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Großes Unternehmen im MK: Millionen-Deal scheitert an diesem kleinen Teil

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Von: Georg Dickopf

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Auch dieser Leopard II-Kampfpanzer ist mit Kettenendverbindern (Pfeil) aus dem Hause STP unterwegs.	Foto: SCHULZE
Auch dieser Leopard II-Kampfpanzer ist mit Kettenendverbindern (Pfeil) aus dem Hause STP unterwegs. © Philipp Schulze

Chinesische Investoren wollten mit einem höheren zweistelligen Millionenbetrag in die Schmiede- und Werkzeugtechnik Plettenberg einsteigen. Deswegen scheiterte der Deal.

Plettenberg – Gut verdaut hat Dipl.-Ing. Cornel Müller als Geschäftsführender Gesellschafter der Schmiede- und Werkzeugtechnik Plettenberg den geplatzten Einstieg eines chinesischen Investors vor gut drei Jahren. Dass der Deal platzte, hatte vor allem mit dem Veto des Bundeswirtschaftsministeriums zu tun.

„Die Chinesen wollten mit 15 Millionen Euro Eigenkapital in Plettenberg einsteigen und 45 Millionen Euro investieren. Die Verträge waren unterschriftsreif“, erinnert sich Müller. Demnach war beabsichtigt, dass die börsennotierten Zhejiang Shuanghuan Driveline Machinery Co., Ltd mit Sitz in Hangzhou (China) 81 Prozent der im Familienbesitz befindlichen Anteile an der STP und den Tochtergesellschaften sowie der WTP erwirbt.

Zu den Tochterfirmen zählen Bearbeitungszentren in Tholey (Saarland) und Bad Emstal (Hessen). Doch dazu kam es nicht, denn letztlich habe das Bundeswirtschaftsministerium den Einstieg der Asiaten in Plettenberg untersagt.

Systemrelevant für Rüstungsindustrie

„Als Grund wurde angeführt, dass wir systemrelevant für die deutsche Rüstungsindustrie sind“, sagte Müller. „Wir waren nach deren Ansicht die einzigen, die dieses Teil herstellen können“, so Müller.

Bei dem „Teil“ handelt es sich um einen sogenannten Endverbinder – ein Teil der Kette eines Leopard II-Panzers, das seit über 30 Jahren nahezu unverändert im Sauerland produziert wird.

Die Stahlwerke Brüninghaus GmbH in Werdohl, die später in Krupp-Brüninghaus bzw. Brüninghaus Schmiede GmbH umbenannt wurde, schmiedete das wenig innovative Schmiedestück bereits seit den 60er Jahren, wie der einstige Mitarbeiter Friedrich Bathe weiß. In Werdohl habe man laut Bathe im Laufe der Zeit über 4 Millionen Löffelverbinder für die Kette des Leopard-Panzers geschmiedet. Als das Werk 1997 zerschlagen wurde, übernahm die Firma Plettac Umformtechnik 60 der über 600 Mitarbeiter. Ein Großteil der über 50 Schmiedepressen wurde ins Ausland verkauft. Die Presse für die Endverbinder und damit auch der Auftrag gingen jedoch an die Umformtechnik und schließlich an die Firma Schmiedetechnik Plettenberg über..

„Mit diesem Produkt generieren wir rund 1,5 Prozent Umsatz“, sagt STP-Chef Müller. Doch weil die deutsche Regierung unbedingt verhindern wollte, dass die Chinesen nach ihrem Einstieg Einblicke in den Produktionsprozess bekommen, platzte der Deal.

WTP-Mitarbeiter Thorsten Mertins bedient eine CNC-Großfräsmaschine, mit der bis zu 20 Tonnen schwere Teile für die Airbus-Produktion (hinten) gefertigt werden können.
WTP-Mitarbeiter Thorsten Mertins bedient eine CNC-Großfräsmaschine, mit der bis zu 20 Tonnen schwere Teile für die Airbus-Produktion (hinten) gefertigt werden können. © Dickopf

Doch auch ohne Geld der asiatischen Investoren wird nun von den Gesellschaftern in Plettenberg weiter investiert und auch Firmenzukäufe sind laut Müller denkbar. Eine Absage erteilt er Aufträgen für die Rüstungsindustrie, die Waffensysteme betreffen. „Ich hätte ein Problem damit, Teile für aktive Waffensysteme zu produzieren“, sagt Müller. Denkbar seien lediglich Bauteile für Fahrzeuge und Systeme, die der Verteidigung dienen, doch das sei kein Geschäftszweig, den man vorantreiben wolle.

