungen, denn es gibt kaum noch Sargträger.

„Das ist ein Riesenthema in unserer Branche. Wir haben einfach kaum noch Leute, die bereit sind, die Särge zu tragen. Das Problem ist, dass die meisten, die für uns arbeiten schon sehr alt sind, also auch nicht mehr so ewig tragen können werden“, so Bestatter Frank Göhausen, der zu diesem Thema stellvertretend auch für die anderen Bestattungsunternehmen spricht. Der Mann vom Fach weiß genau, dass sein Unternehmen nicht das einzige in der Vier-Täler-Stadt ist, das mit dieser Problematik zu kämpfen hat. 

Trauer und Tod sind immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Dass eine Beerdigung nichts mit Freude und Spaß zu tun hat, ist klar – auch aus diesem Grund scheuen viele Menschen davor, als Sargträger aktiv zu werden. Es gibt aber auch noch viele andere Gründe, warum sich so weinige Menschen für diese Aufgabe finden lassen. „Sargträger sind Mangelware, das hat mehrere Gründe“, erklärt Frank Göhausen im Gespräch mit der Heimatzeitung. Er könne die Personen nicht als geringfügig Beschäftigte anstellen. Dazu müsse er alle von ihnen anmelden, was sich nicht lohne, da sie viel zu selten zum Einsatz kommen würden. „Mittlerweile sind zweidrittel der Bestattungen Feuerbestattungen, Erdbestattungen kommen seltener vor“, so der Bestatter.

 Nur noch weniger Angehörige wollten oder könnten sich um die Grabpflege kümmern, deshalb wählten die meisten Personen diese Alternative. Wenn dann jedoch eine Erdbestattung anstehe, würden er oder seine Mitarbeiter sich aus einem Pool von „Freiwilligen“ bedienen, der sich über Jahre aufgebaut habe. „Dann telefonieren wir alle Personen ab und hoffen, dass wir genug Leute zusammenbekommen“, so Göhausen dazu. 

Träger sollten zeitlich flexibel sein Sargträger müssen also zeitlich sehr flexibel sein, mit einem Vollzeitjob ist diese Nebentätigkeit kaum zu meistern. Deshalb böten meistens Rentner ihren Dienst an – junge Leute kämen aber nicht mehr nach. In den kleineren Ortschaften und Dörfern tragen Vereinskollegen, Nachbarn oder Bekannte die Särge. Das ist dort oft noch „Ehrensache,“ wie eine Umfrage ergibt. Man kenne sich – deshalb wolle man einander noch gerne „die letzte Ehre erweisen.“ In den Städte wird es, je nach Größe, immer anonymer, deshalb sei das Interesse auch geringer. „Ich würde mich sehr freuen, wenn gleich das Telefon klingelt und sich jemand bei mir meldet, der Interesse hat – auch Frauen sind erwünscht! Das ist nicht nur eine Aufgabe für Männer“, so Frank Göhausen. 

Die Situation in Plettenberg sei mittlerweile schon so problematisch, dass keine Erdbestattungen zeitgleich stattfinden könnten. Die Kirchen und Bestatter müssen sich untereinander absprechen, da es sonst einfach nicht genügend Leute gibt. Deshalb wäre ich sehr froh, wenn sich jemand melden würde – egal bei welchem Plettenberger Unternehmen“, so Göhausen. Das würde die Gesamtsituation für alle Beteiligten in Plettenberg ein Stück weit einfacher machen.

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