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Bericht über Flüchtlingssituation fällt anders aus: Das ist der Grund

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Von: Georg Dickopf

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Ob mit Hilfe der Bus-Brücke oder anderer privater Initiativen: In Plettenberg kommen derzeit immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine an.
Ob mit Hilfe der Bus-Brücke oder anderer privater Initiativen: In Plettenberg kommen derzeit immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine an. © BRODHUN

Die Plettenberger Sozialamtsleiterin Christiane Wilk gab in der Sitzung des Sozialausschusses einen Überblick zur Flüchtlingssituation, der anders als sonst ausfiel.

Plettenberg - „Eigentlich wollte ich über elf Flüchtlinge berichten, die wir ohne Bleibeperspektive im Januar registriert haben“, sagte Wilk. Zudem habe es im Februar Spätaussiedler aus Kasachstan geben. Doch dann sei in der Ukraine der Krieg ausgebrochen und es gab seitdem im März 108 aus dem Kriegsgebiet geflüchtete Personen. „Seitdem haben wir im Rathaus praktisch jeden Tag mit Flüchtlingen zu tun“, sagte Wilk. Alles in allem habe man im Plettenberger Meldeamt rund 250 Personen verzeichnet.

Als eine erste Maßnahme sei unter der Rufnummer 0 23 91 92 39 00 ein Ukraine-Telefon eingerichtet worden. Im kleinen Sitzungszimmer des Rathauses habe man eine Spielecke für die ukrainischen Kinder eingerichtet und nehme dort Beratungen vor. Zudem sei man dabei, städtischen Wohnraum herzurichten, wobei 95 Prozent der Ukrainer bislang in Gästezimmern und Privatwohnungen untergebracht worden seien.

„Die Flüchtlinge hier haben keine Residenzpflicht und können jederzeit ihren Wohnort wechseln“, betonte Wilk. Unter den Flüchtlingen seien viele Frauen und Kinder und ganz vereinzelt auch Männer sowie einige Behinderte und kranke Menschen. „Aber alle haben Papiere dabei. Das ist anders als bei der letzten Flüchtlingswelle und es wollen alle arbeiten. Das macht schon Spaß“, so Wilk zu der Arbeit, die angesichts einiger Coronausfälle zwar nicht leichter geworden sei, doch trotz der Mehrbelastung viel Freude bereite. „Wir machen, was wir können und versorgen die Menschen mit Wohnraum, Bargeld und anderen Dingen.“

Wie Bürgermeister Ulrich Schulte in dem Zusammenhang betonte, gehe das Land davon aus, dass eine noch größere Flüchtlingswelle als 2015/16 komme – „aber die kommt jetzt viel schneller“, so Schulte. Deshalb müsse man zusehen, viele Wohnungen zur Verfügung stellen zu können.

Doch auch einige Helfer geraten mittlerweile an ihre Grenzen. Schulte berichtete vom Anruf einer Plettenbergerin, die vor zwei Wochen fünf Ukrainer in ihrem Haus aufgenommen habe und die nun um Unterstützung bat. Ihr Mann schlafe seitdem auf dem Sofa, aber das gehe irgendwann auch nicht mehr.

Lobende Worte fand Schulte für die freiwillige Zusatzarbeit einiger Rathausmitarbeiter. Und auch die in Plettenberg sehr schnell gebildeten Willkommensklassen an der Martin-Luther-Schule und dem Gymnasium seien vorbildhaft. Anderswo sei man noch längst nicht so weit.

Auch Jürgen Beine (SPD) lobte die Stadtverwaltung. „Plettenberg kann auch unbürokratisch“, hob Beine die Art und Weise hervor, wie derzeit im Rathaus mit hochgekrempelten Armen geholfen werde.

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