Mehrere Straßen gesperrt

Kritik an Innenstadtsanierung: „Da werden Sandkastenspiele veranstaltet“

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Bauabsperrungen an gleich drei Zugängen zur Fußgängerzone.

Plettenberg – Bei der Innenstadtsanierung wird derzeit in mehreren Straßen parallel gearbeitet, die dazu auch abgesperrt sind. Doch was aus Sicht der Verwaltung der Beschleunigung der Baumaßnahme dient und im Vorfeld auch kommuniziert wurde, wird von manchen auch als Ärgernis empfunden.

Paul-Marius Spreemann, Inhaber des Wohn- und Geschenkartikelgeschäfts Inspiration und als Vertreter des Einzelhandels auch im Vorstand des Stadtmarketings, hat die Baustelle zwar in diesem Jahr noch nicht vor seiner Haustür, aber die Art und Weise, wie bei der Innenstadtsanierung vorgegangen wird, kritisiert er aufs Schärfste. „Die Arbeiten da unten sind absolut unprofessionell – von der Planung bis zur Ausführung“, sagt Spreemann. „Mittlerweile ist die dritte Straße gesperrt.“

Paralleles Arbeiten als Beschleunigung

Die Absperrungen an der Graf-Dietrich-Straße zur Offenborn- und Zimmerstraße hin, die eigentlich schon vorletzte Woche entfernt werden sollten, riegeln den nahezu fertiggestellten Bereich nach wie vor ab. Parallel dazu sind nun auch die Wilhelmstraße und die Neue Straße für die dort laufenden Baumaßnahmen abgesperrt.

Der Eingang zur Innenstadt sei von dort zum Teil gar nicht mehr möglich, sagt Spreemann. Seiner Meinung nach hätte die Stadt erst die Baumaßnahme in einer Straße abschließen sollen, ehe sie sich die nächste Straße vornimmt. Stattdessen habe man nun eine zweite und dritte Straße aufgerissen, kritisiert Spreemann.

Tatsächlich wurden die Arbeiten an der Graf-Dietrich-Straße in der letzten Novemberwoche abgeschlossen, wie Sebastian Jülich, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, klarstellt. Die Firma Boymann habe die Arbeiten in der vergangenen Woche fertiggestellt.

„Es fehlte noch ein Stück Pflaster an dem Übergang zum Umlauf beziehungsweise zur Zimmerstraße“, teilt Jülich mit. Bis auf diesen Bereich sei die Straße schon länger offen gewesen. In der ersten Dezemberwoche werde die Firma die Absperrschranken so entfernen beziehungsweise umbauen, dass die Straße wieder zugänglich sei.

Für den Pkw-Verkehr werde die Straße nicht freigegeben, da sich das Fugenmaterial des Pflasters noch setzen müsse und dabei laufend nachgefugt werde. „Das ist erforderlich, damit die Pflasterdecke die erforderliche Stabilität bekommt“, erklärt der Bauamtsleiter: „Sind die Fugen voll verfugt, kann auch der Lieferverkehr in der Straße wieder freigegeben werden. Eine Durchfahrt zum Alter Markt wird aber nicht möglich sein.“

Dass in mehreren – in der Regel zwei – Straßen parallel gearbeitet wird, hat laut Jülich praktische Gründe. So könnten die Mitarbeiter der Firma Boymann je nach Arbeitsfortschritt von einer Straße nahtlos in die andere Straße wechseln. „So wird verhindert, dass ein Teil der Mitarbeiter warten muss, bis der andere Teil Vorarbeiten erledigt hat. Insgesamt wird dadurch der Gesamtablauf der Baumaßnahme beschleunigt“, teilt der Bauamtsleiter mit.

In der Wilhelmstraße werde jetzt gearbeitet, damit die Arbeiten dort zum kommenden Frühjahr fertig sind, wenn in dem Bereich wieder die Außengastronomie eingerichtet wird. „Das ist auch der Grund, warum man dort auch erst im November begonnen hat. Die Außengastronomie sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden“, so Jülich.

Kritik übt Einzelhändler Spreemann auch am Arbeitstempo. Aus seiner Sicht geht es viel zu langsam voran. „Da werden Sandkastenspiele veranstaltet“, sagt er und meint damit, dass nur ein kleiner Bautrupp im Einsatz sei. „Ich sehe da immer nur drei bis vier Leute arbeiten.“

Forderung nach höherem Tempo

Und das auch nur bis Donnerstagabend; Freitag und Samstag stehe die Baustelle still. Aus Spreemanns Sicht wäre es aber auch möglich, mit einer größeren Baukolonne in anderthalb bis zwei Schichten von Montagmorgen bis Samstagmittag zu arbeiten. „Ich verstehe nicht, dass man so eine Baustelle nicht aggressiv und schnell durchzieht, um die Belastung so gering wie möglich zu halten“, sagt Spreemann.

Den Vorwurf, dass zu wenige Arbeitskräfte auf der Baustelle tätig seien, weist Jülich zurück. Durch die parallelen Arbeiten in mehreren Straßen könne der Eindruck entstehen, dass nicht so viel Personal auf der Baustelle ist. In der vergangenen Woche seien beispielsweise neun Personen vor Ort gewesen, nämlich Personal der Firma Boymann sowie der Nachunternehmer für die Pflasterarbeiten. Dazu komme ein passender Maschinenpark.

Für die aktuell anstehenden Arbeiten sei das angemessen, erklärt Jülich: „Gerade in den kleineren Nebenstraßen kann ich, je nachdem, welche Arbeiten zu erledigen sind, aufgrund der Enge auch nicht mehr Personal einsetzen. Wenn zum Beispiel Baugruben für die Herstellung der Kanalanschlüsse geöffnet sind, kann an zwei bis drei Stellen parallel gearbeitet werden. Mehr geht da nicht, weil man sich sonst auf der Baustelle nicht mehr bewegen kann.“

Längere Arbeitszeiten seien nicht möglich, erklärt Jülich. Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verteile die Firma Boymann auf vier statt fünf Tage. „Dafür wird an diesen Tagen deutlich länger gearbeitet als normal. Das hat den Vorteil, dass durch den Entfall von Rüstzeiten deutlich effektiver gearbeitet werden kann als an fünf Tagen.“

Am Freitag und Samstag werde nicht gearbeitet, um Störungen für die Anlieger zu minimieren. Das spreche auch gegen den Zweischichtbetrieb. Ein solcher würde bedeuten, dass auch zu vorgegebenen Ruhezeiten gearbeitet würde und es somit zu Belästigungen der Anlieger komme.

Spreemann macht sich unterdessen Gedanken, wie sich der weitere Verlauf der Innenstadtsanierung auswirkt. Er macht sich bereits Sorgen um das Weihnachtsgeschäft im kommenden Jahr. Es werde zu wenig mit den Anliegern gesprochen, sagt er.

Auch das weist Bauamtsleiter Jülich zurück. Innenstadtmanagement und KulTour GmbH hielten Kontakt zu den Geschäftsleuten. Zudem habe es verschiedene Gespräche gegeben, bei denen die geplanten Arbeiten und der Bauablauf vorgestellt wurden. Vertreter des Bauamts und der Baufirma seien täglich auf der Baustelle unterwegs und ansprechbar. So gelinge es, Zugänge zu den Geschäften immer frei zu halten; auch Laufmatten würden ausgelegt. Es gebe aber durchaus auch unterschiedliche Interessen der einzelnen Anlieger. Man versuche aber, allen gerecht zu werden, so Jülich abschließend.

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