Info-Veranstaltung zur Sanierung der Innenstadt

43 Baumfällungen im Zentrum

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Nur drei der bisher neun Platanen sollen am Alten Markt erhalten bleiben. Insgesamt sollen 43 Bäume in der Plettenberger Innenstadt gefällt, 21 neu gepflanzt werden.

Ein Raunen ging durch den vollbesetzten Ratssaal, als Timo Herrmann, Geschäftsführer des Landschaftsbüros bbz, erklärte, dass im Rahmen der Innenstadtsanierung 43 Bäume gefällt werden sollen. Gemeinsam mit Marc Lucas Schulten vom Planungsbüro ssr stellte Herrmann die Entwurfspläne einem interessierten Publikum vor.

Die abzuholzenden Bäume seien „in weiten Teilen nicht mehr erhaltungswürdig“, erklärte Herrmann. Laut der Entwurfsplanung sollen 18 Bäume in der Innenstadt erhalten bleiben, 21 neu gepflanzt werden. Dabei handele es sich um Baumarten, die „hitzeverträglich und robust gegen Schädlinge seien.“ So sei für den Alten Markt die Abholzung von sechs der neun Platanen vorgesehen. Drei der Bäume sollen erhalten werden, und zwar hinter dem Stephansdachstuhl unmittelbar vor ‘Hörnchen Scheerer’. „Es tut uns leid, dass wir diese Bäume fällen werden, aber gestalterisch ist das einfach erforderlich“, sagte Herrmann. 

Der Dachstuhl sei derzeit einfach „zu stark eingepflanzt“. Am Kirchplatz sollen dagegen nur die Bäume gefällt werden, die den Blick auf die Kirche versperren würden. Darüber hinaus soll hier auch das Pflanzenbeet erneuert werden. „Wir wollen dort Stauden und keinen Efeu wie heute“, sagte Herrmann

. Lockere Haine sollen demnach rechts und links des Kirchenschiffes angelegt werden. „Der Raum muss großzügiger werden“, erklärte Herrmann. Neu zu pflanzende Bäume sollen hier aus der Gattung der Winterlinde stammen. Der Maiplatz besitze laut Herrmann derzeit nur „sehr wenig Platzcharakter“. 

17 Bäume sollen hier gefällt, drei erhalten und sechs neu gepflanzt werden. Hier sollen künftig Schnurbäume angepflanzt werden. In der Wilhelmstraße soll dagegen die Gleditschie zum Einsatz kommen, an der Verbindung zum P-Center soll die Stadtbirne angepflanzt werden. 

Komfortabler gehen auf gesägtem Stein 

Bei den Bodenbelägen für die Innenstadt stellte Herrmann gleich mehrere Varianten vor: So könnte das jetzige Pflaster aus gebrochenem Melaphyr erhalten werden. 

Herrmann sprach sich jedoch für einen Austausch des Belags aus, zumal nur noch 70 Prozent des jetzigen Pflasters noch verwendet werden könnten. Eine Variante sieht vor, dass gesägte Basaltsteine verlegt werden. Diese würden ebenso wie gesägter Granit, die dritte Variante, das Gehen deutlich komfortabler machen. „Wir werden wohl auch Testflächen anlegen, ehe die Ausschüsse entscheiden“, sagte Herrmann. Das Mobilitätsband mit Abfllussrinne soll aus Basaltlava bestehen. 

Auch für den Kirchplatz sei ein großformatiger, barrierefreier Bodenbelag vorgesehen. Am Umlauf sollen Treppen angelegt werden, die zum kleinen Vorplatz der Bäckerei führen werden. Auch seitlich soll der Vorplatz über Treppen vom Bürgersteig aus erreichbar sein.

Der Vorplatz soll etwas abgesenkt werden, um die Oester besser sehen zu können. „Von einer zweiten Lennepromenade kann hier aber definitiv nicht die Rede sein“, erklärte Bürgermeister Ulrich Schulte. 

Nur noch 13 Parkplätze am Maiplatz 

„Wir sind froh, dass die Stellplätze am Alten Markt erst einmal wegfallen sollen“, erklärte Herrmann. Die Planer des Landschaftsbüros hätten aber auch eine Variante mit Stellflächen entwickelt; diese würden sich dann an den Randbereichen des Platzes, unmittelbar vor der Bücherei und Samen Steinmann, befinden. Die Parkplätze am Kirchplatz sollen vollkommen entfallen, für die Diakonie sollen in der Nähe zehn Ersatz-Parkplätze geschaffen werden. 

