Wo Häuser ohne einen einzigen Grashalm rundherum stehen

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Im Menschel-Quartier in Plettenberg gibt es Häuser mit reichlich Grün und auch Grundstücke, auf denen viel gepflastert oder asphaltiert wurde. Eine Überarbeitung der 45 Jahre alten Begrünungssatzung der Stadt soll dies in Zukunft besser regeln.

Plettenberg – Aktuell sind die Grünen als Partei nicht mehr im Stadtrat vertreten, aber um „grüne“ Politik kümmern sich auch die etablierten Parteien. Nach der Obstbaum-Pflanzaktion von Uwe Meister (CDU) im letzten Jahr beantragt nun Martina Reinhold im Namen der SPD die Anlage von naturnahen Grünflächen, um damit auf den sich abzeichnenden Klimawandel zu reagieren.

„Uns schwebt eine grüne Stadt als Zukunftsmodell vor. Uns geht es aber vor allen um städtische Grünflächen im Stadtgebiet, die ein Vorbild für unsere Bürger sein könnten“, erklärte Reinhold im Planungs- und Umweltausschuss. Eine naturnah angelegte Grünfläche schaffe mehr Lebensqualität für Mensch und Tier und helfe, die Artenvielfalt zu erhalten, zumal viele Insekten vom Aussterben bedroht seien. Auf Flächen, die hierfür geeignet seien, könnten demnach „kleine Erholungsoasen“ geschaffen werden.

 „Wir können uns Thymian, Rosmarin, Lavendel und andere Gewächse vorstellen, die auch pädagogisch einen Nutzen haben könnten. Essbares in der Kommune anzupflanzen macht immer mehr Schule“, so Reinhold. In Verbindung mit einem im Rathaus ausgelegten Flyer könnte die Stadt an geeigneten Stellen mit einem guten Beispiel vorangehen und zeigen, was gemeint ist. Bei der Stadtverwaltung stießen die Sozialdemokraten damit grundsätzlich auf offene Ohren. 

Wie Bürgermeister Ulrich Schulte betonte, habe er sich bereits seit drei Jahren an vielen Stellen im Stadtgebiet für die Anlage von Wildblumenwiesen stark gemacht: ob vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium, im Bereich der Wohnsiedlung Burg und entlang des Bachlaufs Auf der Weide. Selbst auf dem Ohler und dem Holthauser Friedhof habe man sich „getraut“, Wildblumenweisen anzulegen. Zudem habe man an Grünstreifen im Bereich des Brockhauser Wegs, An der Lohmühle und am Parkhaus Brachtstraße Lavendel gepflanzt. Entlang der Radwege wurden zahlreiche Obstbäume gepflanzt. „Auf dem Radweg beschweren sich die Leute aber eher, wenn dort Obst auf dem Boden liegt, statt es sich selbst wegzunehmen, denn das ist durchaus erwünscht“, sagte Schulte, der befand, dass die Stadt diesbezüglich auf einem guten Weg sei, das Thema aber noch nicht stark propagiert werde. 

Da der Grünplan der Stadt aus dem Jahr 1975 stamme, sei es ratsam, einen aktualisierten Begrünungsplan zu erstellen. Darin soll auch das Thema Versiegelung eine größere Bedeutung bekommen. Als Negativbeispiel zeigte Planungsamtsleiter Till Hoffmann Bilder aus dem Wohnquartier Menschel an der Rittershausstraße: „Dort gibt es Grundstücke ohne einen Grashalm oder eine einzige Pflanze. Und die Leute wundern sich dann, dass es im Hochsommer unerträglich heiß wird.“ Normalerweise dürften maximal 80 Prozent einer Grundstücksfläche versiegelt werden. Doch das zu kontrollieren, sei auch ein Personalproblem. 

Die von der SPD ins Spiel gebrachte Qualitätssteigerung von Grünflächen werde man in jedem Fall anstreben. Die Idee von essbaren Bepflanzungen in der Nähe von Straßen bringe aber auch Probleme mit sich. Neben der aufwendigen Pflege könnten die Pflanzen auch schadstoffbelastet sein, wodurch die Stadt in Haftung geraten könne. Daher will man solche Pflanzen vornehmlich abseits größerer Verkehrswege anlegen. Bei Wildblumenwiesen sei zu klären, ob diese an Straßen, auf denen im Winter Salz gestreut werde, wachsen könne. Grundsätzlich sollen im Begrünungsplan verbindliche Regeln für die Stadt festgelegt werden, um damit als Vorbild auf private Grundstücksbesitzer Einfluss nehmen zu können. Auf keinen grünen Zweig kam man abschließend bei der von Martina Reinhold vorgeschlagenen Neubepflanzung eines Bereichs an der Einmündung Grafweg/Ziegelstraße. Hier sollen alternative Bepflanzungen nun aber noch einmal geprüft werden.

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