„Die Folgen sind bis heute spürbar“

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Schüler der 10. Klassen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums lasen unter anderem aus Briefen deutscher und französischer Soldaten.

In diesen Tagen jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Ein scheinbar weit entferntes Ereignis, das allerdings die Geschichte des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus maßgeblich geprägt hat. Deutlich wird dies auch anhand der Ausstellung der deutschen Kriegsgräberfürsorge, die jetzt im Foyer des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) eröffnet wurde.

„Nicht nur für die deutsche Geschichte ist das Ende des Ersten Weltkrieges besonders wichtig“, erklärte ASG-Geschichtslehrer Dr. Peter Schmidtsiefer am gestrigen Morgen. Die Folgen des Krieges, der oft als „Urkatastrophe des Jahrhunderts“ bezeichnet wird, seien bis heute spürbar; die Bilanz sei verheerend: „20 Millionen Tote forderte dieser Krieg – und 21 Millionen Verletzte“, sagte Schmidtsiefer.

Ein Blick auf die ehemaligen französischen Schlachtfelder sei noch heute bedrückend: „Wir reden hier nicht über einfache Friedhöfe, sondern über Anlagen in Quadratkilometer-Größe.“ Oftmals sei es kaum möglich gewesen, alle Gefallenen zu bestatten. Die Toten wurden dann in Beinhäusern beigesetzt.

Mit diesen einleitenden Worten hatte Schmidtsiefer die besondere Ausstellung im Foyer eröffnet. Auf mehreren Tafeln werden den Besuchern Ursachen, Verlauf und Folgen des Ersten Weltkrieges näher gebracht. Die Informationen reichen dabei auch über die Zwischenkriegszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

„Diese Ausstellung des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge ist für Schulen kostenlos. Sogar der Transport wird übernommen – natürlich umsonst“, erklärt Schmidtsiefer im ST-Gespräch.

Schüler der 10. Klassen lieferten einen Einblick in die Gedankenwelt der Menschen in diesen schicksalhaften Jahren 1914 bis 1918. „Der Ausbruch des Krieges wurde überall in Europa mit Euphorie aufgenommen“, sagte Schmidtsiefer.

Deutlich wird dies auch anhand des Briefes eines deutschen Soldaten von November 1914. In diesem, der auszugsweise verlesen wurde, erklärte sich der Soldat bereit für den Opfertod. Auch seine mögliche Beerdigung regelte er bereits in seinem Schreiben. Doch auch dieser „vaterlandstreue“ Soldat berichtete schon von den Schrecken an der Front.

Auch aus dem Brief eines französischen Soldaten sprach im August 1914 noch volle Siegeszuversicht: Deutschland würde definitiv niedergerungen werden. Und auch der weltbekannte Schriftsteller Thomas Mann äußerte sich 1914 noch voller Pathos, Zuversicht und mit rassistischen Ressentiments.

Doch Auszüge aus dem Tagebuch einer Frau aus Bonn verdeutlichten, wie schnell aus Zuversicht Ernüchterung wurde. Der Glaube an einen schnellen Sieg im August 1914 wich bereits im September 1915 die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges. Niedergeschlagenheit sprach dagegen im Frühjahr 1916 aus den Aufzeichnungen der Bonnerin, die vor allem die katastrophale Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln bemängelte. Den am 11. November 1918 unterzeichneten Waffenstillstand kommentierte die Tagebuchschreiberin mit: „Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Die Ausstellung kann von jedem Interessierten noch bis Freitag, 9. November, im Foyer des Albert-Schweitzer-Gymnasiums besucht werden – und zwar Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr.

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