Geringes Interesse enttäuscht Organisatoren

Ausstellung zur Reformation im östlichen Europa in der Christuskirche

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Kirchenführerin Renate Martin-Schröder ist enttäuscht über das bisher geringe Interesse der Plettenberger an der Ausstellung zur Reformation in der Christuskirche.  

Plettenberg - Die Tür zur Christuskirche steht weit offen – und dennoch ist Kirchenführerin Renate Martin-Schröder die einzige, die an den insgesamt 22 bunten Aufstellern vorbeischlendert.

So wie an diesem Nachmittag sei es fast jeden Tag: Die Ausstellung zur Reformation im östlichen Europa habe bisher nicht so viele Plettenberger anziehen können wie erhofft.

Dabei würde nicht nur viel Arbeit im Aufbau der besonderen Ausstellung stecken; sie biete vor allem zahllose interessante Informationen über die Reformation im Allgemeinen und deren Auswirkungen auf ganz Europa. Schließlich sei auch die Gegenwart im Wesentlichen durch die Reformation geprägt worden – auch fernab der konfessionellen Entwicklungen. „Das wichtigste an der Reformation war sicherlich, dass erstmals die Bildung der Allgemeinheit durchgeführt werden konnte“, erklärt Martin-Schröder. 

Lesen und Schreiben konnten zuvor nur die Geistlichen und gebildete Adlige. Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche habe die Tür für die Bildung des ‘einfachen Volkes’ weit aufgestoßen. Das sei das vielleicht wichtigste „Nebenprodukt“ der Reformation, das wesentlichen Einfluss auf die geistesgeschichtliche und soziale Entwicklung Europas genommen habe. 

Etwas Besonderes für Schulklassen 

Doch diese und weitere interessante Informationen zur Reformation scheinen die Plettenberger bisher nicht so sehr anzusprechen. Martin-Schröder bedauert vor allem, dass sich noch keine Schulklassen angemeldet hätten. „Ich denke auch aus historischer Sicht wäre es sehr gut, wenn Schüler diese Ausstellung besuchen würden“, sagt Martin-Schröder. Denn für die Ausstellung, die im Wesentlichen auch die Reformation in Siebenbürgen beleuchtet, besitze man in Plettenberg nicht nur mit Pfarrer Dietmar Auner einen Experten. 

„Einige unserer Plettenberger Geistlichen stammen aus dieser Region“, erklärt Martin-Schröder. Die Kirchen- und Stadtführerin sei sich bewusst, dass Lehrer durch straffe Lehrpläne eingeengt würden. Dennoch halte sie es für eine besondere Chance gerade für Schüler, eine solche Ausstellung in Plettenberg besuchen zu können. 

„Vieles von dem, das hier präsentiert wird, wusste ich auch noch nicht“, erklärt die Hobby-Historikerin. Schwer vorstellbar sei zum Beispiel, dass das heute erzkatholische Polen einst stark von der Reformation geprägt gewesen sei. Oder, dass erst mit der Reformation osteuropäische Sprachen eine feste Form erhalten hätten. Im Rahmen der Ausstellung werden unter anderem die ersten reformatorischen Strömungen im Osten Europas vorgestellt. Diese hätten nicht erst mit Martin Luther ihren Anfang genommen: „Schon hundert Jahre vor Luther wurde die katholische Kirche von Geistlichen kritisiert.“ 

Die Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa, die Pfarrer Dietmar Auner für Plettenberg gewinnen konnte, wird noch bis einschließlich kommenden Donnerstag, 16. November, in der Christuskirche zu sehen sein. Die Kirche ist dazu täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Wer Interesse an einer Führung hat, kann sich mit dem Gemeindebüro der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg unter der Telefonnummer (0 23 91) 20 88 in Verbindung setzen.

Auf dem Scheiterhaufen

Im Rahmen der Ausstellung wird unter anderem das Leben von Jan Hus (1372-1415) beleuchtet. Dieser gilt heute als tschechischer Nationalheiliger.

• Hus war am 6. Juli 1415 zusammen mit seinen Schriften in Prag auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

• Der böhmische Theologe und Reformator hatte bereits über ein Jahrhundert vor Martin Luther den weltlichen Besitz der Kirche, das lasterhafte Leben der Geistlichkeit und die Habsucht des Klerus kritisiert. Er sah die Bibel und nicht den Papst als einzige Autorität in Glaubensfragen an.

• Hus war in der Bevölkerung auch besonders beliebt, weil er seine Predigten in tschechischer Sprache hielt.

• Obwohl ihm zum Konzil in Konstanz freies Geleit zugesichert worden war, wurde Hus inhaftiert und zum Widerruf seiner Lehren aufgefordert. Hus weigerte sich und fand den Feuertod.

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