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„Sehr wichtiges Instrument“: Bürgerfunk beim Blackout

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Von: Christos Christogeros

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CB-Funkgeräte könnten bei Ausfall des Stromnetzes und damit auch des Internet die Kommunikation weiter ermöglichen. In der Bedienung der Geräte ist jedoch Übung gefragt.
CB-Funkgeräte könnten bei Ausfall des Stromnetzes und damit auch des Internet die Kommunikation weiter ermöglichen. In der Bedienung der Geräte ist jedoch Übung gefragt. © ANSPAH/DPA

Spätestens mit dem Aufkommen der ersten Mobiltelefone endete die Hochzeit des CB-Funks. Nur noch eingefleischte Fans nutzten die Kommunikation über Wellen. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen und mit Blick auf einen möglichen Blackout erfährt der CB-Funk neuen Auftrieb – und wird auch von der Stadt Plettenberg empfohlen.

Plettenberg – „Ein CB-Funkgerät ist im Falle eines Blackouts ein hilfreiches Instrument, um in Kontakt mit anderen Personen zu treten. Man sollte damit aber umgehen können. Es lohnt sich folglich nicht, eines heute zu kaufen und im Notfall erst aus der Verpackung zu holen. Damit wird man eher zum Störfaktor für den Aufbau einer funktionierenden Funkkette. Dessen sollte man sich bewusst sein und sich vorher mit den Geräten und der Handhabung vertraut machen oder auf deren Anschaffung verzichten“, erklärt Hanno Grundmann, Pressesprecher der Stadt Plettenberg.

Diese Aussage kann Rolf G. Wilmink, Hobbyfunker aus Plettenberg, nur unterstreichen. „Was bei Freizeit und Sport ein nützliches Zubehör ist, kann in einem – hoffentlich nie eintretenden Notfall – zu einem sehr wichtigen Instrument werden“, sagt Wilmink. Breche das Stromnetz beispielsweise im Krisenfall oder bei Umweltkatastrophen zusammen, würden wortwörtlich alle Leitungen gekappt. Selbst Polizei und Feuerwehr würden bei einem längeren Stromausfall Funk-Probleme bekommen. Batteriebetriebene CB-Handfunkgeräte oder CB-Funkanlagen könnten dann die Lösung sein.

Mit einem CB-, Freenet- oder PMR-Funkgerät ließen sich in diesem Fall dennoch Verbindungen herstellen, zum Beispiel zu einem hilfsbedürftigen Nachbarn. „Auch bei Überschwemmungen, Sturm oder starkem Schneefall kann es nützlich sein, jemand in der Nähe zu sprechen. Dabei kosten die Geräte nicht viel“, sagt Wilmink. PMR-Handfunkgeräte, die auch von Wanderern, Skifahrern oder Radfahrern eingesetzt werden, lägen oft als Zweier-Set um die 35 Euro. „Wenig Geld also für Geräte, die in der Freizeit nützlich sind, im Notfall aber Hilfe herbeiholen können“, meint Wilmink.

Neue Entwicklungen beim Bürgerfunk

Dabei staunten die alten Funkhasen, was mittlerweile alles erlaubt sei: Waren es am Anfang nur zwölf Kanäle mit 0,5 Watt Sendeleistung in AM, so sind es heute 80 Kanäle mit vier Watt in AM und FM und zwölf Watt in SSB (Single Side Band). Somit seien viel größere Reichweiten als früher möglich, bei guten Ausbreitungsbedingungen sogar bis Italien oder nach Schottland von Plettenberg aus.

Neben dem CB-Funk gebe es mittlerweile zwei weitere Arten von Bürgerfunk: seit 1996 das „Freenet“ für Deutschland mit sechs Kanälen im Bereich 149 Megaherz und einem Watt Sendeleistung und seit 1999 das „PMR 446“ mit 16 Kanälen, 0,5 Watt Sendeleistung und europaweit nutzbar im Frequenzbereich 446 Megaherz (MHz).

„Auch in Plettenberg hört man wieder etwas“, sagt Wilmink. Auf CB (K.10) und im Freenet (K.3) träfen sich unter anderem mit den selbst gewählten Funknamen „Papa Echo“, „Schwarzer Panther“, „Der verrückte Professor“, „Hotel Echo“ „Delta Lima 9“ oder „Skylab“ die Funker und unterhalten sich über Technik, Tagesgeschehen, Staus und ähnliches.