Am Maiplatz sollen von den ehemals 33 Stellflächen nur noch 13 erhalten bleiben. Einige davon sollen direkt vor der Fassade des künftigen Modeparks angelegt werden. Herrmann wies darauf hin, dass die wegfallenden Parkplätze durch neue im Parkdeck Brachtstraße und dem Parkhaus Offenbornstraße ersetzt werden sollen. 

Die Parkplätze an der Neuen Straße würden erhalten bleiben, da es sich hier um ein Privatgrundstück handele. „Die Parkflächen könnten mit Nägeln oder mit einem andersfarbigen Pflasterbereich gekennzeichnet werden“, erklärte Herrmann. 

Bänke aus Holz, mit und ohne Lehne

 Um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern, sei vor allem auch die Anlage neuer Sitzbänke wichtig. So seien am Alten Markt Sitzbänke ohne Rückenlehne geplant – „für die Offenheit des Blicks“, wie Herrmann sagte. 

Am Kirchplatz sollen die Stauden eine Einfassung erhalten, die auch als Sitzbänke genutzt werden könnten. Diese Sitze sollen verschiedene Höhen besitzen. Am Maiplatz sollen dagegen sogenannte Doppelbänke mit Lehne installiert werden. Solche Bänke stehen etwas versetzt mit dem Rücken zueinander. Ähnliche Bänke sollen auch in der Wilhelmstraße Platz finden. 

Anstrahlen der Christuskirche 

Das Lichtkonzept sieht dagegen Fassadenstrahler an der Christuskirche vor. Auch eine Bodenbeleuchtung könnte hier beispielsweise unter der Einfassung angelegt werden. Das Planungsbüro habe einen Lichtplaner eingeschaltet, der Untersuchungen vorgenommen habe. Auch dieser spreche sich für die Anlage von LED-Lichtstelen in der Innenstadt als Ersatz für die Kugelleuchten aus. 

„Mit Zusatzmodulen können diese Stelen auch zum Anstrahlen von Fassaden genutzt werden“, erklärte Herrmann. Auch ein Wlan-Modul könne hier angebracht werden. Ein Wasserspiel, bestehend aus Düsen, soll am Maiplatz vor dem ehemaligen Postgebäude installiert werden. Ansonsten verzichte man auf die Anlage von weiteren Wasserspielen, denn diese seien laut Herrmann „teuer in der Anschaffung und im Unterhalt.“ 

Das Hochbeet vor dem Eiscafé soll definitiv wegfallen. Die Planer würden sich außerdem wünschen, dass der Pavillon des Eiscafés verschwindet und durch Sonnenschirme ersetzt wird. „Denn der Pavillon riegelt hier alles hermetisch ab“, sagte Herrmann. In der Wilhelmstraße soll der Vier-Täler-Brunnen erhalten, aber ‘befreit’ werden: Geplant sei, den Brunnen in eine Senke zu stellen und somit begehbar zu machen. Außerdem sollen in einigen Bereichen der Wilhelmstraße auch kleine Spielgeräte aufgestellt werden. 

Die Bücherbox und ‘Otto Maloche’ sollen definitiv erhalten bleiben, würden aber vielleicht ein wenig versetzt werden. Auch die Gedenkstele und das Beet für die Widerständler der ‘Weißen Rose’ sollen am Kirchplatz erhalten bleiben. Im gesamten Zentrum sollen die Stromkästen farblich an die Umgebung angepasst werden und Anschlüsse für Strom und Wasser unterirdisch verlegt werden. Damit würden die wenig ansehnlichen Kästen, die während Veranstaltungen in der Innenstadt aufgebaut werden müssten, entfallen. 

Die Mülleimereinhausung soll über Streckmetall erfolgen. Herrmann schätzte die Gesamtkosten auf rund 6,2 Millionen Euro. Vieles hänge aber von der Auswahl der Materialien ab. „Im Herbst werden die Detailplanungen beginnen, dann folgen die Ausschreibungen“, sagte Bürgermeister Schulte. 

Die ersten Maßnahmen könnten dann im Frühjahr kommenden Jahres starten. Moderator Marc Lucas Schulten, erklärte dabei, dass die Maßnahmen in vier Teilbereiche (Innenstadt, Kirchplatz, Maiplatz, Verbindung zum Mylaeus-Areal) unterteilt seien. Eine Reihenfolge stehe noch nicht fest. Wie Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier erklärte, würden die ersten Arbeiten aber wohl am Alten Markt durchgeführt werden. Hierfür gebe es bereits eine Förderbewilligung. 

In der anschließenden Diskussion gab es von den anwesenden Plettenbergern viel Lob, aber auch Kritik: Vor allem die Bepflanzung und das Fällen von 43 Bäumen im Zentrum stieß manchem Zuhörer sauer auf.

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