Plettenberger unter den reichsten Männern der USA

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William Edenborn dürfte der bekannteste Plettenberger Auswanderer sein. Kurz nach dem Ende des US-Bürgerkriegs in die USA übergesiedelt, baute er unter anderem ein Draht-Imperium auf.

Er gilt den US-Amerikanern noch heute als der „Mann, der den Westen einzäunte“: William Edenborn, eigentlich Heinrich Wilhelm Emde, dürfte der bekannteste Plettenberger Auswanderer sein. In den USA zu unermesslichem Wohlstand gekommen, hat er seine Sauerländer Heimat nie ganz vergessen.

Nicht nur die Edenborn Avenue in einem Vorort von New Orleans erinnert noch heute an den Drahthändler, der allerdings auch in anderen Geschäftszweigen aktiv geworden war. Selbst die vielen, persönliche Schicksalsschläge konnten dem gebürtigen Plettenberger offensichtlich nicht die unternehmerische Zuversicht nehmen.+

Und diese muss er bereits im Alter von 18 Jahren gehabt haben: Der verheerende Amerikanische Bürgerkrieg war gerade beendet, da be-stieg Edenborn ein Schiff mit dem Ziel USA. Nach heutiger Lesart war er ein „Wirtschaftsflüchtling“, der wie Millionen andere Deutsche in der Mitte des 19. Jahrhunderts sein Glück im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ suchen wollte.

Edenborn war als Heinrich Wilhelm Emde am 20. März 1848 an der Offenbornstraße geboren worden. Mit 14 Jahren waren bis auf seine Schwester bereits alle seine Lieben gestorben. Es sollte nicht der letzte Schicksalsschlag im Leben Edenborns bleiben.

Im Sauerland erlernte er das Drahtzieherhandwerk. Nachdem er US-amerikanischen Boden betreten hatte, arbeitete Edenborn zunächst mehrere Jahre in einer Fabrik. Um 1874 hatte er dann genügend Geld angespart, um sein eigenes Draht-Unternehmen in St. Louis zu gründen. Viele Erfindungen ermöglichten die Großproduktion von Stacheldraht in kostengünstiger Weise. Mit den niedrigen Preisen Edenborns konnte die Konkurrenz nicht mithalten. Schon wenige Jahre nach der Gründung dominierte Edenborns Unternehmen den Draht- und Nagelmarkt in den USA. In den späten 1870er Jahren begann er, Draht für Telefone und Telegrafen-Systeme herzustellen und hatte darin bald eine Monopolstellung.

Um die Jahrhundertwende zog es Edenborn nach Louisiana. Sein Draht-Unternehmen hatte er an J.P. Morgan für 100 Millionen Dollar verkauft – einer der größten Unternehmen-Transfers in der amerikanischen Geschichte.

In dem damals noch relativ unerschlossenen und rückständigen US-Bundesstaat erkannte der gebürtige Plettenberger ungeahnte wirtschaftliche Möglichkeiten. Hier gründete Edenborn die Louisiana Railway and Navigation Company: Diese baute einen fast 500 Kilometer langen Schienenweg von New Orleans bis an die Grenze zu Texas.

Entlang der Strecke siedelte sich in den folgenden Jahren immer mehr Industrie an – vor allem rund um die Haltestationen, denen Edenborn Namen aus der Heimat gegeben hatte: Emden, Soest, Witten, Siegen und natürlich Plettenberg. Letztere Station gilt heute als unbewohnte Gemeinde. Die Edenborn-Gesellschaft verfügte sogar über eine eigene, erfolgreiche Schifffahrtslinie.

Dem unternehmerischen Erfolg standen jedoch private Schicksalsschläge gegenüber. Zwei seiner Kinder erreichten das Erwachsenenalter nicht: Antoinette wurde mit 15 Jahren von der Straßenbahn in St. Louis überrollt und starb an den erlittenen Verletzungen. Seine jüngste Tochter Lilly starb später – Edenborn war damals 46 Jahre alt – an Diphtherie.

Trotz seines enormen wirtschaftlichen Erfolgs in der neuen Heimat, vergaß Edenborn seinen Geburtsort nie. So stiftete er 1911 den Edenborn-Platz, der heute als Tennisplatz dient. Außerdem spendete er 100 000 Mark, eine damals besonders große Summe, an die Stadt Plettenberg. Auf seinen Wunsch hin wurden mit den Zinsen bedürftige Plettenberger und kinderreiche Familien unterstützt. Für seine Hilfe ernannte die Stadt Plettenberg Edenborn 1920 zum Ehrenbürger der Stadt.

Der Industrielle starb am 14. Mai 1926 im Alter von 78 Jahren in Winfield / Louisiana. Bei seinem Tod wurde Edenborn vom Wall Street Journal zu den reichsten Menschen der USA gezählt. Bis zuletzt hatte der gebürtige Plettenberger teils enge Kontakte in die höchsten Kreise der Vereinigten Staaten gepflegt: So war Edenborn unter anderem mit US-Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt, Joseph Pulitzer, J. W. Gates von Texaco und John D. Rockefeller befreundet.

So wie Edenborn suchten an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert noch weitere Plettenberger ihr Glück in den Vereinigten Staaten. Manchen gelang ein steiler sozialer und ökonomischer Aufstieg wie Edenborn, andere konnten sich im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zumindest eine neue, wenn auch bescheidene Existenz aufbauen.

Das ST bittet nun um die Mithilfe der Leser: Wer kennt weitere Plettenberger, die einst ihre Heimat verlassen und sich beispielsweise in den USA, in Australien oder Südamerika niedergelassen haben? Hinweise und Informationen nimmt die ST-Redaktion sehr gerne entgegen.

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