Schaulustige und eine unruhige Nacht

Anwohner berichten vom Dura-Großbrand am Freitagabend

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Die Feuerwehrleute hatten alle Hände voll zu tun, um der Flammen Herr zu werden.  

Plettenberg - Es ist wieder etwas Ruhe eingekehrt für diejenigen Plettenberger, die am Freitagabend vom Großbrand der Firma Dura betroffen waren. 

Ob als Einsatzkraft der haupt- oder ehrenamtlichen Feuerwehr, Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Polizei, den zahlreichen Einsatzkräften des DRK, als Dura-Mitarbeiter oder direkter Anwohner – so schnell werden sie wohl alle diesen Abend nicht mehr vergessen.

Andrea Gäde, unmittelbare Anwohnerin und Zeitungsbotin, erzählt von dem Abend folgendes: „Ich wollte um 23.45 Uhr anfangen, Zeitungen auszuteilen, durfte aber nicht raus“, so Gäde. Auch ihr Sohn, der auf dem Hiby-Parkplatz strandete, kam nicht zu seinem Zuhause „Unterm grünen Berg“. „Es kam niemand weder rein, noch raus“, so Gäde. 

Schaden in Millionenhöhe: Hier geht's zur Berichterstattung über den Dura-Großbrand

Von den Einsatzkräften auf der Straße habe sie Anweisungen bekommen, Türen und Fenster zu schließen und auf weitere Anweisungen zu warten. „Wir sollten alle evakuiert werden, jedoch passierte dann nichts weiter“, so die Botin, die ihre Arbeit vorerst nicht verrichten konnte. Ihre Enkelin, die schwerbehindert und Autistin sei, kenne nur gewohnte Abläufe und käme mit solchen besonderen Situationen nicht klar. „Die weiß überhaupt nicht, was das ist.

Brand bei Dura in Plettenberg

Die würde nicht mitgehen, wenn evakuiert würde“, war sich Gäde zu dem Zeitpunkt schon sicher. So habe sie versucht, die Polizisten zu überreden, wenigstens ihren Sohn durchzulassen, damit er im Fall einer Evakuierung bei seiner Tochter sein könne. Irgendwann hätten die Einsatzkräfte nachgegeben und den Vater durchgelassen, sodass auch Andrea Gäde endlich ihrer Arbeit nachgehen konnte. Sie sei hinterher nur nicht wieder zum Haus zurückgekehrt. 

Samstags Straße teilweise geöffnet 

„Erst am Samstagmittag durfte ich zurück nach Hause, da wurde die Straße teilweise wieder geöffnet. Aber was dann kam, sei noch viel schlimmer gewesen, denn Schaulustige – ob zu Fuß oder mit dem Auto – stürmten die Dura-Nachbarschaft.

„Es war einfach schrecklich. Die haben hier kreuz und quer geparkt, alles fotografiert und gefilmt – und dass, obwohl hier noch die Feuerwehrleute mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt waren. Unmöglich!“, ärgert sich Gäde noch heute. Auch Sabine Klinger, Inhaberin des Ponyhofes Klinger, kann das bestätigen. „Unsere Zufahrt war erst voll von Feuerwehrautos und Löschschläuchen und nach Einsatzende kamen dann Horden von Schaulustigen.“ Dabei sei alles vertreten gewesen: Von Mountainbikern über Senioren bis hin zu SUV- und Cabrio-Fahrern und Eltern mit Kinderwagen sei die Bandbreite groß gewesen. „Der Hochsitz bei uns war dauerhaft belagert. Und mein Zaun wurde auch noch aufgeschnitten“, ärgert sich Klinger über die Rücksichtslosigkeit einiger Gaffer.

Sabine Klinger zeigt auf den nicht mehr erhaltenen Teil des Gebäudes, der dank der Einsatzkräfte der Feuerwehr noch steht.  

 Doch Klinger hatte auch in der Brandnacht andere Sorgen, denn als sich das Feuer im Bereich der Eloxalanlage wie eine Feuersbrunst ausbreitete, war auch die Hotel- und Reitanlage zwischenzeitlich in Gefahr. Der Hof, der im Katastrophenplan der Firma eigens ausgewiesen ist, war nach dem Ausbruch des Feuers gegen 21.30 Uhr von der Außenwelt abgeschnitten. „Zwei Stallhelfer kamen nicht mehr vom Hof und haben im benachbarten Hotel übernachten müssen“, sagt Klinger. Erst am Samstag um 10 Uhr hätte die Feuerwehr eine Sondergenehmigung erteilt und ihnen den Weg frei gemacht. „Die Gaffer hat das nicht abgeschreckt. 

Welche Zerstörungswucht das Feuer hatte, sieht man auf diesem Foto von Sabine Klinger.

Die kamen aus allen Ecken und sind auch über die Wiesen gelaufen.“ Dort kann Klinger ihre Pferde in den nächsten Wochen nicht weiden lassen, denn nach Aussage eines Experten der Bezirksregierung müssten erst Bodenproben genommen werden, um die Kontaminierung des Bodens festzustellen und Folgeschäden für Mensch und Tier auszuschließen. Auch vor dem Verzehr von Gemüse und Obst im Umfeld der Firma wird gewarnt. 

Pferde haben Brand gut überstanden 

„Unsere Pferde haben den Brand bis auf eine Ausnahme ganz gut überstanden. Unser Glück war, dass der Rauch in die andere Richtung gezogen ist“, sagt Klinger, „Wir hätten den Pferden schließlich nur schwer eine Atemschutzmaske aufsetzen können.“

"Das war eine echte Materialschlacht für uns“: Feuerwehr berichtet über Einsatz

 Ein großes Lob zollte Klinger den Feuerwehrleuten. „Die haben hier echt ihr Leben riskiert. Wenn der Wind anders gestanden hätte und eine weitere Feuerwalze hochgekommen wäre, hätte ich nicht auf der Drehleiter stehen wollen“, sagt Klinger. 

Der Morgen nach dem Dura-Brand

Dass fast zwei Drittel der Halle gerettet worden sei, habe man der Feuerwehr zu verdanken, die teilweise mit vier Drehleitern am Werk war.

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