Eine komplett neue Kirchen-Nutzung

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Die katholische Kirche St. Maria Königin in Ohle soll an das Unternehmen IWM Informationstechnik verkauft werden. Diese will das ehemalige Gotteshaus unter anderem als Büro- und Schulungsraum nutzen.

Plettenberg – Wenn Pfarrer Patrick Schnell ein Immobilienmakler wäre, dann hätte er einen erfolgreichen Monat hinter sich. Nach dem Verkauf des ehemaligen Pfarrhauses in Herscheid und dem geplanten Verkauf der Bonifatiuskirche an die Stadt Plettenberg ist nun auch die Veräußerung des ehemaligen Pfarrhauses und der Kirche St. Maria Königin in Ohle besiegelt.

„Der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, aber es geht im Grunde nur noch um den Zeitpunkt des Verkaufs“, betonte Pfarrer Schnell im Gespräch mit unserer Zeitung. Käufer ist die benachbarte Firma IWM Informationstechnik GmbH, die vor Jahren schon das Gemeindezentrum kaufte und zum Firmensitz umbaute und nun weiter expandieren möchte. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Kirche mit einer zweiten Ebene versehen werden. Im Erdgeschoss sollen Büro- und Schulungsräume für externe Schulungen entstehen. Im Obergeschoss ist ein Multifunktionsraum geplant. Das ehemalige Pfarrhaus soll saniert und dann vermietet werden und auch der Parkplatz oberhalb der Kirche soll vergrößert werden. 

Bereits im Jahr 2006, also vor 14 Jahren, war die Ohler Kirche vom Bistum Essen als „weitere Kirche“eingruppiert worden. Geld für die Unterhaltung gab es danach keines mehr und musste von der Gemeinde selbst oder über Spenden erwirtschaftet werden. In den letzten Jahren fanden dort noch an Weihnachten und Ostern Gottesdienste sowie einmal wöchentlich eine Werktagsmesse statt. „Irgendwann muss man sehen, dass das Geld für die Gemeinde da ist und nicht für die Gebäude“, so Schnell. Noch dazu sinke die Zahl der Gemeindeglieder seit Jahren. 

Erfreulich sei, dass die Kirchengemeinde St. Laurentius das bei dem geplanten Verkauf der Bonifatiuskirche an die Stadt Plettenberg und der Kirche St. Maria Königin in Ohle erwirtschaftete Geld behalten darf. „Das Geld bleibt hier und dient zur Refinanzierung und Unterhaltung der verbleibenden Gebäude“, sagt Schnell, der im Gegenzug allerdings auch weniger Geld vom Bistum bekommt. „Wir haben Glück, dass wir beide Kirchen recht zeitnah verkaufen können.“ Bei aller Erleichterung über den Verkauf schmerze der Abschied aber auch. „Es ist ein bisschen von beidem“, so Schnell.

 Hocherfreut sei er deshalb, dass man bei den Verkaufsverhandlungen mit der Firma IWM Informationstechnik eine Einigung über den Kellerraum unter der Kirche erzielen konnte. „Wir sind sehr glücklich, dass die Gruppe, die unter der Kirche regelmäßig zusammenkommt, dies auch in Zukunft tun kann. Das lag uns sehr am Herzen“, so Schnell, der sich auch zum Abschied von der Kirche in der Papenkuhle äußerte. „Es ist geplant, dass wir uns zu gegebener Zeit – und sofern es im Zusammenhang mit dem Virus wieder erlaubt ist – mit einer Heiligen Messe von der Kirche in Ohle und auch von der Bonifatiuskirche verabschieden.“ 

In der Kirche soll eine zweite Ebene eingebaut werden. Dort sind Schulungen und Büroräume geplant.

Dass besagter Kellerraum überhaupt genutzt wird, hat auch damit zu tun, dass die einst geplante Verschmelzung der Gemeinde St. Maria Königin und Ohle und St. Johann Baptist in Eiringhausen nur auf dem Papier stand, aber nicht so gelebt wurde, wie man es sich im Bistum Essen gewünscht hätte. „Es hat damals nicht so richtig funktioniert und wurde zu schnell übers Knie gebrochen. Viele Gläubige aus Ohle sind nach Werdohl in die Kirche gefahren, einige nach St. Laurentius und nach St. Johann Baptist; manche sind gar nicht mehr gegangen“, sagt Schnell, der offen eingesteht, dass man damals viele Fehler gemacht habe.

 Fehler, die man in Eiringhausen auf jeden Fall vermeiden will. Denn auch die dortige Kirche soll im Zuge des Pfarreientwicklungsprozesses verkauft werden. „Aber vor 2025 passiert da nichts“, sagt Pfarrer Schnell, der das angrenzende Gemeindezentrum sogar bis 2030 halten will. In diesem Jahr will Schnell   den notariellen Verkauf der Kirchen in Ohle und im Oestertal abschließen, um sich dann wieder voll der Arbeit in der Pfarrei widmen zu können.

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