Klage um Modepark Röther

Gericht für gütliche Einigung im Rechtstreit Plettenberg-Attendorn

Michael und Thomas Röther sind optimistisch, was die Eröffnung des Modeparks Röther in Plettenberg angeht.

Plettenberg - Kaum ein anderes Thema hat zuletzt so sehr die Gemüter erhitzt wie die Klage der Stadt Attendorn gegen die Stadt Plettenberg und die Größe des Modeparks Röther im Real-Gebäude. Was zunächst ein wenig so wirkte, als hätte ein „Schüler“ aus Attendorn seinen Sitznachbarn aus Plettenberg ohne Hausaufgaben erwischt und angeschwärzt, hat eine Wendung erfahren, denn die Plettenberger haben „nachgesessen“ und eine Auswirkungsanalyse sowie eine Nachtragsbaugenehmigung beim Verwaltungsgericht Arnsberg abgeliefert.

„Das führt zu einer neuen Ausgangslage und dadurch stellt sich die Frage, wie es mit dem Verfahren weitergeht“, betonte Stefan Schulte, stellvertretender Pressedezernent und Richter am Verwaltungsgericht Arnsberg auf Anfrage. „Wenn die Attendorner jetzt sagen, dass die neue Baugenehmigung in Ordnung ist, wird vom Gericht möglicherweise gar keine Sachentscheidung mehr gefällt“, sagte Schulte. Dann werde eine sogenannte „Erledigungserklärung“ von den Beteiligten – den Städten Attendorn und Plettenberg sowie dem Modepark Röther – verfasst. Danach entscheide das Verwaltungsgericht nach Billigkeit. 

„Mit billig im Sinne von preiswert hat das aber nichts zu tun“, stellte Schulte zur Klärung fest. Das Gericht berücksichtige dabei vielmehr die aktuellen Aussichten auf Erfolg und lege danach fest, welche Partei wie viel zu zahlen habe. Es sei mit einem „höheren vierstelligen Betrag“ zu rechnen. Was den Ausgang des Verfahrens angeht, betonte Schulte folgendes: „Grundsätzlich liegt es immer im Interesse des Gerichtes, eine gütliche Einigung zu erzielen.“ Nur falls die Attendorner weiterhin gegen die von über 7 000 auf nun 6 000 Quadratmeter reduzierte Verkaufsfläche und die aktuelle Baugenehmigung seien, müsse das Gericht eine Entscheidung treffen.

 Genau in diesem Entscheidungsprozess befindet sich Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil gerade. Dies betonte er auf konkrete Nachfrage der Heimatzeitung: „Im Moment ist die Nachtragsbaugenehmigung für uns auch neu. Deshalb steht jetzt erst einmal eine gründliche Prüfung an, um dann zu entscheiden, ob wir Rechtsmittel einlegen.“ 

Auf die Frage an das Attendorner Stadtoberhaupt, ob er mit solch vielfältigen Unmutsbekundungen – vor allem in den sozialen Medien – gerechnet habe, antwortete Pospischil: „Letzten Endes waren wir uns bewusst, dass die Wellen hoch schlagen können. Es war aus unserer Sicht aber der richtige Beschluss, um die Interessen der Einzelhändler zu wahren.“ Von einzelnen Unmutsbekundungen einiger Plettenberger Kunden habe er gehört: „Ich glaube aber, die Gemüter werden sich wieder beruhigen.“ Was die Klage angeht, sei „das primäre Ziel kein Baustopp, sondern die Reduzierung der Verkaufsfläche auf ein verträgliches Maß“. Ansonsten werde man nun die neuen Einlassungen aus Plettenberg „gründlich prüfen. Ich habe da keinen Zeitdruck“, so Pospischil, der abschließend auch die Frage beantwortete, ob er möglicherweise zur Modepark-Eröffnung nach Plettenberg komme. „Ich habe kein Problem damit, nach Plettenberg zu kommen, aber ich denke nicht, dass die Modepark-Eröffnung der richtige Zeitpunkt wäre.“ 

Bürgermeister Ulrich Schulte sieht mit Spannung der Entscheidung der Attendorner entgegen.

Bürgermeister Ulrich Schulte vernahm gestern mit Interesse die Äußerungen seines Amtskollegen. „Wir sind beide auf Unterstützung in Südwestfalen angewiesen und sollten auf irgendeiner Basis zusammenarbeiten können. Eine Dauerfehde macht sicherlich keinen Sinn“, betonte Schulte, der gleichwohl eingestand, bei der Klageerhebung der Attendorner mehr als verärgert gewesen zu sein. Auf die Frage, ob er die Gerichtskosten fürchtet, sagte der Plettenberger Bürgermeister: „Wenn am Ende der Modepark Röther kommt – und sei es auf 6 000 Quadratmeter Verkaufsfläche – dann ist es gut investiertes Geld.“ Schulte sieht nun mit Spannung der Entscheidung der Attendorner entgegen. 

Ähnlich geht es auch Michael Röther, Geschäftsführer des Modepark Röther, den die Heimatzeitung gestern ebenfalls für eine Stellungnahme erreichte. „Wir waren erstaunt, dass die Stadt Attendorn erst ein Jahr später interveniert hat“, so Röther, der zum eigentlichen Gerichtsverfahren nichts sagen wollte. „Wir haben in Plettenberg weitergearbeitet, weil alle Gewerke bereits vergeben waren“, so Röther. 

Ali Bozkurt und Werner Kirchner (re.) waren gestern mit der Verkleidung der Innenwände im Modepark Röther beschäftigt.

„Damit sind wir nach der Klageerhebung ein gewisses Risiko eingegangen – in der Hoffnung, dass alles ein gutes Ende nimmt.“ Gelernt habe man aus der Sache dennoch. „In Baden-Württemberg und Bayern gibt es solche Baugesetze nicht. NRW ist da ein besonderer Fall – und das wissen wir jetzt auch.“ Die von den Attendornern befürchtete Konkurrenzsituation sieht Röther in Zeiten des wachsenden Internethandels nicht: „Wir sehen uns eher als Bereicherung für die Region, von der alle profitieren können“, so der Geschäftsführer, der sich abschließend optimistisch zeigte, was die Neueröffnung angeht. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende August eröffnen können.“ Deshalb werde mit Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet – mit Extra-Schichten am Wochenende.

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