„Wir sind auch alle Bürger dieser Stadt“

Bäume: FDP-Antrag zu Verzicht auf Gutachten zugestimmt

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FDP-Fraktionsvorsitzender Carsten Hellwig wies den Vorwurf von sich, man würde undemokratisch agieren.  

Plettenberg - Ein großes Thema in der Ratssitzung am Dienstagabend war – wie sollte es auch anders sein – die mögliche Baumfällung am Alten Markt im Zuge des ISEK, die schon seit Wochen für geteilte Meinungen in der Bürgerschaft sorgt. 

Die FDP-Fraktion hatte einen Antrag an den Bürgermeister und den Rat gestellt, in dem die Fraktionsmitglieder forderten, auf ein Gutachten zur Fällung der Bäume am Alten Markt zu verzichten. „Egal was bei dem Gutachten herauskommt, aufgeben will die Initiative Stadtbäume keinen einzigen Baum, was gewinnen wir also mit dem Gutachten?“, heißt es von Seiten der FDP. 

Mit dem Geld könne man Sinnvolleres zur Neugestaltung der Innenstadt beitragen, teilte man mit (wir berichteten). Eine Bürgerin hatte in der Einwohnerfragestunde am Dienstag daraufhin die „Demokratie“ bezüglich der Debatte in Frage gestellt. Sie warf den Ratsmitgliedern am Dienstagabend indirekt „Verschwörungstheorien“ vor, der Rat würde schließlich sowieso entscheiden, dass die Bäume fallen sollen – so in etwa formulierte sie sinngemäß ihre drei Fragen. 

Fraktionsvorsitzender Carsten Hellwig (FDP) bezog schließlich, als das Thema an der Reihe war, Stellung zu den Vorwürfen: „Wir sind in keinster Weise undemokratisch in diesem Punkt vorgegangen. Wir haben uns jeden einzelnen Baum angesehen. Mit gefällt das absolut nicht, was Sie uns jetzt hier vorwerfen, denn wir haben uns sehr bemüht, die Bürger mit ins Boot zu holen“, sprach er die Bürgerin direkt an. Auch unter den CDU-Mitgliedern habe man den FDP-Antrag kontrovers diskutiert. Heiko Hillert erklärte: „Die Mehrheit der Mitglieder folgt dem Antrag. Ich bin der Meinung, dass wir uns allgemein viel zu oft hinter sämtlichen Gutachten verstecken und viel zu viel diskutieren. Das heißt aber auch nicht, dass mir die Bäume generell egal sind“. 

Wolfgang Schrader von der SPD sah das etwas anders: „Es darf uns niemals lästig sein, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dennoch kann eine Bürgerbeteiligung auch immer Fluch und Segen zugleich sein – es ist nie einfach, einen Kompromiss zu finden. Wir stimmen dem Antrag ebenfalls zu, was jedoch nicht heißen soll, dass an der Stelle am Alten Markt nichts Neues gepflanzt werden soll, wenn die Bäume gefällt werden. Eines möchte ich aber auch noch einmal klarstellen – es wird niemals eine Verschwörung gegen die Bürger geben, denn Eines dürfen Sie alle auch nicht vergessen: Wir Ratsmitglieder sind auch alle Bürger dieser Stadt“, appellierte er in die Richtung der Gäste. 

Diethardt Küppers war anderer Meinung. Er sprach sich für ein Gutachten zur Fällung der Bäume aus: „Danach können wir immer noch entscheiden“ sagte er. Klaus Ising (CDU) erinnerte: „Der Bürgermeister forderte das Gutachten. Deshalb sollte man auch zu seinem Wort stehen und das geforderte Gutachten erstellen lassen.“ Daraufhin warf Ulrich Schulte ein: „Ich habe nicht gesagt, dass ich das Gutachten will, aber ich habe es zugelassen und akzeptiert. Ich stehe auch zu meinem Wort. 

Deshalb stehe ich bei dieser Abstimmung ein bisschen zwischen den Stühlen und werde mich in diesem Punkt enthalten“, so der Bürgermeister. Bei der anschließenden Abstimmung gab es schließlich vier Gegenstimmen und eine Enthaltung. Der Rest des Rates sprach sich für den Verzicht eines Gutachters aus, was der eindeutigen Mehrheit entsprach. 

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