Branche im Umbruch

Generell seien bei STP und WTP Produkte außerhalb der gerade im Umbruch befindlichen Automobilbranche sehr im Kommen, bestätigte Cornel Müller: „Wir entwickeln uns immer weiter weg von Produkten für Pkw und Lkw mit konventionellem Antriebsstrang.“ „Dennoch“, und das hob Müller hervor, „wird das letzte Pleuel, das irgendwo benötigt wird, bei uns gebaut werden. Da gilt für uns das Prinzip ‘Last man standing’. Wir haben diese Produkte über 40 Jahre gebaut. Das werfen wir nicht einfach weg“, stellte Müller klar.

In vielen anderen Bereichen werde man sich hingegen neu aufstellen, was bereits gut angelaufen sei. So baut man beispielsweise riesige Ketten, mit denen Offshore-Windparks auf rauer See am Meeresgrund befestigt werden.

Vorangetrieben wird der Schmiedebereich. So werde im vierten Quartal eine neue vollautomatische Pleuel- und Schmiedepresse in Betrieb genommen. Gut 9 Millionen Euro investiere man laut Müller in die 3 150 Tonnen-Presse der Firma Schuler. Dazu werde eine Firmenhalle erweitert und zusätzlich eine vollautomatische Pleuel-Prüflinie installiert.

„Alles in allem investieren wir rund 11,5 Millionen Euro am Standort Plettenberg“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter, der auch deshalb auf Bewerbungen von Auszubildenden sowie von gelernten Facharbeitern und auch von Werksstudenten hofft.

Ausbildungsleiter Björn Rapp (li.)  kümmert sich um die Betreuung und Ausbildung der Auszubildenden. Ab September werden neue Auszubildende bei der Schmiedetechnik und der Werkzeugtechnik gesucht.
Ausbildungsleiter Björn Rapp (li.) kümmert sich um die Betreuung und Ausbildung der Auszubildenden. Ab September werden neue Auszubildende bei der Schmiedetechnik und der Werkzeugtechnik gesucht. © STP

Nachwuchs gesucht: Extra-Prämien und übertariflicher Lohn für Auszubildende

Björn Rapp ist Ausbildungsleiter bei der Firma Werkzeugtechnik Plettenberg. Das Miteinander mit den derzeit fünf Auszubildenden ist ihm wichtig und auch gemeinschaftliche Ausflüge wie zuletzt in das Traktorenwerk von John Deere werden regelmäßig geplant. Der langjährige Mitarbeiter würde sich freuen, nach den Sommerferien neue Auszubildende begrüßen zu können.

„Mitbringen sollten sie ein gewisses Interesse und Talent in den Fächern Chemie, Physik und Mathe und vor allem Leidenschaft“, so Rapp. würden zum 1. September Zerspanungs- und Werkzeugmechaniker sowie im Schwesterwerk, der Schmiedetechnik Plettenberg (STP), noch zwei Elektroniker und zwei Mechatroniker. „Wir bilden aus, um die Leute zu behalten“, verdeutlichte Rapp. Alles seien Berufe, die hervorragende Perspektiven bieten würden.

Azubis werden gefördert

Auch Ausbildungsleiter Björn Rapp fühlt sich bei seinem Arbeitgeber gut aufgehoben. Die Mitarbeiter würden gefördert und Auszubildende, die im Schnitt übertariflich rund 1 000 Euro im ersten Ausbildungsjahr bekommen, könnten sich über Extraprämien bei guten Noten freuen.

„Wir zahlen übertarifliche Löhne, haben ein Anreizsystem und zahlen jungen Mitarbeitern auch einen Wohngeldzuschuss“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Cornel Müller. Derzeit plane man für die 40 Mitarbeiter, die von der A 45-Sperrung betroffen sind, eine Workstation in Hagen – sozusagen eine Art Zweitbüro.

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