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Zug erfasst Auto: Bundespolizei schildert den Unfallhergang

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Von: Tobias Lawatzki

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Unfall auf Bahnübergang in Plettenberg-Ohle
Der Regionalzug erfasste den Pkw und schob ihn fast zwei hundert Meter weit vor sich her. © Tony Meyer

Auf einem Bahnübergang in Plettenberg-Ohle sind ein Autofahrer und sein Beifahrer knapp einem noch schwereren Unfall entkommen. Der Motor seines Wagens war ausgegangen, kurz darauf kam schon ein Zug.

Plettenberg - Ein Pkw ist am Samstagabend von einem Zug erfasst worden. Der Wagen wurde dabei von einem Bahnübergang im Plettenberger Ortsteil Ohle fast 200 Meter mitgeschleift.

Die beiden Insassen konnten noch rechtzeitig fliehen, verletzt wurde deshalb niemand. Nach ersten Angaben der Polizei war wohl der Motor des Wagens ausgerechnet auf dem Bahnübergang ausgegangen.

Kurz darauf kam schon ein Zug der Regionalbahn-Linie 91 zwischen Siegen und Hagen angerollt. Der Zug erfasste daraufhin den Wagen und schob ihn vor sich her.

Unfall an Bahnübergang: Zugverkehr eingeschränkt

Nach Angaben der Bundespolizei wollten ein 35-jähriger Fahrer und sein Beifahrer (34 Jahre) in dem Wagen den Bahnübergang überqueren, dabei sei das Fahrzeug ins Schleudern geraten und parallel zu den Gleisen zum Stehen gekommen. Mehrere Versuche, das Fahrzeug wieder in Betrieb zu nehmen, schlugen fehl.

Daraufhin versuchten die beiden Männer aus Plettenberg und Herscheid (syrische Staatsbürger) noch, das Auto von den Gleisen zu schieben, doch auch dies ohne Erfolg. Sie baten zwei Passantinnen um Hilfe, doch auch mit vereinten Kräften ließ sich das Fahrzeug nicht bewegen.

Der Zug war in Richtung Siegen unterwegs und kam 200 Meter nachdem der Pkw am Bahnübergang erfasst worden war zum Stehen.
Der Zug war in Richtung Siegen unterwegs und kam 200 Meter nachdem der Pkw am Bahnübergang erfasst worden war zum Stehen. © Foto: Meyer

Plötzlich habe sich die Schrankenanlage gesenkt und ein Zug näherte sich. Daraufhin verließen die Männer und die Frauen den Gleisbereich schnellstmöglich. Fahrer und Beifahrer versuchten noch, den Triebfahrzeugführer zu warnen.

Der 40-jährige Triebfahrzeugführer gab an, dass er während der Fahrt zwei Personen wahrgenommen habe, die wild gestikulierten. Daraufhin habe er die Schnellbremsung eingeleitet, doch aufgrund der hohen Geschwindigkeit konnte eine Kollision nicht mehr vermieden werden.

Dramatische Szenen: Augenzeuginnen hören Hilferufe der Fahrer

Die beiden Augenzeuginnen (18 und 21 Jahre alt) seien zufällig in der Nähe gewesen, als sie die beiden Männer um Hilfe rufen hörten. Sie seien sofort zum Bahnübergang geeilt und setzten zeitgleich einen Notruf ab. Doch auch mit ihrer Hilfe ließ sich das Fahrzeug nicht bewegen: Die Regionalbahn erfasste den Wagen und schob diesen etwa 200 Meter vor sich her..

Die alarmierte Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle zunächst großflächig aus. Nachdem sichergestellt war, dass die Strecke gesperrt war, konnte der Rettungsdienst die neun Fahrgäste im Zug und den Triebfahrzeugführer untersuchen.

Schwerwiegende Verletzungen lagen nicht vor, sodass keine Personen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Auch die PKW-Insassen waren unverletzt. Alle Fahrgäste im Zug verblieben im Zug und wurden betreut. Eine etwaige Evakuierung der Fahrgäste
planten die Einsatzkräfte zunächst, dies musste nicht mehr durchgeführt werden.

„Da waren mehrere Schutzengel zugleich vor Ort“, lautete das Fazit der Feuerwehr. Angesichts der Beschädigungen des Unfallfahrzeugs wurde deutlich, dass etwaige Insassen sehr schwere Verletzungen davon getragen hätten.

Nach Rücksprache mit dem Notfallmanager der Deutschen Bahn, übernahm die Feuerwehr die Bergung des völlig zerstörten Autos, das noch unter der Front des Triebfahrzeugs klemmte. Mit Hilfe der Seilwinde des Rüstwagens zogen die Einsatzkräfte das Unfallfahrzeug von den Gleisen. Zum Ausschluss eines Brandes stellte die Feuerwehr den Brandschutz sicher und klemmte die Batterie des Unfallfahrzeugs ab.

Im Anschluss daran inspizierte ein Techniker den Zug. Er stellte fest, dass der Zug eigenständig weiterfahren konnte. Nach einem weiteren Check fuhr der Zug in den Bahnhof Plettenberg, von wo aus der Weitertransport der Fahrgäste erfolgte. Der Triebfahrzeugführer wurde an der Einsatzstelle durch einen Kollegen abgelöst.

Mit Hilfe der Seilwinde des Rüstwagens zogen die Einsatzkräfte der Feuerwehr das Unfallfahrzeug von den Gleisen.
Mit Hilfe der Seilwinde des Rüstwagens zogen die Einsatzkräfte der Feuerwehr das Unfallfahrzeug von den Gleisen. © Foto: Feuerwehr

Damit konnten die Rettungskräfte abrücken. Im Einsatz waren die Feuerwache Plettenberg, die Löschgruppen Ohle und Eiringhausen, der Rettungsdienst MK, die Bundespolizei Hagen, ein Notfallmanager der Deutschen Bahn und ein Abschleppunternehmer.

Nach knapp zwei Stunden konnte die Streckensperrung aufgehoben werden. Durch den Vorfall verspäteten sich neun nachfolgende Züge um 270 Minuten, sieben Züge fielen aus und vier Züge konnten ihre Fahrt, nicht wie geplant durchführen.

Wie bei Bahnunfällen üblich leitete die Bundespolizei ein Ermittlungsverfahren wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ein. In dessen Verlauf soll untersucht werden, warum der Wagen nicht mehr starten konnte und wie hoch die Schadenssumme ist.

Der Bahnübergang an der Nordstraße soll ohnehin bald aufgehoben werden. Auf Höhe des Aldi-Marktes entsteht eine neue Straßenbrücke.

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