Samstagabends gebe es auf dem CB-Kanal 15 sogar eine „NRW-Runde“ mit teilweise erstaunlichen Reichweiten. Einige Funker würden dazu sogar extra auf einen Berg fahren, um durch die Höhe größere Reichweiten zu erzielen. „In Plettenberg sind schon seit Jahren der Sonneborn und die Nordhelle Berge, die viele Funkkontakte versprechen“, erklärt Wilmink.

Doch Übung ist gefragt. Daher nahmen jetzt zwei Funker aus Plettenberg und einer aus Herscheid an der bundesweiten Notfunkübung teil. Hieran beteiligten sich 292 Amateur- und Hobbyfunker aus dem gesamten Bundesgebiet auf unterschiedlichen Frequenzen.

Aufgabe war, Informationen zu den gedachten Szenarien „Kraftwerk“ (Probleme in einem Atomkraftwerk), „Forschung“ (ein Krankheitserreger wurde freigesetzt) und „Silo“ (Unfall auf einem Raketensilo) weiterzuleiten, da Telefon, Funk, Internet, TV und Radio ausgefallen waren. „Eine Erkenntnis daraus war, dass Amateurfunker die größten Entfernungen überbrücken können, da diese über entsprechende Technik, Sendeleistung und Antennen verfügen“, erklärt Wilmink.

Nachfolgend war der CB-Funk, da hier von engagierten Hobbyfunkern meist aufwendige Feststationen in Betrieb seien. Von Plettenberg aus seien Verbindungen nach Lüdenscheid oder Grevenbrück möglich, die 80 zugelassenen Kanäle böten auch genug Spielraum Gruppen einzurichten.

Wilmink: „Vielleicht schlummert ja auch noch ein altes CB-Funkgerät bei Ihnen im Keller und wartet auf erneuten Einsatz?“

Der CB-Funk

Es war so um Mitte 1975, als in Deutschland die CB-Funkgeräte in Deutschland vom Bundesministerium der Post freigegeben wurden. CB steht dabei für „Citizens Band“, also Bürgerfunk, zunächst gebührenpflichtig, heutzutage anmelde-, lizenz- und gebührenfrei.

Schnell wurde die Möglichkeit von vielen Autofahrern in Anspruch genommen, die sich ein Funkgerät ins Auto einbauten. „In einer Zeit, an der an Handys noch lange nicht zu denken war, boten die Funkgeräte die Möglichkeit, sich für einen Treffpunkt – meist Maiplatz – zu verabreden, in einer fremden Stadt um Lotsenhilfe zu bitten (GPS gab es auch noch nicht) oder allgemein in einer Notlage oder Panne Hilfe anzufordern auf dem Notrufkanal“, erklärt Hobby-Funker Rolf G. Wilmink.

LKW-Fahrer nutzen schon lange den Funk, um sich auf den Autobahnen über Staus und ähnliches abzusprechen und in vielen amerikanischen Filmen wie „Convoy“ spielte die drahtlose Verbindung eine wichtige Rolle.

Mit dem Aufkommen der ersten Autotelefone im C-Netz 1985 (Monatsgebühr 120 DM) und später der Handys im D-Netz nahm die Bedeutung des CB-Funks wieder ab: Es war nun möglich, Personen in- oder außerhalb des Autos zu erreichen, auch wenn sie sich weiter weg befanden und nicht mehr wie früher im „Sendebereich“ waren. „Übrig blieben engagierte Hobbyfunker, die ihre abendlichen ,Quasselrunden‘ von Wohnzimmer zu Wohnzimmer nicht missen wollten und sich meist schon jahrelang kannten“, sagt Rolf G. Wilmink.

So wurde es ruhig um den CB-Funk – bis die Corona-Pandemie die Leute ins Haus verbannte. „So mancher nutzte die Gelegenheit, um mal wieder den Dachboden oder Keller zu entrümpeln und stieß dabei auf seine alten Funkgeräte“, erklärt Wilmink. Mehr und mehr Funker hätten sich auf den Wellen getroffen.

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