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Baubranche sei ein großer Umweltsünder: Ein Plettenberger möchte das ändern

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Von: Georg Dickopf

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Ein  Architekt aus Plettenberg hat diesen  Entwurf für eine nachhaltig gebaute Villa am Tanneneck in Plettenberg mitgestaltet
Ein Architekt aus Plettenberg hat diesen Entwurf für eine nachhaltig gebaute Villa am Tanneneck in Plettenberg mitgestaltet. © Bold Planung und Projekte GmbH

Das Tanneneck in Plettenberg ist ein beliebtes Ausflugsziel, denn dort kann man umgeben von der Natur einen tollen Blick auf die Vier-Täler-Stadt genießen.

Plettenberg - Im Tal herrscht reger Verkehr, während die grüne Oase am Waldrand zum Entspannen einlädt. Dieses Lebensgefühl, den Zusammenschluss aus Natur und einem modernen Stadtbild, soll nun auch in einem neuen, nachhaltigen Bauprojekt erlebbar gemacht werden. Das junge Planungsbüro Bold Planung + Projekte aus Münster arbeitet dazu mit dem Plettenberger Makler Ralf Beßler an einem ganz besonderen Konzept: „The View“ heißt das Projekt.

„Es soll den atemberaubenden Ausblick vom Neubaugebiet am Tanneneck durch moderne Architektur inszenieren und zugleich der Natur und der ganz eigenen Magie des Ortes gerecht werden“, sagt Robert Crummenerl, der in Plettenberg aufgewachsen ist und in Münster Architektur studiert hat.

Der Plettenberger Robert Crummenerl, Jan-Peter Franke aus Münster und Ruven-Vincent Meyer aus Meppen (von links) vom Architekturbüro Bold Planung + Projekte setzen sich für nachhaltige Bauprojekte ein, die möglichst ohne Kunststoffe und Styropor auskommen.
Der Plettenberger Robert Crummenerl, Jan-Peter Franke aus Münster und Ruven-Vincent Meyer aus Meppen (von links) vom Architekturbüro Bold Planung + Projekte setzen sich für nachhaltige Bauprojekte ein, die möglichst ohne Kunststoffe und Styropor auskommen. © Bold Planung und Projekte GmbH

Gemeinsam mit Jan-Peter Franke aus Münster und Ruven-Vincent Meyer aus Meppen gründete der 25-jährige Plettenberger das Architekturbüro Bold Planung + Projekte GmbH. „Wir drei machen uns für das nachhaltiges Bauen stark“, unterstreicht Crummenerl seine Ambitionen.

Plettenberg liegt ihm am Herzen

Das Tanneneck kenne er seit seiner Kindheit. „Auch deshalb liegt es mir am Herzen, dass dort etwas Vernünftiges entsteht“, findet der 25-Jährige. Und so erarbeitete das Trio einen Entwurf, mit dem sich die drei jungen Architekten für eine nachhaltigere Baukultur stark machen: „Wer baut, muss der Natur etwas zurückgeben“, sagen sie oft.

Blick von der The View-Villa auf Plettenberg. Die Bebauung ist symbolhaft dargestellt.
Blick von der The View-Villa auf Plettenberg. Die Bebauung ist symbolhaft dargestellt. © Bold Planung und Projekte GmbH

Für das Team ist das Tanneneck ein ganz besonderer Ort: „Viele Plettenberger haben hier in ihrer Kindheit und Jugend viel Zeit verbracht, mit Schlittenfahren oder langen, warmen Sommerabenden. Das Tanneneck soll seine Schönheit behalten, das ist für uns eine absolute Herzensangelegenheit“.

Der Entwurf für das Projekt entspricht diesem Wunsch und soll für weitere Bauvorhaben, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, durchaus als zukunftsweisende Vorlage betrachtet werden.

Villa eingebettet in die Landschaft

Der Entwurf zeigt eine Villa, die eingebettet in die Natur mit der Landschaft und der Umgebung verschmelzen soll. Die großen, wärmeisolierten Fenster erfüllen eine Doppelfunktion, indem sie sowohl den Ausblick auf das Tal einrahmen, als auch die Natur in das Gebäude hineinlassen.

„Das gesamte Projekt beruht auf natürlichen Materialien“, sagt Jan-Peter Franke. Damit würdige man zum einen den Ort und minimiere zum anderen die Schadstoffbelastung für die zukünftigen Bewohner. Wie Ruven-Vincent Meyer erklärte, wird beispielsweise anstatt herkömmlicher Fundamente eine aufgeständerte Bauweise eingesetzt, die den Boden rund um das Haus kaum noch versiegelt.

Freunde bei Tiefbauunternehmen machen sich die drei damit wahrscheinlich nicht, denn sie verzichten auf einen massiven Erdaushub und mächtige Bodenplatten.

Mit ihrem Ansatz wollen die jungen Unternehmer nicht mehr nur den Menschen in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem sein Zusammenspiel mit der Natur. „Wir setzen dabei voll auf natürliche Materialien und nicht auf Kunststoffe oder Styropordämmplatten, die irgendwann in der Zukunft zum teuren Sondermüll werden“, sagt Crummenerl, der findet, dass die Baubranche zu den größten Umweltsündern zählt. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es auch anders geht“, betont der Plettenberger.

Etwas höhere Errichtungskosten

Noch dazu sei die Pfahlbauweise, auf die man bei dem Projekt „The View“ setzt, jahrhundertelang bewährt. Ganz Venedig bestehe beispielsweise aus hölzernen Pfahlbauten.

Die Errichtungskosten für die geplante 180-Quadratmeter-Villa seien zwar aufgrund der Holzpreise möglicherweise derzeit etwas höher, doch dafür entlaste man das Budget durch niedrige Unterhaltskosten.

Zum nachhaltigen Konzept würden je nach Wunsch auch eine Dachbegrünung, Photovoltaikanlagen und eine natürliche Regenwasserversickerung zählen.

Vision im Einklang mit der Natur

Gemeinsam mit Ralf Beßler möchten sie nun einen geeigneten Bauherren für ihre Vision finden – dort oder anderswo – aber immer im Einklang mit der Natur.

Zusammen betreiben die drei neben dem Planungsbüro auch den YouTube-Kanal „Architekt von Morgen“. Sie nutzen die Plattform, um gerade neuen Bauherren die Möglichkeiten und Chancen einer nachhaltigen Baukultur nahezubringen und zu erklären. Zudem geben sie angehenden Architekturstudenten wertvolle Tipps.

Für Robert Crummenerl war immer klar, dass er nach seinem Architektur-Studium unbedingt auch ein Projekt für seine Heimatstadt Plettenberg machen wollte. „Wenn man in einer Stadt aufwächst, verbindet man sich mit den Ecken und Enden, den Wegen und Wäldern auf eine ganz besondere Weise. Diese Chance zu bekommen, ist einmalig.“

Eigener YouTube-Kanal

Die drei Architekten freuen sich über Rückfragen. Nähere Infos zur Arbeit des Trios findet man unter https://www.bold-projekte.com/ oder im YouTube-Kanal, https://youtube.com/c/architektvonmorgen

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