Gegen die Einsamkeit in Coronazeiten

Besondere Aktion lockt die Plettenberger an die Fenster, auf die Balkone und auf die Straße - mit Video

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Plettenberg -  Der Plettenberger Pierre Baltins bringt in diesen Tagen besondere Momente des Zusammenhalts nach Holthausen und sorgt so dafür, dass die Nachbarschaft an die Fenster und auf die Balkone kommt. 

Es ist Punkt 18 Uhr, als ein lautes Geräusch vom Haus Auf der Lied 52 durch das Elsetal schallt. Kling! Kling! Gitarrenspiel setzt ein, langsam wird die Melodie von Time To Wonder erkennbar. Im Nachbarhaus öffnet sich ein Dachfenster, zwei Köpfe lugen hinaus. Immer mehr Menschen betreten jetzt ihre Balkone oder stellen sich an die Bürgersteige, winken sich zu, zücken ihre Handys, schunkeln im Takt der Musik.

Es ist einer dieser Momente, in denen die Plettenberger trotz Coronavirus, trotz Kontaktsperren, trotz Abstandhalten, ein Zeichen für den Zusammenhalt senden.

Man kennt die Bilder aus Italien, die um die Welt gegangen sind. Menschen stehen auf ihren Balkonen, singen, spielen Instrumente, applaudieren einander. Jeder alleine, aber alle zusammen – so lautet das Motto der Spontankonzerte, die in Italien nur noch „Flashmob sonoro“ genannt werden, klingende Menschenaufläufe.

Ganz so emotional wie die Bilder aus Italien ist das Szenario an diesem Montagabend in Holthausen freilich noch nicht. Aber es ist der Anfang einer Welle, die durchaus auch durch Plettenberg schwappen könnte.

Derjenige, der den Stein in Holthausen ins Rollen gebracht hat, ist Pierre Baltins. Normalerweise steht der Gründer der Firma Prolight Plettenberg bei Veranstaltungen hinter den Kulissen und sorgt mit seinem Equipment für die passende Beschallung. In Zeiten der Corona-Pandemie, in denen auch Pierre Baltins keine Aufträge mehr bekommt, ist der Veranstaltungstechniker nun einem besonderen Aufruf gefolgt. Bundesweit sollte am Sonntagabend um 18 Uhr aus vielen deutschen Wohnzimmern, von Balkonen oder Terrassen Ludwig van Beethovens Ode an die Freude gespielt werden. Baltins rollte dafür einfach eine Lautsprecher-Box für eine Veranstaltung bis zu 500 Personen vor sein Haus, spielte um Punkt 18 Uhr die Sinfonie in voller Lautstärke vom Computer ab und hängte gleich noch den Beatles-Klassiker Let It Be hinten dran, „weil es zur Situation passte“, wie er sagt.

Was er währenddessen beobachtete, füllte ihn voller Optimismus: Nachbarn öffneten plötzlich ihre Fenster, traten vor ihre Haustüren, applaudierten und sprachen ihm über das Internet Worte des Dankes aus.

Also kündigte Pierre Baltins für Montag eine Wiederholung der Aktion an – und wieder kamen die Menschen zusammen, die Familien dicht an dicht, alle anderen mindestens im geforderten Abstand von zwei Metern zueinander, und sie wippten und sangen zu Time To Wonder und You’ll Never Walk Alone, das die Kernbotschaft der Aktion so wunderbar zusammenfasste: Ihr seid nicht alleine.

„Ich würde das am liebsten jeden Abend machen“, sagt Pierre Baltins, „aber ich finde es auch wichtig, dass die Leute zuhause bleiben.“ Deshalb möchte er es mit den Musikaktionen in Holthausen nicht überstrapazieren. Stattdessen will er „vielleicht irgendwo anders etwas ähnliches wiederholen“, wie er sagt. Irgendwo anders – damit meint er eine Fläche, von der die Musik vom Berg ins Tal schallen kann, um noch mehr Menschen zu erreichen. Die Sundhelle wäre so ein Ort. Oder das Grüner Schützenheim. Mal sehen, wohin es Baltins verschlägt.

Sollte es in Ihrer Nachbarschaft ähnliche Aktionen geben, die den Zusammenhalt stärken, lassen Sie es uns gerne per Email über st@mzv.net oder per Telefon über (0 23 91) 90 93 32 wissen. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

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