500 Dura-Klagen am Arbeitsgericht

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Etwa 500 Dura-Mitarbeiter haben Kündigungsschutzklagen eingereicht.

Das Ende der beiden Produktionsstandorte von Dura stellt das Arbeitsgericht Iserlohn vor große Herausforderungen: Etwa 500 Kündigungsschutzklagen von Mitarbeitern der beiden Unternehmensteile „Body & Glass“ und „Leisten und Blenden“ müssen die Arbeitsrichter an den beiden Standorten des Gerichts in Iserlohn und Lüdenscheid abarbeiten.

Die Zahl könne noch weiter steigen, erklärte Arbeitsgerichtsdirektorin Kirsti Bäcker auf Nachfrage unserer Zeitung. Die dreiwöchige Klagefrist nach den letzten Kündigungen am 17. Oktober sei noch nicht abgelaufen.

Als Rechtsanwalt des beklagten Unternehmens begründete Dr. Hagen Strippelmann noch einmal die Schließung: „Das Unternehmen hat in den letzten fünf Jahren Verluste in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren.“ Als weiteren Grund nannte der Anwalt die Brände in zwei Produktionsanlagen.

Finanzielle Abfindungen für die Entlassenen hatte er nicht im Gepäck. Dura sei aber bereit, ausgewählten Mitarbeitern, die schon früher aus dem Unternehmen ausscheiden, bis zum 30. April die Hälfte ihrer Bezüge weiter zu zahlen.

Einer der beiden Kläger, die zum Termin gekommen waren, lehnte diese „Sprinterprämie“ entschieden ab: „Da habe ich kein Interesse dran. Das lohnt sich nicht, da schneide ich mir ins eigene Fleisch.“ Seit 36 Jahren arbeite er im Unternehmen. Dura sei nach der Übernahme von den neuen Besitzern kaputtgemacht worden. Statt am Standort Plettenberg zu investieren, hätten die amerikanischen Eigentümer ein neues Werk in Mazedonien hochgezogen.

Ein erster Blick in die 15 Akten zeigt, dass viele Mitarbeiter schon seit den 80er Jahren für den Automobilzulieferer tätig waren. Bei den Berufsbildern geht es quer durch den Betrieb: Ein „Controlling Manager“ ist dabei, ein Presserei-Mitarbeiter, ein Anlagenmechaniker. Die meisten sind Produktionsmitarbeiter. Betriebsratsmitglieder sind dabei, deren Sonderkündigungsschutz nicht mehr viel zählt angesichts der umfassenden Betriebsstilllegung.

Auch das Argument einer fehlerhaften Sozialauswahl, mit dem die Kläger unter anderem ihre Klagen begründen, zieht in einer Situation, in der allen gekündigt wird, eher nicht.

Spannender dürften andere Punkte sein, die die Kläger zur Begründung anführen: Wurde der Betriebsrat vor der Schließung und vor den Kündigungen gemäß den gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen angehört? Und dann gibt es da noch den Paragraphen 17 des Kündigungsschutzgesetzes. Er verpflichtet Unternehmen, umfangreiche Entlassungen vorab der Agentur für Arbeit mitzuteilen. Das habe den Sinn, dass die Arbeitsvermittler sich frühzeitig auf die Situation einstellen können, erklärt die Direktorin des Arbeitsgerichts. Ob diese Vorabmitteilung fristgemäß erfolgt ist, wird das Gericht prüfen müssen.

Den meisten Klägern wurde auf der Grundlage einer sechsmonatigen Kündigungsfrist Ende September zum 30. April 2019 gekündigt. Einige Mitarbeiter hätten auch siebenmonatige Kündigungsfristen - ihre Kündigungen würden deshalb erst Ende Mai 2019 wirksam, erklärte Kirsti Bäcker.

Um die vielen Verfahren abzuarbeiten, wurden sie auf alle Kammern des Arbeitsgerichts verteilt. „Das ist für uns alle eine logistische Herausforderung, derart viele Fälle zu stemmen“, erklärte Arbeitsrichter Timo Mohr vom Standort Lüdenscheid.

Der erste Kammertermin, in dem deutlich werden dürfte, wo die Reise hingeht, findet am 17. Januar im Arbeitsgericht Iserlohn statt.

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