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„Sind gut vernetzt“: Berufskolleg bietet auch für Quereinsteiger etwas

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Von: Stefanie Vieregge

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Für Lara Gerlach (links) und Leonie Hammer ist das GBBK ideal, um wohnortnah das Abitur ablegen zu können.
Für Lara Gerlach (links) und Leonie Hammer ist das GBBK ideal, um wohnortnah das Abitur ablegen zu können. © Privat

Beratungstag am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg an der Bredde

Plettenberg – Am Samstag öffnete das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg (GBBK) auf der Bredde seine Türen für den jährlich stattfindenden Beratungstag. In etwa 250 Gesprächen informierten sich interessierte Schüler über das umfangreiche Angebot und welche schulische Laufbahn für sie am Besten geeignet ist. Die Motivation, am heimischen GBBK den Schul- und Ausbildungsweg fortzusetzen, sind verschieden.

Denn das breit aufgestellte Konzept des Berufskollegs bietet alle gängigen Schulabschlüsse an, vom Hauptschulabschluss nach Klasse 9 bis zum Abitur. Je nach Wahl können diese mit dualen Systemen und praktischen Kursen aus verschiedenen beruflichen Bereichen erweitert werden. Dabei werden erste fachliche Kenntnisse vermittelt, zum Beispiel im Pflege- und Gesundheitswesen oder dem Friseur- und Kosmetikbereich.

Vertreter der Plettenberger Kindertageseinrichtungen stellten sich im Rahmen des GBBK-Beratungstages vor.
Vertreter der Plettenberger Kindertageseinrichtungen stellten sich im Rahmen des GBBK-Beratungstages vor. © Privat

Die praktischen Stunden fließen hier als normale Unterrichtsfächer in den Stundenplan ein. Sie ermöglichen den Schülern, ihren Abschluss aufzuwerten und eventuelle Schwächen in den anderen „theoretischen“ Fächern auszugleichen.

Der große Vorteil dieser Schulform zeigt sich jedoch erst nach dem Abschluss, wenn die Schüler in die Ausbildung starten: Durch ihre praktischen Vorkenntnisse heben sie sich von anderen Bewerbern ab, können die Ausbildung verkürzen und als voll ausgebildete Kräfte schneller in den Berufsalltag wechseln.

Andere wiederum starten mit dem Hauptschulabschluss und verlassen das Berufskolleg am Ende mit dem Abitur, gefolgt vom Studium. Karsten Meininghaus, Lehrer und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, erzählt von den über die Jahre bestehenden Kontakten zu ehemaligen Schülern und ihrer weiterhin andauernden Suche nach Unterstützung – heute in Form von Korrekturlesungen ihrer Bachelorarbeit. „Ich helfe ihnen gerne und freue mich sehr über das fortdauernde Vertrauen“, erklärt er lächelnd.

Ehemalige Schülerinnen waren auch am Samstag anwesend, allerdings auf der Seite des Arbeitgebers. Im Rahmen des Beratungstags fand eine kleine Berufsmesse statt, um beiden Seiten eine Plattform bieten, Kontakte knüpfen und eventuell ein Praktikum vereinbaren zu können.

Zu den Ausstellern gehörten verschiedene Einrichtungen wie private und städtische Kindertagesstätten oder das Zentrum für jugendliche Diabetiker. Letzteres stellten Samira Abbi (21 Jahre) und ihre Kollegin Michele Hielscher (31 Jahre) vor.

Abbi legte im Jahr 2020 ihr Fachabitur am Berufskolleg in Plettenberg ab. Hielscher absolvierte das Abitur bereits 2010 und bekleidet heute die Position der stellvertretenden Leitung. „Sie war Teil meiner ersten Abiturklasse“, erinnert sich Meininghaus, stolz an die Entwicklung seiner ehemaligen Schülerin.

Es war vielerorts ein großes Wiedersehen, immer begleitet von einer herzlichen Atmosphäre und der Erkenntnis, dass aus allen „etwas geworden ist“.

Nach dem Haupt- oder Realschulabschluss haben die Jugendlichen oft keine Ahnung, in welche Richtung sie gehen wollen, sind zu jung für Entscheidungen und brechen sogar die Schule ab. Gründe hierfür seien persönliche Probleme oder das familiäre Umfeld – sie kriegten die Kurve nicht. „Manche haben einen holperigen Start, müssen sich erst orientieren und ihren Weg finden“, erklärt Meininghaus weiter.

Samira Abbi (links) und Michele Hielscher vom Zentrum für jugendliche Diabetiker.
Samira Abbi (links) und Michele Hielscher vom Zentrum für jugendliche Diabetiker. © vieregge

Das Berufskolleg helfe und nehme die Schüler teils „an die Hand“. Außerdem seien zwei Schulsozialarbeiter vor Ort, die die Schüler in vielen Lebenslagen unterstützen, unter anderem auch bei bürokratischen Fragen und Anträgen, wenn nötig.

Es gibt viele Gründe, sich für eine schulische Ausbildung am Berufskolleg zu entscheiden. Für Lara Gerlach und Leonie Hammer (beide 15 Jahre) ist es die räumliche Nähe. Sie haben sich zum Abitur angemeldet, weil das Albert-Schweitzer-Gymnasium aufgrund der G8/G9 Umstellung in diesem Jahr keine externen Schüler aufnimmt. Sie müssten nach Lüdenscheid, Attendorn oder noch weiter fahren. So ist das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg eine wohlpositionierte Alternative.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Größe der Schule: Aktuell werden knapp 400 Schüler in sechzehn Klassen von etwa 30 Lehrern unterrichtet. „Wir sind untereinander gut vernetzt und haben damit kurze Abstimmungswege, vermitteln eine familiäre Atmosphäre“, erklärte Christine Bieker, die den fachlichen Bereich Körperpflege (Friseur und Kosmetik) betreut. Sie geht damit auf die Flexibilität der Schule ein, im Zweifel den Schülern einen Wechsel ihrer Laufbahn zu ermöglichen, wenn sie während der praktischen Unterrichtseinheiten oder im Praktikum selbst feststellen, dass der lang gehegte Berufswunsch doch nicht so ganz das Richtige für sie ist. Denn auch diese Erkenntnis spiele eine wichtige Rolle.

Dem kann Karsten Meininghaus nur zustimmen. „Ich habe ursprünglich eine Banklehre gemacht und bin erst danach Lehrer geworden – und habe es keinen Tag bereut.“

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