Einbahnstraße oder nicht?

Anwohner der Uhlandstraße finden: Es wird Zeit mit einem Mythos aufzuräumen

Bettina Buchen auf der Uhlandstraße
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Bettina Buchen auf der Uhlandstraße

Auch wenn die Uhlandstraße in Plettenberg keine Hauptstraße ist, so wird der Großteil der Autofahrer diese kurze Passage zwischen der Königstraße und der Grünestraße kennen und womöglich als Abkürzung nutzen. Gegenverkehr? Gibt es meist nicht. Vielleicht hat sich auch deshalb ein Mythos verbreitet...

Plettenberg - Bettina Buchen kann es nicht mehr hören. Die Uhlandstraße ist eine Einbahnstraße? So ein Quatsch! Doch viele Autofahrer scheinen das nach wie vor zu denken, warum auch immer. Und sie verhalten sich bei der Durchfahrt der Straße auch so. Gegenverkehr wird selten toleriert. Manchmal wird sogar gepöbelt, wenn einer entgegenkommt. Die Anwohner nervt das.

Bettina Buchen ist selbst eine Betroffene. Wenn sie ihre Wohnung an der Uhlandstraße verlässt und ihren Wagen in Richtung Königstraße steuert, dann kommen ihr nicht selten Autofahrer entgegen, von denen sie sich die alte Leier anhören muss. „Das ist eine Einbahnstraße!“, wird dann gerne durchs Fenster gerufen, manchmal auch mit einer frauenfeindlichen Einleitung, wie Bettina Buchen berichtet. Und sie entgegnet ihrem Gegenüber dann immer: „Nein, es ist keine Einbahnstraße“, was der andere natürlich nicht glauben will, weshalb er meistens schimpft und gestikuliert und irgendwann davonfährt.

Uhlandstraße in Plettenberg: Welches Schild besagt, dass es eine Einbahnstraße ist?

Wer die Emotionen beiseitelässt und einen klaren Blick auf die Straße wirft, dem können keine Zweifel kommen: Die Uhlandstraße ist keine Einbahnstraße. Es gibt weit und breit kein Verkehrsschild, das darauf hinweist. Stattdessen gibt es sogar ein „Vorfahrt beachten“-Schild am Ende der Uhlandstraße vor dem Abzweig auf die Königstraße.

Es ändert nichts. Für viele wirkt der Verlauf trotzdem wie eine scheinbare Einbahnstraße. Die Uhlandstraße – sie ist Plettenbergs Scheinbahnstraße.

Doch woher kommt dieser Mythos? Nachfrage bei einem, der es wissen muss. Fahrlehrer Martin Fellmer nutzt die Straße fast täglich auf der Tour mit seinen Schülern. Er kennt die Uhlandstraße schon seit Jahrzehnten und bestätigt, dass viele Plettenberger den Mythos glauben. An drei Gründen könnte die Einbahnstraßen-Denke liegen.

Fahrlehrer wie Martin Fellmer kennen die Uhlandstraße schon seit vielen Jahren

Erstens: Wer von der Grünestraße kommt, darf in Höhe der Gaststätte Akropolis nicht auf die Uhlandstraße abbiegen. Die Durchfahrt ist verboten. Aber das macht die Uhlandstraße noch lange nicht zur Einbahnstraße.

Zweitens: Auf den ersten Blick wirkt die Uhlandstraße wie eine Einbahnstraße. Die Fahrbahn ist trotz Tempo 50 vergleichsweise eng, wegen der verbotenen Durchfahrt von der anderen Seite kommen einem so gut wie nie Autos entgegen – wenn überhaupt, dann eigentlich nur die Anwohner oder die Besucher des dortigen Fitnessstudios Power-Gym, das früher mal ein Aldi-Markt war. Außerdem vermitteln die Parkflächen auf der (von der Königstraße kommend) rechten Seite, die große Teile der Gegenfahrbahn blockieren, laut Fellmer schnell den irrtümlichen Eindruck: Hier geht es nur in eine Richtung.

Drittens: Die Uhlandstraße war tatsächlich mal eine Einbahnstraße – aber nur auf den letzten Metern. „Gut möglich, dass viele das in ihrer Fahrschulzeit noch so gelernt haben“, sagt Martin Fellmer. Dieses Einbahnstraßenschild für den End-Abschnitt gibt es aber schon lange nicht mehr und weil sich viele am Abzweig zur Grünestraße falsch – nämlich ganz links – eingeordnet haben, hat das Ordnungsamt vor wenigen Jahren eine schraffierte Fläche aufgebracht, die klar macht: „Hier dürfen Sie als Abbieger nicht stehen, bitte ordnen Sie sich auf Ihrer Fahrspur ein!“

Seitdem machen meist weder die langjährigen Autofahrer, noch die Schüler in den Fahrschulautos einen Fehler beim Einordnen. Warum die Uhlandstraße trotzdem auf keiner Fahrschultour fehlen darf, erklärt Martin Fellmer so: „Allein wegen des Stopp-Schilds, von denen es sonst nicht viele in Plettenberg gibt.“

Geht es nach Martin Fellmer, ließe sich die Wahrnehmung der Uhlandstraße mit recht einfachen Mitteln verändern. Zum Beispiel, indem die beiden Parkflächen am Eingang der Straße auf die Gegenfahrbahn verlegt werden. Oder, indem die Straße zu einer reinen Anliegerstraße wird, was auch die Durchfahrt vieler Autofahrer unterbinden würde, die die Straße als Abkürzung von der Königstraße zur Grünestraße nutzen. Eine Tempo-30-Vorschrift, ein verkehrsberuhigter Bereich oder die Uhlandstraße wirklich zu einer reinen Einbahnstraße machen – all’ das sind für Fellmer Lösungsansätze, um Situationen, die die Anwohner geschildert haben, zu vermeiden.

Bettina Buchen und ihre Nachbarn an der Uhlandstraße und der Brandströmstraße sind offen für solche Vorschläge. Letztendlich muss das Ordnungsamt aber entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht. Auf Nachfrage der Heimatzeitung versicherte Ordnungsamts-Mitarbeiterin Stefanie Schade: „Wir gucken uns das an.“

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