Schwerer Start für Azubis

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Ricardo Langer (vorne links) und Silas Noah Arnold (vorne rechts) erlebten gestern ihren ersten Arbeitstag als Auszubildende der Firma Teckentrup. Begrüßt wurden sie von (hinten von links) Geschäftsführer Thomas Volborth, Personalleiterin Heike Lohmann und Ausbildungsleiter Dirk Hallas.

Plettenberg - Der Start ins Berufsleben läuft für viele junge Menschen durch die Corona-Pandemie völlig anders als geplant. Es gibt Unsicherheiten unter den Azubis – nicht nur unter den Neueinsteigern. Viele Arbeitgeber haben den Ablauf der Ausbildung verändert, um Schutz und Lernerfolg bestmöglich unter einen Hut zu bekommen.

Die Corona-Pandemie hat erhebliche Folgen für die Ausbildung vieler junger Menschen. Wir haben uns in Unternehmen vor Ort umgeschaut. Ein Überblick. 

Firma Schürholz, Plettenberg

 Eine turbulente Zeit hat die Firma Schürholz, die weltweit mehr als 300 sowie in Plettenberg mehr als 180 Mitarbeiter beschäftigt und ihr Geld unter anderem als Automobilzulieferer verdient, hinter sich. Um 70 Prozent war der Umsatz infolge der Corona-Pandemie eingebrochen. Geschäftsführer Angelo Castrignano spricht davon, dass es eine Herausforderung sei, in Zukunft alle Arbeitsplätze zu erhalten. Florencia Schürholz, zweite Geschäftsführerin, sagt, dass sich die Lage inzwischen entspannt habe. „In letzter Zeit konnten wir viele neue Aufträge und Projekte akquirieren“. Man denke daher darüber nach, die Belegschaft aus der Kurzarbeit zurückzuholen. Die schwierige Zeit habe bei den neuen Auszubildenden – fünf in Plettenberg und zwei im Werk in Kirchhundem – bisher keine große Angst ausgelöst.

 „Die Verträge waren ja schon seit Februar unterschrieben“, sagt Schürholz. Die Bewerbungen fanden noch unter normalen Bedingungen statt. Die Ausbildung selbst wird das nun nicht. Für die Firma gibt es einen Corona-Verhaltensplan. „Wenn zwei Auszubildende an einem Werkzeug arbeiten und dabei den Mindestabstand unterschreiten, müssen sie Mundschutz tragen“, erklärt Florencia Schürholz. Davon abgesehen soll der Ausbildungsbeginn normal vonstattengehen. „Zunächst gibt es einen Kennenlerntag. Die Auszubildenden lernen ihre Paten und Ausbilder kennen“, erklärt die Geschäftsführerin. Ebenso die Abteilungsleiter und Vertreter aus der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. „Es wird einen Betriebsrundgang und ein gemeinsames Essen geben.“

Firma Teckentrup, Herscheid 

Auch die Firma Teckentrup ist als Automobilzulieferer stark von der Corona-Pandemie betroffen. Doch Geschäftsführer Thomas Volborth kann leichte Entwarnung geben: Nachdem die Umsätze im Mai um bis zu 50 Prozent eingebrochen waren, ziehe die Auftragslage in den letzten Wochen spürbar an. Mit einer solchen Entwicklung „haben wir eigentlich erst viel später gerechnet“, freut sich Volborth über den Aufwärtstrend. Wie nachhaltig dieser ist, könne nicht abgeschätzt werden. Vor allem für seine Mitarbeiter (insgesamt 240 verteilt auf die Standorte Hüinghausen, Plettenberg und Lüdenscheid) freue ihn diese Entwicklung. Durch die Einführung von Kurzarbeit konnten betriebsbedingte Kündigungen bislang vermieden werden, erklärt der Geschäftsführer. Daran soll sich – unabhängig vom weiteren Corona-Verlauf – auch in Zukunft nichts ändern. Daher werde ein sogenannter „Worst Case Plan“ erstellt, also ein Plan für den Fall, dass die Wirtschaft erneut einbrechen sollte. Dabei sollen weitere Konzepte geprüft werden, wie die Firma mit finanziellen Einbußen umgehen könnte, ohne Personal abbauen zu müssen. 

Inwiefern Ricardo Langer und Silas Noah Arnold von diesen Planungen betroffen sein werden, bleibt abzuwarten. Für die beiden Auszubildenden begann gestern das Abenteuer Beruf. Die beiden angehenden Werkzeugmechaniker lernten bei einer Präsentation von und mit Ausbildungsleiter Dirk Hallas zunächst den Betrieb kennen, ehe sie in den nächsten Tagen und Wochen ihre Arbeitsplätze und Kollegen „beschnuppern“ können. Zum 1. September startet dann die Ausbildung an der Berufsschule. Bis zu diesem Zeitpunkt würde die Firma Teckentrup auf den allerletzten Drücker auch noch einen Auszubildenden zum Stanz- und Umformmechaniker aufnehmen – diese Stelle konnte bislang nicht besetzt werden. „Für uns als Familienunternehmen bedeutet der Start der Auszubildenden eine Investition in unsere Zukunft“, betont Thomas Volborth. Die Bewerbungsphase für das kommende Jahr habe indes bereits begonnen. Gesucht werden dann neben Werkzeugmechanikern und Stanz- und Umformmechanikern auch Mechatroniker.

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