Vernichtungskrieg kehrt zum Ursprung zurück

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Die Attendorner Innenstadt war durch den alliierten Bombenangriff wie hier Am Spindelsburggraben großflächig zerstört worden.

Die verheerenden Schrecken des vom nationalsozialistischen Regime entfesselten Vernichtungskrieges, der unaussprechliches Leid und Elend über die Menschen in Europa gebracht hatte, kehrten 1945 zu ihrem Ursprung zurück: Längst waren Großstädte im gesamten Deutschen Reich flächendeckend bombardiert worden, als die alliierten Flieger am 28. März 1945 die benachbarte Hansestadt ins Visier nahmen.

An diesem Tag hatte die Front bereits den Kreis Olpe erreicht. Am Morgen jenes schicksalhaften Tages stiegen insgesamt 72 Bomber von Flugplätzen in Nord-Frankreich, Belgien und den Niederlanden auf – ihr Ziel: die Zerstörung der Eisenbahnverbindung zwischen Olpe und Attendorn, die als wichtige Nachschublinie für Wehrmacht und Volkssturm galt. Die beiden Städte selbst sollen keine Ziele gewesen sein.

Doch Olpe befand sich am 28. März 1945 unter einer dicken Wolkendecke. Für die Flieger war es praktisch unmöglich, ihre hier festgelegten Ziele zu treffen. Um die Bombenlast dennoch los werden zu können, wählten 22 Flugzeuge Attendorn als Ausweichziel.

Die Attendorner erkannten fatalerweise nicht den Ernst der Lage, als der Luftalarm auslöste. Zu oft war in den Tagen zuvor Alarm geschlagen worden, ohne dass ein Angriff folgte.

Zwischen 10.59 und 11.04 warfen die Alliierten drei Bombenteppiche über der Hansestadt ab. Vor allem die Innenstadt hatte es hart getroffen: Hier waren 286 Wohnungen zerstört worden. 140 Tote waren zu beklagen.

Zeitzeugen berichteten später von toten Menschen und Pferden auf den Straßen, brennenden und zerstörten Gebäuden. Auch der Turm der Attendorner Pfarrkirche hatte Feuer gefangen. Die Löschversuche von Feuerwehr und Bürgern blieben erfolglos, sodass der Brand auch auf das Kirchendach übergreifen konnte. Lediglich das Gewölbe hielt stand.

Unter Lebensgefahr hatte Theodor Frey sen. die Zerstörungen in der Hansestadt fotografiert: Die NS-Diktatur bestrafte, insbesondere gegen Kriegsende, jeden hart, den sie der „Wehrkraftzersetzung“ für schuldig befunden hatte.

Die Pfarrkirche an der Kölner Straße war durch den Angriff am 28. März 1945 stark beschädigt worden


Auch den Aufnahmen Freys ist es zu verdanken, dass die Schrecken jenes Tages nicht in Vergessenheit geraten sind. Und auch heute wird die Stadt Attendorn mit der Niederlegung eines Blumengebindes an der Gedenkstele am Klosterplatz den Opfern gedenken – und daran erinnern, dass der in Deutschland entfesselte Vernichtungskrieg am 28. März 1945 in die Hansestadt gebracht wurde.

Auch die zwischen 10.50 und 11.00 Uhr läutenden Totenglocken der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde gehören zum Gedenken dazu. Stadt, Kirchen und Bürger fordern auf diese Weise: Die Ereignisse dürfen sich nicht wiederholen.

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