Eine etwas andere Antwort auf die Bürgermeister-Stellungnahme 

Die Löschgruppe Holthausen schreibt über  das „Spiel des Lebens“

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Die Löschgruppe Holthausen vergleicht das Vorgehen gegen die Wehrleute mit einem gemobbten Kind in der Schule.

Plettenberg – Nach der Stellungnahme von Bürgermeister Ulrich Schulte zum angedrohten Austritt nahezu der gesamten Feuerwehr-Löschgruppe Holthausen stand für die Wehrleute am Freitag zunächst ein Einsatz beim schweren Unfall auf der L561 auf dem Programm, ehe sich die Löschgruppen-Mitglieder  am Feuerwehrgerätehaus Am Nocken den Fragen von über 200  interessierten Bürger stellten.

Statt einer direkten Antwort auf die Stellungnahme des Bürgermeisters erreichte uns die folgende von der Löschgruppe Holthausen verfasste „Geschichte aus dem Leben“:

  Stellen Sie sich vor, Sie schicken ihr Kind auf eine normale Schule in einer normalen Klasse mit einem normalen Klassenlehrer.

Jetzt beginnt dieser Klassenlehrer damit ihr Kind – zuerst unterschwellig, dann immer offensiver – zu piesacken. Ihr Kind bekommt schlechte Noten, wird abgestraft und vielleicht bekommen die anderen Kinder sogar das ein oder andere Bonbon, was ihr Kind nicht bekommt. Mittlerweile machen sich Bauchschmerzen breit und ihr Kind geht immer ungerner zur Schule. 

Wie würden Sie sich in dieser Situation verhalten?

Ich kann Ihnen sagen, ich würde ersteinmal das Gespräch mit diesem Lehrer suchen. Angesprochen auf die Vermutungen beschwichtigt der Lehrer, dass wir eine falsche Wahrnehmung hätten und er natürlich alle Kinder gleich behandeln würde. Diesen Schritt des Gesprächs tun Sie vielleicht ein oder zwei weitere Male. Fakt ist aber, es ergibt sich keine Verbesserung. 

Und jetzt frage ich Sie wieder: Wie würden Sie sich jetzt verhalten?

Ich würde – und Sie würden es mir wahrscheinlich gleichtun – den Weg zum Direktor suchen. Dort wird es ebenfalls ein Gespräch geben. Vielleicht erst nur mit dem Direktor, dann wird der Direktor mit dem Lehrer sprechen, um sich eine Gegendarstellung einzuholen und anschließend gibt es vielleicht ein Gespräch mit Direktor, Klassenlehrer, Ihnen und eventuell noch einem Vertrauenslehrer. Auch in diesem Gespräch wird Besserung gelobt, die Ihr Kind aber nicht zu spüren bekommt – ganz im Gegenteil. Der Klassenlehrer macht sich sogar noch vor der Klasse über Ihren Schritt lustig. An dieser Stelle merken plötzlich auch die anderen Schüler der Klasse, dass das Verhalten des Lehrers scheinbar keine Konsequenzen hat und schließen sich ihm vielleicht sogar an – manche hinterrücks, manche offensiv, auf jeden Fall – und da sind wir uns wohl einig – wird das Leben ihres Kindes in der Schule immer härter.

 Und jetzt frage ich Sie wieder: Wie würden Sie sich jetzt verhalten?

Mein Weg in dieser Geschichte war folgender – und vielleicht stimmen Sie mir auch jetzt noch zu – ich ging zum Direktor und drohte an, mein gesamtes Engagement in der Schulpflegschaft, für die Klassengemeinde usw. direkt einzustellen und in letzter Konsequenz mein Kind von der Schule zu nehmen, sollte nicht endlich etwas passieren. Und der Direktor? Klar, was jetzt zu tun ist. Ein Krisengespräch. Er lädt Sie und ihr Kind ein, natürlich den Klassenlehrer und vielleicht auch die Aufsicht der Bezirksregierung. Auch in diesem Gespräch wird wieder geschlichtet. Man verspricht sich Besserung. Es werden konkrete Maßnahmen beschlossen. Teambuilding soll es geben und ein Gespräch auf neutralem Boden. Bis zum Ende des Schuljahres gibt man sich Zeit, danach soll Bilanz gezogen werden. 

Und jetzt wieder Sie: Was erwarten Sie nun und wen sehen Sie in der Verantwortung? Und was glauben Sie, sind jetzt die Aufgaben der einzelnen Instanzen?

Ich erzähle Ihnen unsere Geschichte weiter: Der Direktor lehnt sich zurück und ist glücklich, er hat ja etwas getan und wähnt sich auf einem guten Weg. Ebenso fühlen Sie als Eltern sich gut. Sie haben endlich Gehör gefunden und endlich gibt es einen konkreten Plan, wie es weitergeht. Und der Lehrer? Der Lehrer geht als erstes zurück in die Klasse – natürlich ohne Ihr Kind – und spricht mit den anderen Kindern. Beschwert sich vielleicht sogar, dass Sie sich über ihn beim Direktor beschwert haben. Stellt Sie und Ihr Kind als Petze dar. Und die anderen Kinder? Da gibt es Kinder, die sich fleißig dem Lehrer anschließen und welche, die nichts tun. Vermutlich aus Angst. Angst, dass es ihnen genauso ergehen könnte. Angst, dass sie in die gleiche Schusslinie geraten wir Ihr Kind. 

Wie geht es jetzt weiter?

Natürlich gibt es noch ein gemeinsames Gespräch mit Klassenlehrer und der gesamten Klasse. Teambuilding sollte ja gemacht werden und gestaltet sich wie folgt: Ihr Kind muss sich vor die Klasse setzen und zu allen Punkten Stellung nehmen, die es beim Direktor vorgetragen hat, während die anderen Kinder gemeinsam mit dem Lehrer von oben herab weiter piesacken und schikanieren. Verletzt von diesen Bloßstellungen kommt Ihr Kind weinend aus der Schule und weigert sich diese Schule auch nur ein einziges Mal wieder zu betreten. Und jetzt frage ich Sie zum letzen Mal: Wie würden Sie sich jetzt noch verhalten? Würden Sie wieder ein Gespräch suchen? Oder reicht es Ihnen vielleicht langsam? Ich kann Ihnen sagen: Mir als Elternteil reicht es. Ich bin das viele Reden, die vielen Gespräche und Versprechungen leid. Mein Weg ist es nun, mein Kind von der Schule zu nehmen und sämtliches Engagement für diese Schule sofort zu unterbinden.

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